Wer die Antarktis wirklich sehen will, sollte Gerätetauchen ausprobieren

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An der Oberfläche wirkt die Antarktis oft karg und abgegrenzt. Unter Wasser allerdings offenbart sich ein überraschend reiches Ökosystem: Die Gewässer rund um den Kontinent beherbergen mehr als 9.000 Meeresarten und liefern Einsichten, die für das Verständnis der Polarwelt entscheidend sind.

Wie Tauchgänge dort ablaufen

Aurora Expeditions, eine als Certified B Corporation zertifizierte Reederei, führte 1998 als erstes Kreuzfahrtunternehmen Tauchgänge als Ausflug im Programm ein. Auf einer zwölf­tägigen März-Route an Bord der Sylvia Earle fanden die Tauchgänge bei wechselnden Bedingungen statt; die Reiseroute wird fortlaufend an Eis- und Wetterlagen angepasst.

Die Tauchausflüge liefen mit einer Führungsdichte von etwa drei Tauchern pro Guide. Auf dieser Fahrt gab es insgesamt neun Tauchgänge, jeder wirkte spontan geplant und bot unmittelbaren Kontakt mit der Unterwasserwelt.

Technik, Vorbereitung und Sicherheitsregeln

Wassertemperaturen liegen in der Regel zwischen etwa 28 und 35 Grad Fahrenheit (das entspricht rund −2,2 bis 1,7 °C). Deshalb sind Tauchgänge im Trockenanzug Pflicht; die Pausen unter Wasser sind kurz. Gewöhnlich hält sich niemand länger als 30 Minuten unter der Oberfläche, bevor die Kälte spürbar wird.

Taucher in Trockenanzug bereiten sich an Bord vor
Vorbereitung und spezielle Ausrüstung sind für Antarktis-Tauchgänge entscheidend.

Teilnahmevoraussetzungen sind formell klar: Angeforderte Zertifikate sind Advanced Open Water sowie eine Ausbildung als Dry Suit Diver, der Nachweis von mindestens 30 Tauchgängen im Trockenanzug sowie ein eigener frostgeschützter Atemregler und passende Ausrüstung. In der Praxis wird jedoch mehr Erfahrung empfohlen.

Was Taucher zu sehen bekommen

Unter dem Eis zeigt sich eine farbenreiche Tierwelt. Pinguine begleiteten die Gruppe unter Wasser, in Kelpwäldern krabbelten farbige Wirbellose über den Meeresboden. Begegnungen mit Weddellrobben und mit Gezeiten verbundenen Schwärmen machen die Tauchgänge besonders eindrücklich.

Pinguin und bunte Wirbellose unter Wasser in der Antarktis
Unter dem Eis offenbart sich eine überraschend bunte Tierwelt.

Zu den Besonderheiten zählen auch große Krebstiere wie Seespinnen und Isopoden, die aufgrund der so genannten Polar-Gigantismus eine ungewöhnliche Größe erreichen. Rund die Hälfte der antarktischen Meeresarten ist endemisch; die Region beheimatet mehr als 35 unterschiedliche Seesternarten.

Ökologische Bedeutung und Forschung vor Ort

Für viele Expeditionsteilnehmer ist das Eintauchen unter die Oberfläche mehr als ein Abenteuer: Es verändert die Perspektive auf das Ökosystem. Graham Edgar, Meeresökologe und Präsident von Reef Life Survey, das mit Aurora bei der Dokumentation von Arten zusammenarbeitet, betont, dass der Blick unter die Wasseroberfläche entscheidend sei, um die wahre Vielfalt zu erkennen.

Ein prägnantes Beispiel: In Nähe der Antarktischen Halbinsel versammelten sich fast 100 Buckelwale, um an den produktiven Gewässern auf Krillfang zu gehen. An Bord werden Proben im Citizen-Science-Labor betrachtet; dort zeigen Expeditionsteams etwa Krill unter dem Mikroskop und erklären, wie schwindende Eisbedeckung das Nahrungsnetz gefährden kann.

Für wen sich das Angebot eignet

Nicht alle Passagiere müssen tauchen: Viele Aurora-Reisen bieten alternativ Schnorchelausflüge an, je nach Wetter manchmal sogar täglich. Die Tauchgänge richten sich jedoch an erfahrene Taucher, die mit Kälte- und Eisbedingungen vertraut sind.

Wer Interesse hat: Scuba-Tauchen ist auf ausgewählten Antarktis-Fahrten mit Aurora Expeditions verfügbar. Laut Anbieter sind derzeit zehn Touren für die Saison 2027–28 eingeplant.

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