Vor etwa zwei Jahren war ich zusammen mit meiner Freundin und einem selbst ausgebauten Van in Australien unterwegs. Auf unserer „Work & Travel-Tour“ durfte ein Besuch auf der größten Sandinsel der Erde natürlich nicht fehlen: Fraser Island. Noch immer erinnere ich mich sehr gerne an diesen einzigen Tag, den ich auf der Insel verbrachte, zurück. Kommt mit mir auf eine kurze Reise an die Ostküste Australiens.
Leider war es uns aufgrund von Zeitdruck und eher bescheidenem Wetter nicht möglich, länger als einen Tag auf der Insel zu bleiben. So nahmen wir an einer Tour der Firma „Unique Fraser“ teil. Ich bin kein großer Fan solcher Touren und erlebe meine Reisen lieber auf individuelle Art und Weise, jedoch machte mir dieser Trip doch ungeheuren Spaß. Auch wenn man sich an einem Zeitplan entlanghangelt, ist die Natur sehr beeindruckend. Ich hatte in keinem Moment das Gefühl, dass ich gehetzt wurde und genoss die Stunden, die ich auf der Insel hatte. Auch wenn ich in gewissen Momenten gerne die Zeit angehalten hätte.Gastbeitrag von Dennis Reichow
Wir starteten mit einem kleinen Van des Anbieters. Dazu sei gesagt, dass „Unique Fraser“ etwas teurer als die Konkurrenz ist. Es gibt durchaus auch Busse mit Platz für bis zu 40 Leuten. Wir waren im Gegensatz dazu zu sechst und somit deshalb auch schneller unterwegs. Das hat den Vorteil, dass wir immer etwas vor den großen Touri-Gruppen fuhren. Dadurch erlebten wir die Insel individueller und mussten uns nicht immer mit 20 weiteren Touristen um den besten Platz für ein Foto streiten.
Auch jetzt zwei Jahre nach diesem Erlebnis sind mir noch drei Personen, mit denen ich den Tag verbrachte, im Gedächtnis geblieben. Darunter ein sehr nettes neuseeländisches Ehepaar und der Fahrer des Vans, der wie sich später herausstellte, aus Hamburg kam und in den 80er Jahren ausgewandert war. So kam es, dass wir Bremer mit unserem Hamburger Guide etwa 15.000 Kilometer entfernt in einem „4-wheel-drive“ durch den Sand der Insel bretterten. Die Menschen, mit denen ich gewisse Dinge erlebte, machen sie für mich noch besonderer, als sie ohnehin waren. Ich hatte immer sehr Glück meine Erlebnisse mit sehr sympathischen und aufgeschlossenen Menschen zu teilen. So auch dieses Mal.
Überraschung: Die Sonne schien
Aber zurück zur Tour: Wie bereits kurz erwähnt, war das Wetter die Tage zuvor nicht besonders gnädig. Mein Van war von innen kaum noch trocken zu halten. Es tropfte teilweise wortwörtlich von der Decke. Aber das ist eine andere Geschichte: An diesem Tag erwartete mich eine große Überraschung: Die Sonne schien – und dies sollte bis auf kurze Wolkenphasen auch bis zum Abend so bleiben.
Wir starteten recht früh morgens und wurden direkt vom Camping-Platz abgeholt. Ab Hervey Bay ging es dann mit der Fähre hinüber auf die Insel. Die Fahrt dauerte etwa 45 Minuten und war an sich nicht besonders spannend. Ganz im Gegenteil zur Insel.
Der Lake Mckenzie auf Fraser Island hat glasklares Wasser.
Das besondere an Fraser Island ist: Es gibt keine geteerten Straßen, aber dennoch fahren Autos auf ihr. Im Inselinnern gibt es abgesteckte „Pfade“ die als solche dienen und auf der Ostseite der Insel befindet sich der Highway. Dieser besteht ganz einfach aus dem breiten Strand, der sich über knapp 120 Kilometer erstreckt. So kann man direkt am Meer die Insel auf und ab fahren. Einmalig für mich. Oft war kilometerweit vor uns nicht ein Auto zu sehen. Zur Rechten brachen die Wellen und die Ausläufer der Wellen schienen kurz vor den Autos zu stoppen, um eine freie Fahrt zu ermöglichen. Zur Linken erstreckte sich der endlos wirkende Regenwald und die farbenfrohen Gesteinswände, die beinahe wie orange oder rot angemalt wirkten. Ich hätte zu gerne einmal selbst ein paar Kilometer am Steuer gesessen, habe mich aber nicht getraut zu fragen. Aber auch so, war dieses Gefühl von Freiheit ein ganz besonderes für mich. Ich erinnere mich, während dieser rasanten Fahrt (man fährt durchaus bis zu 100 km/h) auch nur ein Wort gesprochen zu haben – stattdessen ließ ich die Bilder auf mich wirken und versuchte jene hier und dort mit meiner Kamera einzufangen. Natürlich fuhren wir nur eine Route ab, um die Sehenswürdigkeiten der Insel an nur einem Tag sehen zu können. Aber dies nimmt den zum Teil wunderschönen Orten keineswegs ihren besonderen Charme.
