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In Den Haag finden Besucher überraschend viele Restaurants mit indonesischen Wurzeln: Laut inoffiziellen Schätzungen servieren mehr als 60 Lokale Gerichte, deren Tradition bis in die Kolonialzeit zurückreicht. Viele Angebote sind günstig und haben sich als fester Bestandteil der Haager Gastronomie etabliert.
Ein Hauch Indonesien mitten in der Stadt
Nur wenige Schritte vom belebten Plein entfernt empfängt das kleine Imbisslokal Kopi Kopi Gäste mit einer klaren Absicht: ein Stück indonesischer Küche erlebbar zu machen. Die Betreiber Debby Elias und ihr Partner Allan schreiben dieses Versprechen groß an die Wand.
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Auf der Karte stehen unter anderem die süß-scharfe Ziegenfleischsuppe Tongseng Kambing mit Kokosmilch, vegetarische Satay-Varianten aus Tofu und Tempeh mit hausgemachter Erdnusssoße sowie mariniertes, gegrilltes Hähnchen (Ayam Bakar Kalasan) mit Reis. Die Küche des Hauses ist halal; Schweinefleisch und alkoholische Getränke werden dabei nicht angeboten.
Koloniale Geschichte und Migration
Die Betreiberfamilien haben indonesische Wurzeln: Viele ihrer Elternteile kamen nach dem Zweiten Weltkrieg in die Niederlande. Die formelle Souveränitätsübergabe an Indonesien erfolgte im Dezember 1949; damit endete die niederländische Kolonialherrschaft, die auf die Organisationen und Strukturen zurückgeht, die bereits im 17. Jahrhundert ihre Grundlagen legten.
Über rund 350 Jahre hinweg trug der Handel mit Gewürzen, Tee, Kaffee, Zucker und anderen Rohstoffen maßgeblich zum Wohlstand der Niederlande bei. Die Folgen dieser Handelsverflechtungen sind bis heute in Küche und Alltagskultur spürbar.
„Die Niederländer — Handelsleute, Farmer, Militärs, Behördenmitarbeiter — standen nach 1949 oft vor der Wahl: in Indonesien bleiben und Indonesier werden oder in die Niederlande zurückkehren“, sagt Steef Barneveld, 67, aus der zweiten Generation der Indo-Niederländer. Er führt gelegentlich Besucher durch die Stadt zu indonesischen Lokalen.
Die Tokos: einfache, preiswerte Treffpunkte
In Den Haag bildete sich ab den 1950er Jahren eine dichte Szene von Tokos und Imbissen. Viele Zuwanderer ließen sich hier nieder und eröffneten kleine Läden, oft kombiniert mit einem paar Tischen zum Essen vor Ort oder zum Mitnehmen.
Heute gibt es in der Stadt nach Schätzungen mehr Tokos als in jeder anderen niederländischen Stadt — über 60. Das Angebot wird inzwischen nicht nur von Menschen mit niederländisch-indonesischen Hintergründen, sondern auch direkt von Einwanderern aus Indonesien geprägt.
Ein Beispiel ist das Toko Frederik in der Frederikstraat, wo Beschäftigte aus dem angrenzenden Verwaltungsviertel günstig zu Mittag essen. Gerade im Vergleich zu vielen gehobenen Haager Restaurants sind Tokos oft deutlich preiswerter.
Reistafel, Tradition und prominente Gäste
Eine der traditionellen Formen indonesischer Küche in Den Haag ist die Reistafel, bei der Reis von zahlreichen kleinen Schälchen mit Fleisch, Fisch und Gemüse begleitet wird. Das Restaurant De Poentjak, vor rund 45 Jahren von Winatuva und Benjamin Tombal gegründet und heute von Sohn Christian und dessen Frau Dian geführt, gilt als eines der ältesten Häuser dieser Art in der Stadt.
Das Lokal zieht ein gemischtes Publikum an: Verwaltungsmitarbeiter, Parlamentarier, Vertreter des Königshauses und auch internationale Persönlichkeiten. Der frühere Ministerpräsident und heutige Nato-Generalsekretär Mark Rutte sowie der französische Präsident Emmanuel Macron wurden hier bereits gesehen.
Nur wenige Schritte entfernt bietet das traditionsreiche Garoeda ebenfalls die Reistafel an; Gäste können dort in einer offenen Küche der Zubereitung zuschauen.
Erinnerungskultur und neue Formate
Die Geschichte der Heimkehrer ist in Den Haag Thema musealer Aufarbeitung: Das Museum Sophiahof dokumentiert multimedial die Lebenswege derjenigen, die zwischen 1946 und 1968 nach Holland kamen. Insgesamt sind in diesem Zeitraum etwa 300.000 Menschen per Schiff in Rotterdam oder Amsterdam angekommen.
Das Museum wurde im Juni 2019 eröffnet. Im Jahr 2022 sprach der damalige Ministerpräsident Rutte eine offizielle Entschuldigung für die Kolonialherrschaft aus — ein Schritt, den manche Kritiker als verspätet bewerten.
Auch kulturelle Initiativen halten die Erinnerung wach. Das Magazin Moesson, bereits 1956 gegründet und heute von Vivian Boon geleitet, versteht sich als Stimme der Indo-Niederländer. Außerdem soll das neue Food- und Kulturfestival „Jalan Jalan“ vom 21. bis 23. August auf dem Lange Voorhout Essen, Musik und Gespräche zusammenbringen.
Praktische Hinweise
Den Haag zählt rund 570.000 Einwohner und ist nach Amsterdam und Rotterdam die drittgrößte Stadt der Niederlande. Parlament und Regierung haben hier ihren Sitz.
Anreise: Mit dem Zug beträgt die Fahrzeit ab Berlin etwa sieben bis acht Stunden, ab Köln mindestens drei Stunden und ab Hamburg rund sechs Stunden. Mit dem Auto rechnet man ab Berlin mit gut achteinhalb Stunden, ab Frankfurt/Main mit etwa fünfeinhalb Stunden und ab München mit knapp zehn Stunden.
Unterkünfte: Das Angebot reicht von Hotels über Pensionen bis zu Ferienwohnungen; Preisrahmen für Hotelübernachtungen liegt nach Angaben der Stadt zwischen etwa 90 und 400 Euro.
Weitere Informationen und eine Auswahl an Tokos und Restaurants finden Interessierte auf den offiziellen Seiten der Stadt: denhaag.com.












