Great Barrier Reef: Mit der “Ocean Free” auf Schnorcheltour

Hafen von Cairns

Der Hafen von Cairns ist Ausgangspunkt vieler Schnorcheltouren.

Die zahlreichen Schiffe im Hafen liegen noch etwas verschlafen in der morgendlichen Sonne an diesem Montagmorgen, dennoch strömen Menschenschlangen zu den Schiffen, die am “Reef Fleet Terminal” in Cairns liegen. Ziel aller Ausflugsschiffe ist das “Great Barrier Reef”, dem Tauch- und Schnorchelrevier in Queensland in Australien.

Unser Trip führt uns mit dem 16,5 Meter langen Schoner “Ocean Free” zur Insel “Green Island”. Die etwa 15 Hektar große Insel in der Nähe von Cairns ist umgeben von farbenfrohen Korallen und gehört zu Australiens Natur- und Kulturerbe. Mit unserem Schiff ist die Insel in knapp 1,5 Stunden zu erreichen. Nach dem Boarding lässt der Skipper den tuckernden Diesel des Schiffs an, die Fahrt ins Paradies beginnt pünktlich um 8 Uhr morgens. Von Anfang an verbreitet die 4-köpfige Crew der “Ocean Free” gute Laune und Entspanntheit. Mehr als 20 Personen passen auf den Schoner nicht rauf, und so kommt eher familiäre Atmosphäre als Massentourismusstimmung an Bord auf. Aus der kleinen Kombüse in der Mitte des Schiffs steigt Kaffeeduft auf und auf dem Tisch unter dem Sonnensegel stehen leckere Muffins. “Alles, was der man zu einem guten Start in den Tauschtag braucht”, sagt Peter, einer der Crew, lächelt, rückt seine Sonnenbrille zurecht und cremt sich mit Sonnencreme genüsslich die sonnengebräunte Haut ein. Sicher sei dies sein Traumjob, so der 32jährige Tauchlehrer aus der Nähe von Cairns. Schließlich sei er den ganzen Tag an der frischen Luft, kann sein Hobby tauchen ausüben und ist meistens von gut gelaunten Menschen umgeben.

Der Skipper manövriert das Schiff sicher aus dem Hafen, in dem morgens reges Treiben herrscht. Pünktlich ab 8 Uhr fahren die meisten Boote, voll beladen mit Tauchern und Schnorchlern, an das Reef und kehren ab 16 Uhr wieder zurück. So ist auch der Zeitplan der “Ocean Free”, die rund acht Stunden unterwegs ist. “Wenn genug Wind ist, können wir den Weg zurück segeln”, so Peter, bisher sei es jedoch Windstill und deshalb müssen wir mit dem Motor fahren.

Blick auf Green Island. (Foto: bn)

Blick vom Boot auf Green Island. (Foto: bn)

Nach etwa einer halben Stunde ruft uns der Skipper zu einem Meeting unters Sonnensegel und reduziert die Geschwindigkeit des Bootes etwas, damit der Motor nicht so laut brummt. Schließlich müssen alle wissen, wie die Regeln an Board sind. Diesen Part übernimmt Kay, der junge Tauchlehrer, der heute für die Tauchgänge verantwortlich ist. “Dies hier ist eine Rettungsweste”, lacht der junge Mann die Gruppe an. “Dieses Loch hier oben ist für den Kopf, der dort durch muss”, steckt seinen Kopf durch die Weste zurrt das Band zu Recht und zieht an der Weste, die jetzt fest an seinem Körper sitzt. “Auf diesem Schiff gibt es mehrere Notausgänge”, so der Tauchlehrer weiter und simuliert mit Handbewegungen die Stewardessen von Fluglinien. “Wer die Ausgänge nicht findet, springt einfach über Bord.” Neben den dennoch sehr erst gemeinten Sicherheitshinweisen wird noch kurz die Nutzung der Bordtoilette und das richtige Gehen an Bord erklärt, dann ist die Einführung nach etwa 10 Minuten beendet.

Die rund 20 Gäste an Bord genießen sichtlich den herrlichen Tag und verbringen die restliche Stunde damit, sich einzucremen, Fotos zu machen oder einfach nur in der Sonne zu liegen. Die Crew verteilt inzwischen Masken, Schnorchel und Flossen. Eine Asiatin ruft aufgeregt ihren Freund zu sich, der mit seiner Kamera beschäftigt ist. Sie hat einen Delphin gesehen. Der Skipper dreht das Boot so, dass es den Delphin einkreist. Dieser hat offensichtlich keine Lust, sich dem Boot hinzugeben und schwimmt langsam davon. Dennoch haben die meisten auf dem Schiff spätestens jetzt Lust, endlich in Wasser zu kommen.

Ocean Free vor Green Island

Die “Ocean Free” vor Green Island.