Besonders der Lake Mckenzie hat es mir mit seinem glasklaren Wasser angetan. Auch hier ließ mich die Sonne nicht im Stich, sodass Baden (und natürlich das Fotografieren) problemlos möglich waren. Eine Stunde Zeit hatten wir hier. In etwa genauso lange lag ich im Wasser und genoss das wunderbare Wetter. Nur kurz musste ich das hüfttiefe Nass verlassen, da der Akku meiner Kamera leer war. Im Sprint rannte ich zum Auto und sorgte für Ersatz um ja keine Minute an diesem wunderbaren Ort zu verpassen. Hier wäre eine Uhr zum Zeit anhalten wahrlich angebracht gewesen. Sehr merkwürdig ist übrigens, dass der See so sauer ist, dass keine Tiere in ihm leben können. So blickt man in diesem Wasser, welches wirkt wie aus der Badewanne, bis zum Boden und entdeckt nicht einen Fisch- und erst recht keine Krokodile oder Haie…
Die Champagne Pools sind wie natürliche Whirlpools auf Fraser Island. (Alle Fotos (c) Dennis Reichow)
Natürlicher Whirlpool: Champagne Pools
Außerdem spannend waren die Champagne Pools, eine Art natürlicher Whirlpool. Dieser wird durch die Wellen des Meeres gespeist, welche an Steinen brechen und somit in einem von eben diesen Steinen abgegrenzten „Pool“ jede Menge Luftblasen erzeugen. Auch hier war ich kaum wieder heraus zu bekommen. Übrigens ist dies eine der wenigen Stellen, wo man im Meer baden kann, da der Pool relativ flach ist. Ansonsten sind die Strömungen rund um die Insel zu stark. Außerdem ist mit einer Begegnung mit einem Hai immer zu rechnen.
Der Eli Creek ist ein kleiner Bach, welcher sich durch den dichten Regenwald schlängelt und letztendlich im Meer mündet, wenn die letzten Meter nicht ausgetrocknet sind. Auch hier waren wir glücklicher Weise deutlich vor den anderen Touristen-Gruppen. Wir gingen einen kleinen Wanderweg am Bach entlang bis hin zu einer Einstiegstelle. Von dort aus wateten wir langsam und sicheren Schrittes Richtung Küste zurück. Da es mittlerweile nachmittags war, genoss ich diese Minuten im Schatten der großen Bäume mit den Füßen im kühlen Nass. Besonders wenn es so leer ist, vermitteln diese Meter einen tollen Eindruck der Ursprünglichkeit der Insel. Kaum ein Laut war zu hören, außer das Plätschern des Wassers.
Auf der Insel gibt es übrigens frei lebende Dingos. Diese sind übrigens der Grund dafür, dass bei einer selbstständigen Erkundung der Insel zur Vorsicht geraten wird. Für Lebensmittel gibt es auf den Camping-Plätzen zum Beispiel Schließfächer. Wir hatten das Vergnügen ein kleines Rudel, wenn auch nur aus der Ferne, beobachten zu können. Sie wirkten auf mich überhaupt nicht scheu. Mir kam es vor als würden sie die vorbeifahrenden Autokolonnen auf dem Highway/Strand beobachten und ihren Regenwald bewachen.
Keine geteerten Straßen, dennoch können “4-Wheel-Drive”-Fahrzeuge am Strand über die Insel fahren.
Indian Head bietet tollen Blick auf die Insel
Der vorletzte Stopp war beim Indian Head, der höchsten Erhebung der Insel. Von dort aus hatte man einen herrlichen Blick auf die Insel, aber auch auf die tosenden Wellen unter einem. Vom Rande des „Indianerkopfs“ konnte man direkt den steilen Hang hinab gucken. Von dort oben entdeckten wir einige Rochen, die sich elegant im Wasser bewegten. Wirklich beeindruckende Tiere – selbst aus der Entfernung. Zum Glück konnte ich später auf meiner Reise noch einmal welche beim Tauchen beobachten.
Zum Abschied gab es noch ein gemeinsames Abendessen am Strand. Im Preis (übrigens satte 130€) waren Sandwiches, Bier und weitere Getränke inklusive. Vor Einbruch der Dunkelheit ging es zurück auf die Fähre. Am Campingplatz auf dem Festland angekommen war ich natürlich sehr kaputt von dem vollen Tag, aber dennoch glücklich diese spannende Tour gemacht zu haben.
Natürlich gibt es jede menge weitere wunderbare Plätze auf dieser Insel, die es wert wären sie zu besuchen und ein wenig dort zu verweilen. Wahrscheinlich wäre Fraser Island genau deshalb eines der Ziele, welches ich sofort ansteuern würde, wenn ich Australien noch einmal besuchen würde. Gerne würde ich die Insel auf weniger kommerzielle Weise erleben können und ein kleines Abenteuer daraus machen. Einfach einen Rucksack und ein Zelt einpacken und drauf loswandern. Dies ist das, was ich von der Tagestour mitgenommen habe: einen einmaligen Eindruck dieser wunderschönen Insel, den ich leider nicht genug ausleben konnte. Dies ist im übrigen etwas, was ich auf dieser Reise gelernt habe: besondere Orte benötigen Zeit, um besonders auf einen wirken zu können. Im späteren Verlauf meiner Reise ist mir nicht mehr passiert, zu wenig Zeit an einem Ort zu haben, der mir wirklich gefällt.
Hinweis: Dieser Bericht ist ein Gastbeitrag von Dennis Reichow, einem Weltenbummler und Redakteur von Reisedeals.com




