Rustikale Kurztrip-Ziele: entspannt unterwegs fern der Wiesn-Massen

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Das Münchner Oktoberfest zieht Jahr für Jahr Millionen Menschen an – 2026 wird das erste Fass am Samstag, 19. September, von Oberbürgermeister Dominik Krause angezapft. Wer dem Gedränge und den hohen Preisen entgehen möchte, findet in Bayern zahlreiche ruhigere, ebenso traditionsreiche Alternativen für einen Kurztrip.

1. Bad Reichenhall: Auf den Predigtstuhl ohne Rummel

Etwa eineinhalb Stunden Fahrt südöstlich von München liegt Bad Reichenhall am Alpenrand. Statt Fahrgeschäften wie Riesenrad oder Achterbahn bietet die Kleinstadt eine historische Attraktion: die Predigtstuhlbahn, eine original erhaltene Seilbahn aus dem Jahr 1928. In unter zehn Minuten bringt sie Besucher auf den 1.613 Meter hohen Hausberg.

Die historische Predigtstuhlbahn vor Bergpanorama
Die original erhaltene Predigtstuhlbahn bringt Besucher schnell auf den Hausberg von Bad Reichenhall.

Oben entschädigt der Ausblick über den Chiemsee bis zu den Loferer Steinbergen. Die Bergstation, im Stil des Art déco erbaut, ist ein Anziehungspunkt für Architekturinteressierte.

Wanderwege führen zu Gipfeln wie Hochschlegel, Karkopf oder Dreisesselberg und sogar Richtung Berchtesgaden. Für eine gemütliche Einkehr reicht ein rund 20-minütiger Spaziergang zur Schlegelmuldenalm – dort gibt es herzhafte Brotzeiten und manchmal Volksmusik, ansonsten herrscht Bergruhe.

Im Tal locken die Rupertus Therme, das Industriedenkmal Alte Saline und das Gradierhaus im Königlichen Kurgarten, dessen Eintritt frei ist.

2. Nürnberg: Lebkuchen in historischer Kulisse

Rund 170 Kilometer nördlich von München erhebt sich die Doppelburg Nürnbergs aus dem Mittelalter. Die Kaiserburg und die Burggrafenburg dominieren die Altstadt, in der Fachwerkhäuser, prunkvolle Patrizierbauten und Gärten gut erhalten sind. Unterhalb der Burg befindet sich das Dürerhaus, einst Wohnort des Malers Albrecht Dürer.

Kulinarisch ist Nürnberg für seine Lebkuchen berühmt. Besonders gefragt sind die Elisenlebkuchen, die traditionell mindestens 25 Prozent Nüsse enthalten und nur bis zu zehn Prozent Mehl. Das Gebäck ist hier nicht nur zur Weihnachtszeit zu haben: Bäckereien backen es bereits ab September.

Wer die Stadt zur Adventszeit besucht, trifft auf den weltbekannten Christkindlesmarkt, der in diesem Jahr vom 27. November bis 24. Dezember stattfindet.

3. Schliersee: Tracht und bäuerliche Tradition

Rund 50 Kilometer südöstlich von München liegt der Schliersee, eingebettet zwischen Bayerns Gipfeln. Hier wird noch klassische Tracht gepflegt: Schneiderin Christine Falken (als „D’Nahterin vom Schliersee“ bekannt) fertigt das geschützte Schlierseer Dirndl nach Maß – bewusst traditionell, aber alltagstauglich.

Männer finden in der Region ebenfalls authentische Hirschlederhosen. Miesbach gilt als Wiege der bayerischen Trachtenbewegung; 1859 entstand hier der erste Trachtenverein, dessen Gebirgstracht später weit verbreitet wurde.

Sportliche Besucher können wandern, Mountainbiken oder im Winter Ski fahren. Kulturinteressierte steuern das Freilichtmuseum Schliersee von Markus Wasmeier an. Dort wurden historische Höfe rekonstruiert und werden in alter Tradition bewirtschaftet.

Im Bauernhofmuseum braut man nach altem Vorbild: vier Sorten – Märzen, Helles, Rotbier und ein Bock mit dem Namen „Wasinator“ – werden handwerklich hergestellt. Ein deutlich anderer Biergenuss als das Industrieprodukt großer Festzelte.

4. Tegernsee: Biergarten statt Bierzelt

Der Tegernsee, etwa 50 Kilometer südlich von München, verbindet Seelebene mit bayerischer Gastlichkeit. Im Biergarten des Herzoglichen Bräustüberls sitzt man unter Bäumen mit Blick auf See und Berge.

Biergarten mit Blick auf einen See und Berge
Biergarten am Tegernsee: Bier unter Bäumen mit Blick auf See und Berge.

Das Tegernseer Schloss und seine Gewölbe sind seit 1675 Schauplatz der sogenannten „Liberalitas Bavaria“ – lange bevor das Oktoberfest entstand. Das vor Ort gebraute Bier fließt heute per Direktleitung frisch ins Glas. Auf der Karte stehen klassische Schmankerl wie saures Lüngerl, geräuchertes Wammerl oder ofenfrisches Bierbratl.

Wer Bewegung sucht, umrundet den See (rund 6,5 Kilometer lang, 1,4 Kilometer breit), nimmt an einer Schiffsrundfahrt teil oder steigt auf den 1.722 Meter hohen Wallberg – zu Fuß oder mit der Wallbergbahn. Die Aussicht reicht bei guter Sicht bis zur Zugspitze; bunte Gleitschirmflieger machen das Panorama lebendig. Der Tegernsee zählt zu den saubersten Gewässern Bayerns und hat Trinkwasserqualität.

5. Oberviechtach: Riesenmaßkrug und Goldgeschichte

Im Oberpfälzer Wald gelten andere Maßstäbe: Bei Oberviechtach steht ein Maßkrug von 3,80 Metern Höhe. Das bemalte Gefäß hält 4.718 Liter und ist seit 2004 im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet. Der Riesenkrug steht etwa sechs Kilometer außerhalb der Stadt beim Gasthof Hammerschänke.

Die Region hat eine lange Bergbautradition: Seit dem 14. Jahrhundert wurde hier Gold gefördert, daher trägt Oberviechtach den Beinamen „Goldstadt Bayerns“. Auf dem Goldlehrpfad können Besucher selbst Gold waschen und ihre Funde mitnehmen.

Für Wanderer führt der 660 Kilometer lange Goldsteig durch die Gegend und vorbei an Burgen bis in den Bayerischen Wald. In der Ferne lässt sich bei guter Sicht auch der heilklimatische Kurort Bodenmais erkennen, ein Beispiel für die zahlreichen Wellnessangebote in der Region.

Wer dem Trubel der Theresienwiese entfliehen will, findet in diesen bayerischen Orten authentische Stimmung, regionale Spezialitäten und oft mehr Platz zum Durchatmen – ideal für einen entspannten Kurzurlaub.

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