Auf 700 Meilen durch Japan: Tempel- und Genussroute verbindet Wandern mit Ramen und Kaiseki

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Nach langen Wandertagen in Shikoku sind es oft einfache Gerichte — dicke Udon, knuspriges Tempura, gegrillte Spieße und frisches Sashimi — die den Tag abrunden und neue Kraft geben. Diese Inselpilgerreise verbindet ausgedehnte Etappen mit regionalen Spezialitäten und macht Essen zum festen Bestandteil der Erfahrung.

Wie man die Shikoku-Tempel-Pilgerroute wandert

Der vollständige Rundweg erstreckt sich über rund 746 miles und führt durch alle vier Präfekturen Shikokus: Tokushima, Kōchi, Ehime und Kagawa. Zu Fuß benötigen Pilger dafür meist sechs Wochen bis zwei Monate; sie folgen den Spuren Kukais, des im 9. Jahrhundert wirkenden Begründers der Shingon-Schule.

Wanderer auf einem Pfad vor einem kleinen Tempel in Shikoku
Abschnitte der 88‑Tempel‑Route führen durch alle vier Präfekturen Shikokus.

Es handelt sich weniger um einen Wettlauf als um eine meditative Reise zur Reflexion und Erneuerung. Die klassische Route umfasst 88 Tempel. Viele Reisende wählen jedoch verkürzte, selbstgeführte Varianten: In meinem Fall war es eine acht Tage lange Tour mit täglichen Etappen von etwa 8–10 miles, die zwei Präfekturen berührte.

Auf organisierter Basis bietet Walk Japan sowohl geführte als auch selbstgeführte Pakete an. Laut eigenen Angaben inklusive logistischer Hilfe — detaillierte Tagesbeschreibungen, gelegentliche Taxifahrten und Gepäcktransfers zwischen den Unterkünften — lassen sich solche Kurzreisen als fünftägige bis achttägige Programme buchen.

Kulinarische Höhepunkte entlang des Wegs

Die Küche Shikokus ist eng mit Landschaft und Jahreszeiten verwoben. In ländlichen Abschnitten liefern Reisfelder, Gemüseparzellen und Zitrushaine die Zutaten für regionale Gerichte. Viele Tempel bieten zudem Shojin-ryori an, die vegetarische Pilgerküche, die besonders nahrhaft und simpel ist.

Mehrgängiges Kaiseki‑Menü auf einem niedrigen Tisch in einem Ryokan
Kaiseki und lokale Spezialitäten sind feste Belohnungen nach langen Etappen.

In den Gasthäusern erwartet Wandernde oft ein mehrgängiges kaiseki-Menü: fein arrangierte Portionen, bei mir die erste Belohnung nach einem langen Marsch. In Bando, im Ryokan Otorii-en, stand frisches Rotbrassen-Sashimi vom Naruto-Sund auf der Karte — zarte Scheiben Weißfisch, die den Abend deutlich aufwerteten. Saisonale Eintöpfe mit regionalem Gemüse wie Daikon und Kürbis gehörten ebenfalls dazu.

Udon ist die wohl bekannteste Spezialität der Insel. Besonders in Kagawa gilt die dicke Weizennudel als Alltagsgrundnahrungsmittel; am Ende meiner Tour aß ich Sanuki-Udon in einem Dashi-Fischbrühegericht bei Kotohira Kadan. Einer Erklärung des Walk Japan-Tourleiters Tom Orsman zufolge wurde Udon der Legende nach von Kukai nach Japan gebracht und gilt bis heute als kräftigende Mahlzeit für lange Wanderungen.

Weitere regionale Kostproben: Tokuschimas Sudachi-Limette verleiht Soba und Fischgerichten Frische, die Naruto Kintoki-Süßkartoffel ist in der Gegend verbreitet, und aus dem Yoshino-Flussbecken stammt leicht klebriger Reis. In Tokushima-Stadt probierte ich Tokushima-Ramen bei Inotani: kurze Nudeln in einer kräftigen Mischung aus Sojasauce und Tonkotsu-Brühe, verfeinert mit Schweinebauch und rohem Ei.

In der abgeschiedenen Iya-Schlucht gibt es an Straßenständen die sogenannten Iya no dekomawasi-Spieße: kleine Stücke Goshuiimo-Kartoffel, Buchweizenklöße, fester Tofu und eine Miso-Sauce. Auf der vollständigen 88-Tempel-Route wartet in Kōchi der katsuo no tataki, kurz angebratener Bonito, der häufig mit Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Ingwer serviert wird. Ehime ist bekannt für Zitrusfrüchte wie Mikan, Iyokan und die etwas bittere Hassaku-Orange.

Praktische Tipps für die Pilgerreise

Viele Wegeabschnitte verlaufen durch abgelegene Dörfer; Bargeld in japanischen Yen ist daher nützlich. Unterwegs sind praktische Stopps an Convenience Stores wie 7-Eleven, Family Mart oder Lawson üblich — dort gibt es Onigiri, Karaage, Gyoza und einfache Sandwiches für die Brotzeit.

Beim Starttempel Ryozen-ji befindet sich ein Pilgerladen, in dem typische Gegenstände verkauft werden: Gehstöcke, Gebetskugeln und die weiße Pilgerjacke hakui. Ebenfalls empfehlenswert ist das noukyo-Buch — ein Heft, das an jedem Tempel mit offizieller Kalligrafie signiert wird und als Souvenir und Beleg der Besuche dient.

Was die Ausrüstung angeht, bewährten sich für mich Wanderschuhe, ein gut sitzender Rucksack und eine Regenjacke. Praktischer als formelle Kleidung ist funktionale, wetterfeste Bekleidung; ein Fotoapparat gehört allerdings auch auf die Packliste.

Übernachtungen

Im Rahmen der organisierten Touren sind Unterkünfte im Voraus gebucht. Das Spektrum reicht von traditionellen Ryokans mit Tatami, kaiseki-Menüs und Onsen-Bädern bis zu einem westlich eingerichteten Hotel. Otorii-en ist ein typisches Beispiel für ein erstes, komfortables Etappenziel nahe dem Tempel Nummer eins.

Wer in Tempelanlagen übernachtet, etwa in Anrakuji, erlebt oft eine intensivere kulturelle Einbindung: gemeinsame Onsen, einfache Zimmer mit Tatami oder Betten und die Möglichkeit, an Abendritualen teilzunehmen. Hotel Shiki no Sato in Kamiyama Onsen liegt am Uetsunotani-Fluss und bietet sowohl japanische als auch westliche Zimmer sowie eine alte Thermalquelle.

Besonders eindrücklich waren die Abschlussquartiere meiner Tour: Das Hotel Kazura-bashi in der Iya-Schlucht besitzt ein Onsen, das per Bergseilbahn erreichbar ist und hoch über dem Wald liegt. Kotohira Kadan wiederum zeigte sich als die luxuriöseste Adresse — mit Blick auf den historischen Kotohira-Schrein, privaten Außenbädern und einer Küche, die noch einmal Sanuki-Udon und regionale Fleischspezialitäten servierte.

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