Nach Asien zieht es mich immer wieder: Bangkok, Kuala Lumpur, Luang Prabang, Peking und jetzt Macau, das zu einer der spannendsten Boomtowns Asiens gehört. Auf knapp 30 Quadratkilometern verbindet die ehemalige portugiesische Kolonie, die am 20. Dezember 1999 nach 442-jähriger Herrschaft an die Volksrepublik China zurückgegeben wurde, fernöstliches und europäisches Kulturerbe mit Weltstadtflair, Mega-Hotelresorts für anspruchsvolle Gäste und Glitzer-Casinos wie in Las Vegas.
Inhaltsverzeichnis
UNESCO-geadelte historischen Altstadt von Macau
Ich durfte einige Tage als Gast im noblen „Sofitel Macau at Ponte 16“ verbringen. Das Fünf-Sterne-Haus liegt am Rande der UNESCO-geadelten historischen Altstadt, die ein beliebtes Ziel für Touristen ist. Im vorweihnachtlichen Macau, oft auch „Klein-Lissabon“ oder „Las Vegas Asiens“ genannt, bin ich dem Charme des Zaubermix aus Tradition und Moderne erlegen.
Hunderttausende Festland-Chinesen kommen täglich im unterirdischen Busbahnhof des „Bordergate“ an, um in Macau zu arbeiten oder zu spielen.
Feier zum 15. Jahrestag der Rückgabe an China
Wenn Macau am 20. Dezember den 15. Jahrestag der Rückgabe von Portugal an die Volksrepublik China mit einem großen Jubiläumsprogramm feiert (siehe Infobox), blickt die Stadt am Südchinesischen Meer auf eine wohl einmalige Erfolgsgeschichte zurück. Wie für Hongkong, das 1997 von den Briten an China zurückgegeben wurde, gilt auch für das weitgehend autonome Sonderverwaltungsgebiet am westlichen Ufer des Perlfluss-Deltas: „Ein Land, zwei Systeme“, festgeschrieben auf mindestens 50 Jahre. Macau zieht aus dem Prinzip seinen Nutzen.
Von den Unruhen im 60 Kilometer entfernten Hong Kong ist in der ehemals portugiesischen Kolonie nichts zu spüren. Eigentlich wollten wir im Transit mit der Fähre direkt vom Internationalen Airport Hongkong nach Macau fahren, aber die Fahrt fällt wegen Maschinenschadens aus. So müssen wir zunächst nach Hong Kong-City, vorbei am größten Container-Terminal der Welt, um eine der roten Schnellfähren nach Macau zu nehmen.
Soll 2016 eröffnet werden: die Y-Brückenkonstruktion die Hongkong mit Macau und Zhuhai verbindet.
Neue Y-Brücke verkürzt Fahrtzeit nach Hongkong
Ab 2016 wird eine bereits gut erkennbare, beindruckende Y-Brückenkonstruktion zwischen Hongkong, Macau und Zhuhai den roten und blauen Fähren Konkurrenz machen. Statt 45 Minuten mit dem Boot dauert die Fahrt über die längste Brücke der Welt (50 km) mit dem Auto dann nur halb so lange. Die benötigte Infrastruktur inklusive Einreiseschalter und Parkplätzen entsteht derzeit auf einer künstlich aufgeschütteten Insel östlich der Stadt. Die Regierung beziffert allein die Kosten für die Landgewinnung ca. 97 Mio. Euro. Die Brückenkonstruktion wird auf insgesamt 10,7 Milliarden US-Dollar veranschlagt.
Portugiesische und chinesische Küche
„Man biegt ums Eck, und dann steht dort etwas, was nie da war“, sagt Julia Steinle, stellvertretende Food- und Beverage-Direktorin im „Sofitel Macau at Ponte 16“. Die 30jährige Deutsche aus der Nähe von Augsburg lebt seit einem Jahr in Macau, in dem die Mieten Münchner Niveau haben, und fühlt sich dort sehr wohl. Die Südostasien-Kennerin liebt die Mischung aus portugiesischem und chinesischem Flair, die dazugehörigen Küchen und das macanesisch-kulinarische Erbe. Im 18. Stock des „Sofitel“ bietet das „Chinois Cantonese Restaurant“ eine exzellente authentisch-kantonesische Küche mit Blick auf Hafen und Skyline von Macau.
Essen in Macau ist nicht teuer: in den Garküchen ist alles frisch. Es kommt vom Red Market. (Fotos: Liane Ehlers)
Einzigartiges architektonisches Erbe
In Macau triff Orient auf Okzident in einem einzigartigen architektonischen Erbe. Auf dem Weg in die Altstadt komme ich vorbei an einem Pfandhaus, das nur noch als Museum dient. Das Geschäft der Pfandleiher hat seit dem 17. Jahrhundert in Macau eine lange Tradition. Die neuen, schicken Pfandhäuser befinden sich allerdings in der Nähe der Casino-Glitzerwelten. Architektonisch ist Macau vom portugiesischen Einfluss geprägt.
