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In Walla Walla im Südosten Washingtons trifft Rock‑’n’‑Roll auf Kellerkultur: Ein Metal‑Festival mit Weinproben zeigt, dass ernsthafte Weine nicht steif sein müssen. Die Mischung aus Konzerten, Tattoos und Degustationen macht deutlich, warum diese Region als besonders entspannt gilt.
Ein Festival, das Grenzen verwischt
Im Ballsaal des Marcus Whitman Hotel & Conference Center sieht man an einem Abend Schweriner‑Riffs neben Weinproben. Händler verkaufen Totenkopf‑Anhänger, Burlesque‑Künstler hängen an einem Aerial‑Cube, und Winzer schenken Viognier, Syrah und Cabernet Sauvignon aus. Das ist die Atmosphäre der jährlichen „Blood of Gods Annual Merrymaking“.
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Initiator ist Stacy Buchanan, ein Sohn der Stadt, der nach der Highschool als Promoter unter anderem bei der Ozzfest‑Tour arbeitete und fast ein Jahrzehnt in der Musikszene verbrachte. Zurück in Walla Walla entdeckte er, dass während seiner Abwesenheit mehr als 100 Weingüter entstanden waren. Aus seiner Leidenschaft für Metal und Wein entstand das gleichnamige Zine, in dem Band‑Interviews, Weinbesprechungen und metal‑inspirierte Kunst zusammenkommen.
Die Veranstaltung ist klein, aber wirkungsvoll: Die Ausgabe 2026 zählte etwa 650 Besucher und sammelte mehr als 20.000 US‑Dollar für Planned Parenthood. Für die regionale Weinwelt ist das ein Zeichen: Qualität und Ernsthaftigkeit gehen hier mit einer lockeren, inklusiven Haltung einher.
Walla Walla: Eine unkonventionelle Weinlandschaft
Den Einstieg in die Weinwelt der Stadt bietet das Airport District, ein Ensemble pastellfarbener Gebäude auf einem ehemaligen Flugfeld. Dort mieten junge Produzenten Platz für Produktion und Verkostung. Ein aktuelles Beispiel ist Itä, dessen Winzerin Kelsey Albro Itämeri mit unkomplizierten, zugänglichen Weinen – etwa einem carbonischen Zinfandel – Aufmerksamkeit gewinnt.

Die Offenheit gegenüber neuen Winzern prägt die Region. „Die Einstiegshürden sind niedriger“, sagt Itämeri, die das Gemeinschaftsgefühl hier lobt. Viele Winzer unterstützen sich gegenseitig; statt Konkurrenz dominiert ein kollegiales Miteinander.
In der Innenstadt wie auch in den umliegenden Hügeln gibt es Verkostungsräume mit Charakter. Bei Time & Direction erzählt Winzer Steve Wells gern von seiner Star Wars‑Sammlung und fordert Gäste zu einer Runde Contra heraus, während Syrah im Glas landet. Musikfans schätzen Sleight of Hand Cellars, wo man beim Plattenauflegen Trey Buschs Weine probieren kann – Busch hat laut Angaben aus der Region Pearl Jam schon sehr oft live gesehen.
Vom Rocks District bis zur modernen Architektur
Ein kurzer Ausflug über die Staatsgrenze führt in den Rocks District von Oregon, dessen steinige Böden Weine mit markanter Mineralität hervorbringen. Bei Saviah Cellars stehen entsprechende Cuvées auf der Karte. Die Marke The Walls spielt mit der lokalen Geschichte: Der Name bezieht sich auf einen Spitznamen des nahen Gefängnisses, und die Etiketten stammen von Cartoonist Joe Dator.
Auch traditionelle Estate‑Tastings sind hier zugänglicher als anderswo. Bei Tranche Estate lässt sich etwa während einer ATV‑Tour durch Weinberge probieren. Das junge, gläserne Gebäude von Echolands Winery bietet Ausblick auf nachhaltig bewirtschaftete Parzellen und zieht ein junges Publikum an. Winzer und Manager Brian Rudin betont, dass er keinen steifen Ort wolle; die Linie zwischen Qualität und Attitüde soll bewusst niedrig gehalten werden.
Wo man essen sollte
Trotz der kleinen Größe der Stadt ist die Restaurantszene vielseitig. Mike Martin, Gründer der Walls, betreibt auch die Passatempo Taverna, die für hausgemachte Pasta bekannt ist – darunter eine polentagefüllte Agnolotti. Mediterrane Gerichte bietet Saffron Mediterranean Kitchen, die sich mit Patatas Bravas und türkischen Fladen einen Namen gemacht hat.
Für klassische französische Küche empfiehlt sich Brasserie Four, das eine Auswahl an altweltlichen Weinen führt. Wer es leger mag, probiert die kleinen Gerichte und Konserven im Tavern Ancestrale, einer Weinbar des Winzers Robert Gomez von Hoquetus Wine Co., die Weine, Vermouth und Amaro kombiniert.
Übernachten in Walla Walla
Im Stadtzentrum ist das historische Marcus Whitman die erste Adresse. Das 1928 eröffnete Hotel steht im National Register of Historic Places und wurde kürzlich modernisiert. In den öffentlichen Bereichen und im Restaurant The Marc liegt der Fokus auf regionalen Produkten; dort entstehen auch Paarungen in Zusammenarbeit mit Winzern. Mehrere Verkostungsräume, darunter L’Ecole No. 41, sind direkt vom Lobbybereich aus erreichbar.
Wer eine klassische Wein‑Country‑Atmosphäre sucht, findet sie im Barn B&B Walla Walla, einem Boutique‑Hotel mit sieben Suiten in den Hügeln, rund acht Minuten Fahrt vom Zentrum entfernt. Die Gastgeber wohnen vor Ort, begrüßen Gäste gern persönlich und bieten eine entspannte Atmosphäre mit Pool und Boccia‑Platz. Dank Partnerschaften mit lokalen Weingütern sind oft auch kostenfreie Verkostungen möglich.











