Zurück zu Teil 2 – „Donnafugata“ oder die „Geflohene Frau”

Ein Morgen voller mediterraner Leichtigkeit

Der süffige „Nero d’Avola“, der dunkle Rote kommt von hier, aber auch der leicht-moussierende Sommerwein „Frappato“, perfekt für einen sommerlich anmutenden Tag wie diesen. Irgendwann erreiche ich dann das Örtchen Scoglitti. Die kleine Bar am Hafen eignet sich bestens, um das mediterrane Leben an einem Samstagvormittag zu beobachten. Während ich in „Pistacchio“ und „Cioccolato con Peperoncino“- Eis schwelge, schaue ich den Kindern zu, die mit bunten Luftballons über den Platz laufen, sehe die alten Männer auf der Hafenmauer, die ins Kartenspiel vertieft sind und muss über die Teenager, schmunzeln, die sich gegenseitig in schönsten Macho-Posen mit ihren Smartphones ablichten. Ein Morgen voller mediterraner Leichtigkeit.

Gleich neben dem kleinen Yachthafen liegt ein Sandstrand. Vorsichtig tappe ich mit meinen Füßen ins glasklare Wasser, aber irgendwie ist mir das selbst als Nordlicht noch zu frisch. Auf dem Rückweg hupen und winken die LKW-Fahrer, ein paar Mal überlege ich, ob ich mir nicht einfach einen Lift zurück geben lasse, aber dann denke ich an die vielen „Cannolo“, Ricotta-Röllchen, die so sündhaft lecker sind, dass ich ihnen nie widerstehen kann und strampele tapfer weiter. Schließlich will die geflohene Frau nicht am Ende des Kurzurlaubs von der Insel rollen.

Drei Städte in zwei Tagen, das muss mir erstmal Jemand nachmachen. Und was für Märchenorte! Ich verfalle in einen regelrechten Kulturtaumel. Das „Donnafugata“ ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren in die nähere Umgebung. Da das öffentliche Verkehrssystem am Inselzipfel eher unerschlossen ist, nehme ich mir einen Leihwagen. Mit dem Fiat 500 nehme ich rasant die Kurven und laufe zudem nicht Gefahr, in den engen Altstadtgassen an barocken Häuserwänden hängen zu bleiben. Meine erste Tour führt mich nach Scicli. Kleine Jungs spielen auf dem Vorplatz der barocken San Bartolomeo-Kirche Fußball, in ehemaligen Höhlen haben Handwerker und Galerien ihr Quartier bezogen und posieren für Touristen und ansonsten ist das zauberhafte Kleinod herrlich unaufgeregt und sehr romantisch. Ein Ort, um einfach von Cafe zu Cafe zu spazieren und herauszufinden, an welchem Platz es den besten Cappuccino gibt. Natürlich darf man den eigentlich nur morgens trinken, weil die Einheimischen sagen, dass er durch den Milchschaum eine ganze Mahlzeit ersetzt, aber ich bin ja keine Italienerin. Mein Favorit ist übrigens die „Pasticceria Basile“, aber das nur am Rande.

Modica ist für mich als Chocaholic ein „must“, denn die UNESCO-Welterbe-Stadt ist bekannt für ihre Schokolade. Die zweitgrößte Stadt der Provinz Ragusa wurde 1697 durch ein Erdbeben fast völlig zerstört und danach im spätbarocken Stil wieder neu errichtet. Welch’ perfekte Kulisse. Bella Italia, wie aus den schwarz-weiß Filmen der 50-er Jahre. Es würde mich nicht wundern, wenn gleich Sophia Loren auf einer Vespa um die Ecke biegt. Herrlich nostalgisches Flair, überall kleine Kirchen, Türmchen, Plätze, es wirkt wie ein lebendiges Freilichtmuseum und ich bin mittendrin. Ich teste mich durch die Familiengeführten Manufakturen, die dicht aneinander im kleinen Stadtzentrum liegen. In die „L’Antica Dolceria Bonajuto“, möchte ich mich am liebsten einschließen lassen. Rund 30 verschiedene Sorten werden in dem kleinen Eckladen seit 1880 hergestellt. Eine Sünde wert: „Canela“, mit Zimtgeschmack und „Xocoatl“, mit rotem Chilipfeffer, mit krustigen Schokoladenkrumen, nach alter Azteken-Rezeptur. Die landen dann auch gleich in meiner Tasche. Wegzehrung für meine letzte Etappe. >> Weiter auf Seite 4

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