Nach eineinhalb Stunden haben wir unseren Ankerplatz erreicht, der etwa 200 Meter weit von der Insel entfernt liegt. Die Crew zieht eine Boje aus dem Wasser und zurrt das Boot dort fest. Das Wasser hier ist kristallklar und leuchtend blau. “Willkommen im Paradies” ruft der Skipper und winkt alle Schnorchler zu sich, um die Regeln fürs Schnorcheln zu erklären. “Ärgert die Fische nicht und bleibt auf dieser Seite”, so der Kapitän und zeigt auf die abgewandte Seite der Insel. “Hier landet manchmal ein Wasserflugzeug und der Pilot hat keine Zeit und auch keine Sicht, euch auszuweichen. Wir beobachten euch und sofern jemand Hilfe benötigt, ruft oder signalisiert uns das. Wir helfen euch dann sofort”, so der Skipper. “Und wenn ich jemanden rufe, der zeigt mir an, dass alles okay ist. Wenn ihr das nicht tut, dann hole ich euch aus dem Wasser, ob ihr wollt oder nicht”, so der Skipper im Scherz. Dennoch, Sicherheit wird hier an Bord sehr groß geschrieben. Auch die Tauchanfänger, die einen geführten Tauchkurs gebucht haben, erhalten umfangreiche Einweisungen, obwohl Sie den Tauchlehrer bei den Tauchgängen nie loslassen.

Die Gruppe wird langsam nervös, alle wollen ins Wasser. “Wer will”, so der Skipper weiter, “kann eine gelbe Schwimmweste anziehen. Erstens sehen wir euch damit besser und das schnorcheln wird damit einfacher. Und nun freut euch auf den Tag.” Jetzt kommt das erste Mal Hektik an Bord auf. Alle setzen ihre Maske auf, ziehen die Flossen an und springen oder gehen über die Bordleiter ins Wasser, das hier rund 26 Grad warm ist. Unter Wasser erwartet alle einen farbenfrohen Meeresboden mit Korallen und Anemonen. Überall sind bunte Fische unterschiedlicher Größe zu sehen, einige entdecken sogar eine Schildkröte oder einen kleinen Reef-Hai, der gemütlich seine Runden ums Boot dreht. Unter mir bewegt sich ein Stein, der sich beim genauen hinsehen als kleiner Krake entpuppt. Die Stunde im Wasser vergeht wie im Flug und es kommt Hunger auf. Auch daran hat die Crew gedacht und in der Zwischenzeit den Mittagstisch gedeckt. “Wer will, kann mit dem Beiboot auf die Insel übergesetzt werden”, so der Skipper, der zugleich die Termine nennt, wann der Rücktransfer beginnt. Jeder kann aber auch hier auf dem Boot bleiben und schnorcheln.

“Green Island” ist eine kleine Insel, die zum großen Teil aber touristisch vermarktet wird. So gibt es ein Hotel, einen kleinen Zoo mit enorm vielen Krokodilen, einen Hubschrauberlandeplatz und eine lange Seebrücke. Dennoch wird Umweltschutz hier groß geschrieben. Die Pfade sind mit Holzstegen ausgestattet, die ein Laufen durch den kleinen Urwald leichter machen. Ein großer Pool, in dem kleine Kinder spielen und baden können, mehrere Cafés und ein Restaurant runden das Angebot der Insel ab. Wer aber einfach nur seine Ruhe haben will, legt sich an den leeren, weißen Sandstrand, den es hier überall gibt.

Pünktlich um halb zwei kommt der Skipper mit dem Beiboot und fährt die erste Gruppe zurück zum Boot. Die meisten nutzen die letzten eineinhalb Stunden, um noch mal in das Wasser zu springen und zu schnorcheln. Die letzte Gruppe kommt um halb drei von der Insel.

Auf der Rückfahrt serviert Peter zuerst Obst, dann Wein, dann Käse und zu guter Letzt Kuchen. Er sei heute der Kellner auf diesem Schiff, so der Australier und so redet er mit jedem einzelnen Gast über die Auswahl auf seinem Tablett, über den Tag oder einfach nur über das Wetter. Sichtlich vergnügt dreht er mehrfach seine Runden und genießt die gute Laune der Gäste, die einen wundervollen Tag am “Great Barrier Reef” erlebt haben. Gegen 17 Uhr ist die “Ocean Free” zurück im Hafen. Die Crew hat das Schiff während der Rückfahrt aufgeräumt und weder Skipper noch Tauchlehrer lassen es sich nehmen, jedem einzelnen Gast, der das Schiff verlässt, zum Abschied die Hand zu schütteln.

Jörg Baldin

Author: Jörg Baldin

Als Reisejournalist und Reiseblogger ist Jörg überall in der Welt zu Hause, sein Herz hängt allerdings an der schönen Ostsee in Deutschland. Im Reisegepäck sind immer Foto- und Videokamera dabei, um die schönsten Orte und Länder festzuhalten.

Share This Post On

6 Kommentare

  1. 2 Monate Australien…so schön, wobei ich mich beim Tauchen am Riff nur noch an meine Panik erinnere. Tauchen ist bestimmt toll, aber unter Wasser atmen? Da hab ich einfach eine Bremse. Vielleicht versuche ich es im Sommer in der Uckermark nochmal in irgendeinem See :-P

    Kommentar absenden
  2. Hallo, das wird definitiv auf meine To Do Liste gesetzt und zwar auf die To Do Soon Liste….. grins!
    Vielen Dank und Gruß Henning

    Kommentar absenden
  3. Wunderschön. Das war bestimmt ein unvergessener Urlaub für dich. Schreib weiter so, bin mittlerweile schon ein rießen Fan deines Blogs geworden :-)

    Kommentar absenden

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>