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Der Sächsische Weinwanderweg führt durch eine der kleinsten, aber lebendigsten Weinregionen Deutschlands — eine Gegend, die nach DDR-Entbehrungen eine handfeste Renaissance erlebt. Besonders der Schaumwein aus dem Elbland hat in den letzten Jahren an Ansehen und Nachfrage gewonnen.
Ein Begrüßungssekt in Radebeul
In Radebeul öffnet Tanja Beck-Leyh Besuchern im Weingut «Drei Herren» die Tür und lädt sie in den Garten ein, wo alte Bäume und Skulpturen den Blick auf die steilen Rebanlagen freigeben. Zur Mittagszeit schenkt sie einen Sekt aus: eine reine Scheurebe, mit zweijähriger Flaschengärung, feinen Cassisnoten und moderatem Alkoholgehalt — eine leichte Einstimmung auf die Wanderetappen.
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Radebeul liegt geografisch in der Mitte der Route und ist historisch mehr als Dresdens nobler Vorort. Neben der bekannten Villa des Autors Karl May haben sich örtliche Winzer in Kreativität und Profil eine neue Stellung erarbeitet.
Terroir, Strecke und Geschichte
Die Reben wachsen hier auf terrassierten Weinbergen entlang des Ostufer-Elbabschnitts. Fast ausnahmslos nach Südwesten ausgerichtet, profitieren die Parzellen von besonders guter Sonneneinstrahlung.
Der Weinwanderweg erstreckt sich auf rund 90 Kilometern von Pirna flussabwärts bis Diesbar‑Seußlitz. Er verbindet Orte wie Dresden, Radebeul, Coswig, Weinböhla, Niederau und Meißen. Entlang der Strecke laden kleine Straußwirtschaften zur Kostprobe von Tropfen ein, die außerhalb der Region schwer zu finden sind.
Weinbau im Elbland hat eine lange Geschichte: Erste Hinweise datieren auf das Jahr 1161, im 17. Jahrhundert gab es weit über 5.000 Hektar Anbaufläche. In der DDR verlor die Region an Bedeutung, heute sorgt eine Vielzahl von Klein- und Kleinstwinzern für einen spürbaren Aufschwung — vor allem beim Sekt.
Winzer, Museen und Erlebnisorte
Beim Bio-Weingut Hoflößnitz, das das Sächsische Weinbaumuseum beherbergt, erläutert Gästeführer Jens Scherf die Lage nüchtern: «Die Produktionsfläche ist mit 522 Hektar überschaubar. Außerdem trinken wir in Sachsen unseren Wein vorzugsweise selbst.»
Ein anderes Profil zeigt Schloss Wackerbarth. Das Anwesen verbindet einen ornamentalen Schlossgarten, eine moderne Kellerei und ein gehobenes Restaurant — und wirkt damit wie ein Weinerlebniszentrum. Betriebsleiter Jürgen Aumüller beschreibt das Haus so: «Bei uns ist jeder Tag ein Tag der offenen Tür.»
Wackerbarth empfängt viele Besucher: Veranstaltungsprogramme und bis zu 220.000 Gäste jährlich gehören ebenso zum Betrieb wie der Erhalt historischer Trockenmauern. Eine auffällige Spezialität ist die traditionelle, keulenförmige Sachsenkeule-Flasche, in der auch Schaumweine angeboten werden.
Im nahegelegenen Coswig betreibt die Familie Matyas ein kleines Weingut mit rund acht Hektar. Die Anlage fällt durch ausgeprägte Gartenbepflanzung auf: Rosen und Oleander wachsen zwischen den Reben und prägen das Bild.
Vom Kapitelberg bis zum Grand Terroir
Der studierte Önologe Weber hat südlich von Meißen eine kleine Steillage am Kapitelberg erworben. Seine Ambition: einen hochwertigen Sekt zu produzieren. Sein «Grand Terroir Meißner Kapitelberg Blanc de Noirs extra brut» wurde bereits von Fachpublikationen ausgezeichnet.
Weber geht sogar so weit zu sagen, sein Sekt könne preislich mit Champagner mithalten. Dass Meißen als Wiege des sächsischen Weinbaus gilt, unterfüttert den Anspruch. Auf dem Marktplatz der Stadt lädt ein Weinpavillon zum Probieren ein — ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher.
Wein und Ausflüge in Dresden
Dresden bietet Weinreisenden entspannte Möglichkeiten, etwa an Bord des nostalgischen Personendampfers «Leipzig», der an den Elbschlössern vorbeiführt. Regionale Schoppenweine passen gut zu dieser Tour.
Hoch über der Elbe betreibt Winzer Lutz Müller den Dresdner Stadtweinberg; das Gartenlokal dort erzeugt an warmen Abenden ein fast filmhaftes Ambiente. Zurück in Radebeul führt die kulinarische Spitze das «Atelier Sanssouci»: das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant kombiniert französische Tradition mit modernen Einflüssen. Saisonabhängig finden Veranstaltungen im Gartensaal der historischen Villa Sorgenfrei oder auf der Terrasse statt — und die Weinbegleitung stammt überwiegend aus dem Elbland.
Praktische Hinweise
Beste Reisezeit: Die Strecke ist am ehesten von Mai bis Oktober zu empfehlen; im Herbst findet die Weinlese statt.
Anreise: Dresden ist per Deutscher Bahn ohne Umstieg von Städten wie Frankfurt am Main, Dortmund und Berlin erreichbar. Mit dem Auto benötigt man etwa fünf Stunden ab München, knapp sechs Stunden ab Hamburg und rund sieben Stunden ab Köln.
Streckeninfos: Die Gesamtroute umfasst rund 90 Kilometer und lässt sich in sechs Etappen zu je etwa 15–18 Kilometern bewältigen. Wer mag, kombiniert Wandern mit S‑Bahn, Taxi oder Dampfschiff. Weitere Details und Karten finden sich auf weinwandern-sachsen.de.
Mehr Informationen: dresden-elbland.de; meissen.com












