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- Warum Südfrankreich anfangs als Zuflucht galt
- Sanary-sur-Mer: Wegstation einer Exilgeneration
- Vom Internierungslager zum Deportationsort: Camp des Milles
- Wie Erinnerung und Forschung entstanden
- Varian Fry: die Rettungsaktion und ihr Nachhall
- Erinnerungsorte in Marseille
- Praktische Hinweise für Besucher
Marseille war 1940 der letzte offene Hafen Frankreichs und zog Tausende an, die dem NS-Regime entkommen wollten. Besonders Schriftsteller und Künstler suchten an der Côte d’Azur Schutz – ihre Spuren führt heute ein Wanderweg in Sanary-sur-Mer zusammen.
Warum Südfrankreich anfangs als Zuflucht galt
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Für viele Verfolgte schien die Region verlockend: mildes Klima, eine vorher oft offene Aufnahme und die Möglichkeit, über Marseille weiterzureisen. Vor allem Intellektuelle und Literaten flüchteten frühzeitig aus Deutschland; einige hatten die Gegend bereits vor 1933 gekannt, andere kamen unmittelbar danach.
Zu den prominenten Namen, die in der Umgebung Unterkunft fanden, zählen Thomas Mann, Lion Feuchtwanger sowie Klaus Mann. Thomas Mann verließ die Region nach rund viereinhalb Monaten, um eine Professur in den USA anzutreten. Feuchtwanger blieb deutlich länger – etwa sieben Jahre – ehe ihn die Ereignisse fast einholten.
Sanary-sur-Mer: Wegstation einer Exilgeneration
In Sanary-sur-Mer erinnern heute Tafeln und ein acht Kilometer langer Wanderweg an die Unterkünfte ehemaliger Exilanten. Die Route führt zu 21 Wohnhäusern; an den meisten Fassaden verweisen kleine Informationstafeln auf die einstigen Bewohner. Am Tourismusbüro hängt zudem eine Gedenktafel mit fast 70 Namen.

Der Weg beginnt nahe dem ehemaligen «Hotel de la Tour», wo Klaus Mann längere Zeit in Zimmer 17 lebte und die Adresse sogar in seinen Briefkopf setzte. Ein einschneidendes Datum: Am 11. Mai 1933 las er dort in einer deutschen Zeitung von den Bücherverbrennungen in München.
Unweit hatten Thomas und Katia Mann die Villa «La Tranquille» bezogen und veranstalteten dort Literaturabende. In unmittelbarer Nähe wohnten unter anderem Alma Mahler-Werfel mit Franz Werfel und der britische Schriftsteller Aldous Huxley. Die dörfliche Szenerie mit Bougainvillea und Pinien vermittelt, warum sich viele Kreative dort zunächst sicher und inspiriert fühlten.
Vom Internierungslager zum Deportationsort: Camp des Milles
Die Wende kam 1940: Lion Feuchtwanger, der die Gefahr in Südfrankreich zunächst nicht wahrhaben wollte, musste sich am 21. Mai 1940 im Camp des Milles bei Aix-en-Provence melden. Die ehemalige Ziegelfabrik war kurz zuvor zur Internierungsstelle erklärt worden.

Magdalena Schräder, die vor Ort als kulturelle Vermittlerin arbeitet, erläutert, dass die französische Regierung die Exilanten zunächst aus Sorge vor möglichen Kollaborationen internierte. Nur wenige Wochen später verschärfte sich die Lage: Nach der schnellen militärischen Niederlage Frankreichs wandelte sich die «Schutzhaft» in eine restriktivere «Haft für unerwünschte Ausländer».
1942 eskalierte die Entwicklung: Das Camp des Milles wurde zum Deportationslager. Mehr als 2.000 Gefangene wurden später per Zug nach Auschwitz gebracht.
Wie Erinnerung und Forschung entstanden
Nach dem Krieg nahm die Fabrik 1947 wieder ihre Produktion auf, und das Lager geriet rasch in Vergessenheit. Erst als 1983 der Abriss der stillgelegten Gebäude geplatzt war, begann eine Debatte um Bewahrung und Erinnerung. Entgegen dem lokalen Widerstand wurde eine Gedenkstätte eingerichtet; seit 2012 existiert hier ein Museum mit einem angeschlossenen Forschungszentrum für Genozide.
Lion Feuchtwanger gehörte zu denjenigen Insassen, die Zugang zu Transitpapieren erhielten. Dadurch gelang ihm später die Emigration in die USA – seine Rettung war mitentscheidend für weitere Lebensjahre im Exil.
Varian Fry: die Rettungsaktion und ihr Nachhall
Wesentlichen Anteil an zahlreichen Rettungen hatte der amerikanische Journalist Varian Fry. Als Leiter des Emergency Rescue Committee (etwa von Mitte 1940 bis 1942) organisierte er mit seinem Team die Flucht vieler Schriftsteller, Künstler und Verfolgter. Die Initiative wurde unter anderem von Eleanor Roosevelt unterstützt.
Frys Einsatz blieb lange wenig beachtet. Die Netflix-Serie «Transatlantic» (2023), basierend auf Julie Orringers Roman «The Flight Portfolio», hat die Geschichte wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt. In Marseille ist der Vorplatz des US-Konsulats nach Varian Fry benannt.
Erinnerungsorte in Marseille
Die Stadt zeigt heute mehrere Erinnerungszeichen: In der Nähe des MUCEM liegt seit 2019 das «Mémorial des déportations» in einem ehemaligen deutschen Bunker. Im Viertel Le Panier verweisen Wandbilder auf Marseilles Rolle als Zufluchtsort in den 1930er und 40er Jahren.
Auch die «Association Varian Fry France» hat an Bedeutung gewonnen. Ihr Vorsitzender, der frühere US-Konsul in Marseille Philip Breeden, führt das gestiegene Interesse teilweise auf heutige geopolitische Spannungen zurück, in denen wieder stärker Grenzen gezogen würden. Über die Netflix-Adaption sagt Breeden, sie biete hohen Unterhaltungswert, wenngleich die historische Genauigkeit Grenzen habe. Wichtig sei, dass Fry die ihm gebührende Anerkennung erfahre. Sein Fazit: «Jeder Einzelne kann große Dinge bewegen.»
Praktische Hinweise für Besucher
- Ort: Sanary-sur-Mer liegt an der Côte d’Azur, etwa eine Autostunde südöstlich von Marseille.
- Museen: MUCEM: regulär 11 Euro. Camp des Milles: 14 Euro. Die Dauerausstellung im «Mémorial des déportations» ist kostenfrei.
- Anreise: Marseille ist per ICE/TGV mit Umstieg erreichbar; Lufthansa bietet Direktflüge von Frankfurt und München, Ryanair von Berlin.
- Reisezeit: Die Region ist ganzjährig besuchbar; im Winter sind manche Hotels und Restaurants geschlossen, dafür wirkt der Ort authentischer und ruhiger.
- Mehr Informationen: Offizielle Tourismusseiten von Marseille und Sanary bieten Details zu Führungen und lokalen Angeboten.












