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Der Orient-Express gilt als Inbegriff luxuriöser Zugreisen — und steht seit Langem für Stil, Geschichte und Mythos. Wer heute eine Fahrt plant, sollte wissen, welche historischen Fakten, aktuellen Angebote und Kosten hinter dem Namen stecken.
Eine Legende auf Schienen
Am 4. Oktober 1883 verließ ein Zug erstmals den Bahnhof Straßburg in Richtung Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Der Kurs wurde schnell zum Symbol für gehobenes Reisen und europäische Eleganz.

Besonders seit den 1930er-Jahren prägte ein definierter Stil das Erscheinungsbild: Holzintarsien, Damaststoffe, poliertes Messing und eine Ausstattung, die heute noch als hochwertig gilt. Diese Details sorgten dafür, dass der Orient-Express nicht nur als Verkehrsmittel, sondern als Schauplatz gesellschaftlicher Begegnungen in Erinnerung blieb.
Ein Zug, der Geschichten schrieb
Der Zug inspirierte Schriftsteller, Regisseure und die Presse. Am Anfangsvon der Fahrt stand großes öffentliches Interesse; die Premiere zog zahlreiche Zuschauer an.
Berühmte Persönlichkeiten reisten im Laufe der Jahrzehnte an Bord, und literarische Werke wie Agatha Christies Kriminalroman trugen entscheidend zur Popularität bei. Namen, die mit dem Mythos verbunden werden, sind unter anderem Tolstoi, Marlene Dietrich, Lawrence von Arabien, Ernest Hemingway, Coco Chanel und Sean Connery.
Kann man heute noch an Bord reisen?
Der ursprüngliche Linienbetrieb endete 1977. Ein neues Kapitel begann 1982, als die private Gesellschaft Venice Simplon-Orient-Express ein vergleichbares Luxusangebot auflegte. Es handelt sich nicht um den historischen Zug selbst, wohl aber um eine Nachfolge, die Ausstattung und Service traditionsbewusst interpretiert.
Parallel dazu wurden Restaurierungsarbeiten an originalen Wagen begonnen. Nach Angaben der Verantwortlichen — darunter die SNCF und die Hotelgruppe Accor — war eine Rückkehr des klassischen Orient-Express in einer restaurierten Form für 2022 geplant. Diese Rückkehr soll historische Wagen wieder nutzbar machen und das Reiseerlebnis möglichst originalgetreu rekonstruieren.
Essen, Trinken, Atmosphäre
Kulinarik spielt eine zentrale Rolle an Bord. Der Service orientiert sich an traditionsreicher Gala-Gastronomie: feine Zutaten, formelle Tischkultur und musikalische Begleitung prägen den Abend.

Zu den festen Elementen zählen Barwagen mit Piano, mehrere Speisewagen und ein spezieller Champagnerbereich. Bereits beim Einstieg wird häufig ein Willkommensgetränk serviert. Stewards kümmern sich persönlich um die Gäste, vom Frühstück bis zum späten Cocktail.
Kabinen und Suiten
Die Schlafwagen kombinieren Funktionalität und Stil. Tagsüber verwandeln sich die Abteile in gemütliche Salons; nachts bieten sie Bettencompositionsoptionen für Einzel- oder Doppelbelegung.
Für Reisende, die mehr Platz wünschen, stehen miteinander verbundene Kabinen oder großzügigere Suiten zur Verfügung. Die luxuriösesten Varianten bieten ein eigenes Badezimmer, ein separates Salonbereich und ein Doppelbett — ein moderner Versuch, den Glanz vergangener Dekaden zu bewahren.
Routen und Etappen
Das aktuell meistbeworbene Angebot der Nachfolgegesellschaft ist die Verbindung zwischen Venedig und Paris. Diese klassische Strecke dauert in der Regel drei Tage und umfasst eine Übernachtung in einem venezianischen Grandhotel.
Neben dieser Flaggstrecke gibt es zahlreiche weitere Stationen und mögliche Zwischenhalte. Typische Ziele sind:
- London, Verona, Budapest, Wien, Berlin, Istanbul, Bukarest und Prag
Wer die historische Hauptroute nachvollziehen möchte, kann heute mit dem Venice Simplon-Orient-Express bis in die Türkei reisen und so die Strecke Paris–Istanbul in Etappen erleben. Viele der durchfahrenen Städte bieten eindrucksvolle Architektur und reiche kulturelle Bestände.
Was kostet der Traumzug?
Reisen mit dem Orient-Express sind hochpreisig. Die folgenden Angaben beziehen sich auf die am Markt kommunizierten Startpreise pro Person:
Für kürzere, ein- bis zweitägige Fahrten werden mindestens etwa £3.000 (rund 3.500 €) veranschlagt. Zu diesen Verbindungen zählen etwa Paris–Verona, Paris–Venedig oder London–Berlin. Für eine große Suite oder Hin- und Rückfahrt fällt meist ein deutlich höherer Betrag an.
Eine typische Dreitagesreise, zum Beispiel von Venedig nach Paris mit Zwischenhalten, liegt im Mittel bei etwa £4.500 (ca. 5.200 €) pro Person. Spezielle Party- oder Themenfahrten mit zusätzlichen Events werden mit rund £3.400–£3.900 (4.000–4.600 €) angeboten und beinhalten oft eine Vorübernachtung in einem Palast.
Die ikonische Route Paris–Istanbul gilt als das teuerste Programm: für dieses Erlebnis werden mindestens £15.000 (rund 17.600 €) pro Person genannt. Laut Anbieter findet diese besondere Fahrt nur einmal jährlich statt.
Wer sich auf eine Fahrt vorbereitet, sollte damit rechnen, dass der Preis stark vom gebuchten Abteil, von Extras und vom Reisezeitraum abhängt. Für viele Gäste ist der damit verbundene Erlebniswert jedoch der Hauptgrund, an Bord zu gehen.
Der Orient-Express bleibt ein Symbol für eine andere Art des Reisens — zeitlos, aufwendig und exklusiv. Für Interessierte bietet heute vor allem der Venice Simplon-Orient-Express die praktischste Gelegenheit, dieses Stück Eisenbahngeschichte zu erleben, bis restaurierte Originalwagen in Betrieb gehen.











