Alpabzug in Fribourg: Glocken, Käse und Schokolade prägen die Feier

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Im bündnerischen Voralpenraum des Kantons Fribourg feiert das Dorf Plaffeien jedes Jahr den Rückzug der Kühe, Ziegen und seltener Pferde und Alpakas von den Alpen ins Tal. Der Alpabzug markiert das Ende der rund 100-tägigen Almsaison – und ist weit mehr als ein Fotomotiv für Tagesausflügler.

Ein Fest, das die Gemeinde zusammenführt

Am frühen Morgen wird Plaffeien zum Treffpunkt: Marktstände, ein Festzelt und dichtes Treiben füllen die Gassen eines Ortes mit rund 3.000 Einwohnern. Viele Anwohner und Besucher stehen am Straßenrand, wenn die Viehherden vom Gebiet um den Schwarzsee herabziehen.

Marktstände und Festzelt in einer belebten Dorfstraße am frühen Morgen
Früher Morgen in Plaffeien: Marktstände und Festzelt füllen die Gassen.

Die Tiere legen etwa zehn Kilometer und rund 200 Höhenmeter zurück. Dabei tragen manche Kühe Kopfschmuck aus Tannenzweigen, andere sind mit Girlanden aus Sonnenblumen und Grün geschmückt. Fast alle Tiere haben große Glocken um den Hals – oft Familienerbstücke, die erst für den Abzug angelegt werden.

Für die Organisatoren ist der Anlass kein inszeniertes Spektakel. Christoph Overney, Landwirt und Vorsitzender des Veranstaltungskomitees, betont, dass die Dekoration nicht für Besucher vorgenommen werde; der Alpabzug sei vielmehr der feierliche Abschluss einer erfolgreichen Alp-Saison.

Ablauf und Beteiligte

Nicht alle Bauern bringen ihre Tiere am gleichen Tag ins Tal: Milchvieh wird oft früher geholt, wenn das Gras abnimmt. Trotzdem kommen Ende September rund 20 Familien zusammen und führen mehr als 1.000 Tiere ins Dorf.

Der Ton der Glocken, der Duft von Stall und Feld sowie das dörfliche Treiben vermitteln ein lebendiges Bild traditioneller Landwirtschaft ohne folkloristische Überzeichnung.

Käseherstellung direkt auf der Alp

Auf einigen Alpweiden wird die Milch unmittelbar verarbeitet. In der Fromagerie d’Alpage nahe der Talstation des Moléson zeigt Käsemeister François Kolly, wie traditionelle Bergkäse entstehen.

Käser bei der Herstellung von Bergkäse in einem Kupferkessel auf offenem Feuer
Käsemeister bei der traditionellen Käseherstellung im Kupferkessel.

Die Milch wird im Kupferkessel über offenem Holzfeuer auf exakt 32 Grad erwärmt. Milchkulturen und Lab kommen dazu; der Käser prüfen die Gerinnung von Hand. Anschließend wird der Käsebruch in Hanftüchern aus der Molke gehoben, mit Steingewichten gepresst und in Formen gesetzt.

Die Formen werden bis zum nächsten Morgen mehrfach gewendet. Nach Salzbad und Pflege im Keller reift der Käse und wird dann unter anderem als Fondue verwendet. Kolly verarbeitet im Sommer die Milch von rund 50 Kühen und stellt so jährlich etwa 13 bis 14 Tonnen Käse her. Nur wenn der Vacherin Fribourgeois Alpage über offenem Feuer hergestellt wurde, darf er diese Bezeichnung tragen.

Regionale Spezialitäten

Der Kanton Fribourg bringt mehr als Käse hervor. Typische Produkte mit geschützter Ursprungsbezeichnung (AOP) sind die kleine regionale Birnensorte Poire à Botzi, das mit Safran gewürzte Brot Cuchaule, der über Holzrauch gereifte Jambon de la Borne und die kräftige Rohwurst Boutefas.

Schokolade: Broc und die Geschichte der Milchschokolade

Nur wenige Kilometer von den Schaukäseorten entfernt liegt Broc, Schauplatz der Geschichte der Schweizer Milchschokolade. Das Musée de la Maison Cailler erzählt, wie François‑Louis Cailler (geboren 1796) die heutige Schokoladentradition begründete und wie Daniel Peter 1875 die Milchschokolade entwickelte.

1898 eröffnete Alexandre‑Louis Cailler in Broc eine Produktionsstätte; bis heute wird in der Region Cailler‑Schokolade hergestellt. Zusammen mit Gruyères gehören diese Stationen zu den klassischen touristischen Zielen: Käse, Schokolade und mittelalterliche Architektur.

Praktische Hinweise

  • Reiseziel: Der Kanton Fribourg liegt im Westen der Schweiz und ist zweisprachig (Französisch/Deutsch). Wanderziele sind etwa der Moléson oder der Vanil Noir.
  • Anreise: Mit dem Auto von Berlin rund 10–11 Stunden, von Köln 7–8 Stunden, von München etwa 6 Stunden. Per Bahn über Zürich nach Fribourg, dann weiter mit Postauto oder Regionalbahn.
  • Flughäfen: Zürich und Genf; von dort dauert die Zugfahrt in die Region etwa zwei Stunden.
  • Reisezeit: Die Alpabzüge finden im Spätsommer und frühen Herbst statt.
  • Schaukäserei: Vorführungen in der Fromagerie d’Alpage dauern rund 45 Minuten. Eintrittspreise variieren je nach Alter; für Kleinkinder ist die Teilnahme kostenfrei. Weitere Informationen: moleson.ch/fromagerie-dalpage.
  • Kultureller Tipp: In Gruyères zeigt das HR Giger Museum Werke des Künstlers; gegenüber befindet sich die thematisch gestaltete HR Giger Bar (hrgigermuseum.com).

Weitere Details zur Region und Angeboten bieten die offiziellen Seiten myswitzerland.com, fribourg.ch und uft-ftv.ch.

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