Algen als Geschäftsidee: Angelita und Tamara starten auf den Lofoten ein Start‑up

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Zwei Gründerinnen haben auf den Lofoten aus einer kleinen Idee ein regionales Geschäft gemacht: Mit Handarbeit und lokalem Wissen haben sie Algen zu einem gefragten Produkt für Spitzenküche und nachhaltige Anwendungen entwickelt. Ihre Arbeit zeigt, wie Meerespflanzen in Ernährung und Klimaschutz an Bedeutung gewinnen können.

Gründung und persönlicher Hintergrund

Vor zehn Jahren gründeten die Physiotherapeutinnen Angelita Eriksen und Tamara Singer das Unternehmen Lofoten Seaweed. Ihr Vorhaben: heimische Algen als Lebensmittel und Rohstoff bekannt machen, statt sie nur als Dünger oder Tierfutter zu verwenden.

Tamara brachte eigenes Know‑how mit: Ihre japanischen Wurzeln und die Kochtradition ihrer Mutter halfen bei der Auswahl und Verarbeitung verschiedener Arten. Die beiden hatten sich zuvor in Australien kennengelernt; Tamara blieb später auf den Lofoten.

Ernte unter widrigen Bedingungen

Begonnen wurde mit einem kleinen Boot und Außenbordmotor. Die Algen werden größtenteils von Hand geerntet. Wind, Kälte und starke Gezeiten lassen nur ein kurzes Fenster zu – meist nur etwa drei Stunden während der Ebbe.

Kleines Boot mit Menschen, die Algen von Hand ernten
Algen werden größtenteils per Hand von kleinen Booten geerntet.

Die Sammelplätze werden bewusst rotiert, damit sich die Bestände erholen und die im Ökosystem lebenden Kleinstorganismen geschützt bleiben. Diese sorgsame Praxis soll nachhaltiges Wachstum ermöglichen.

Vom Kleinbetrieb zum Lieferanten für Spitzenküche

Aus dem anfänglichen Duo ist inzwischen ein Betrieb mit acht festen Mitarbeitern und saisonalen Teams geworden. Das Unternehmen arbeitet mit lokalen Fischern zusammen und beliefert renommierte Restaurants sowie Spitzenköche.

Feines Gericht mit Algen in einem Spitzenrestaurant
Lokale Algen finden ihren Weg auf die Teller renommierter Küchen.

Für die Gründerinnen ist klar, dass Meeresressourcen künftig stärker als Nahrungsquelle genutzt werden müssen. Tamara bringt es gegenüber der italienischen Zeitung La Repubblica auf den Punkt: „In Zukunft müssen wir die Idee akzeptieren, mehr Nahrung aus dem Meer zu beziehen. Und das geht weit über Fische hinaus.“

Warum Algen interessant sind — und welche Fragen offen bleiben

Algen bieten mehrere ökologische Vorteile: Sie wachsen rasch, binden Kohlendioxid und entziehen dem Wasser überschüssige Nährstoffe. Außerdem lassen sie sich vielseitig nutzen — als Lebensmittel, Tierfutter sowie Rohstoff für Kosmetik und Medizin.

Auf größerer Skala könnten Algen Teile fossiler Brennstoffe, Kunststoffprodukte oder tierischer Erzeugnisse ersetzen. Norwegen baut die Produktion bereits aus, doch in Europa steckt die Industrie noch in den Anfängen.

Es gibt jedoch Unsicherheiten: Die Produktion ist bislang klein, klare Marktstandards fehlen, und viele Verbraucher kennen Algenprodukte kaum. Zudem könnten großflächige Farmen Ökosysteme belasten, mit anderen Organismen um Nährstoffe konkurrieren oder Krankheiten verbreiten.

Deshalb gelten Algen nicht als alleinige Lösung für die großen Umweltprobleme. Sie können aber einen bedeutenden Beitrag zu nachhaltiger Ernährung und Klimaschutz leisten, wenn Ausbau und Regulierung sorgsam geplant werden.

Kurzporträt: Die Lofoten

  • Inselgruppe nördlich des Polarkreises an der norwegischen Küste.
  • Prägnant durch steile Berge, tiefe Fjorde und traditionelle Fischerdörfer.
  • Klimaextreme sorgen für Mitternachtssonne im Sommer und mögliche Nordlichter im Winter.

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