Nicht umsonst hieß die hügelige Stadt früher liebevoll auch „Klein Lissabon“. Bunte portugiesische Paläste und altehrwürdige Kirchen und Priesterseminare, von wo aus die Jesuiten als Missionare nach China gingen, stehen neben grauen chinesischen Stadthäusern mit stilvollem Interieur oder neben buddhistischen und taoistischen Tempeln. Das ganze historische Zentrum ist ein riesiges Museum und seit 2005 Weltkulturerbe der UNESCO. Die Sonderverwaltungszone ist reich, und die Verantwortlichen investieren, um die Tradition zu bewahren.
Pflicht für jeden Macau-Besucher sind die Ruinen von St. Paul und der A-Ma-Tempel, der der Seefahrer-Göttin A-Ma (Macaus Namensgeberin) gewidmet ist. Auch der Lou Lim Leoc-Garten mit dem Teekultur-Haus, der Red-Market (wo Fische und Hühner frisch geschlachtet werden), die Festung und der Senatsplatz mit der St. Dominik-Kirche sind ein absolutes Muss. In den kleinen Gassen um den Senatsplatz gibt es viele Geschäfte, in denen vor allem die Einheimischen einkaufen. In den Seitenstraßen mit ihren Garküchen, kleinen Gemüseständen oder Friseurgeschäften wird nicht nur Handel getrieben, sondern auch gezockt.
Absolutes Muss bei einem Stadtrundgang: die Ruinen der Kathedrale von St. Paul. (Foto: Jörg Pasemann)
Glitzerwelten und Glücksspielindustrie
„Landaufschüttung“ und „Glücksspielindustrie“ sind die Zauberworte, die Macaus Wirtschaft seit Jahren blühen lassen. Macau besitzt einen internationalen Flughafen und die umsatzstärksten Casinos der Welt, die rund um die Uhr geöffnet haben. Sie sind eine scheinbar unerschöpfliche Goldgrube. Schon mittags herrscht an den Spieltischen Gedränge. Bündelweise ziehen Männer und Frauen in Alltagskleidung Geld aus Handtaschen, Plastiktüten oder Jacketts, um es an den Schaltern in Jetons umzutauschen. Mein Einsatz von 200 Macau Patacas (ca. 20 Euro) am Spieltisch wird – so scheint mir – nur mitleidig belächelt, aber man muss es unbedingt erlebt haben. In den „VIP-Suites“ in den oberen Etagen mit separatem Eingang verspielen superreiche Chinesen in einer Nacht schon mal Millionen.
In Macau macht’s die Masse. 70.000 Spieler täglich kommen allein ins „Venetian Macau Resort Hotel“ auf dem Cotai Strip, der seit der Erdaufschüttung die ehemaligen Inseln Coloane und Taipa verbindet. Kostenlose Hotel-Shuttle-Busse bringen täglich hunderttausende Spieler und Pendler von den Fähranlegern und den beiden Bordergates (Grenzübergängen) zu China in die Spielcasinos der Hotelkomplexe. In Macau und auf den vorgelagerten Inseln verkehren auch zahlreiche Buslinien.
Macau ist die einzige chinesische Stadt, in der Glücksspiel staatlich erlaubt ist. Nachdem die Regierung dem Glücksspiel-Tycoon Dr. Stanley Ho (94), unter anderem Inhaber des „Grand Lisboa“ und gebürtiger Hongkong-Chinese, das Monopol aberkannt und insgesamt sechs Lizenzen auch an ausländische Investoren versteigert hatte, schießen seit 2002 auf dem neu gewonnen Land des „Cotai-Strip“ nach Las Vegas-Vorbild ständig neue Mega-Casinos und -Hotels mit Unterhaltungsshows und luxuriösen Shopping-Malls in die Höhe. Luxusgüter sind aufgrund der Freihandelszone günstiger als im restlichen Asien.
„Lisboa Palace“ heißt das drei Milliarden teure Cotai-Projekt von SJM mit Pariser Flair und dem ersten „Karl Lagerfeld“-Hotel. Es soll 2017 fertig sein.
Bauboom am Cotai-Strip geht weiter
Die Chinesen lieben das Spiel und Macau lebt vom Glücksspiel. Längst hat Macau Las Vegas überholt. Für das Jahr 2013 vermeldete die Glücksspielindustrie Gesamteinnahmen von ca. 32,91 Mrd. Euro. Der Umsatz an einem Tag ist so hoch wie in Las Vegas in einer Woche. 40 Prozent des Gewinns gehen an den Staat, wie viel Peking davon bekommt ist nicht bekannt. Mehr als 29 Millionen Besucher kommen pro Jahr nach Macau, darunter 30.000 Deutsche, vor allem Männer unter 45. Mehr als 50 Prozent der Besucher sind Festlandchinesen, die meist nur einen Tag bleiben.
Der Boom am Cotai-Strip geht weiter. Neue Mega-Resorts sind im Bau oder geplant. Bereits 2015 eröffnet dort Phase 2 des Mega-Resorts „Galaxy Macau“ mit dem weltgrößten „JW Marriott“ und einem „Ritz-Carlton“ mit insgesamt 1300 Zimmern und Suiten. Gegenüber geht ein „St. Regis“ an den Start. Einer der Höhepunkte des Chinesischen Neujahrs 2016 wird die Eröffnung des vier Milliarden US-Dollar teuren „Wynn Palace“. „Lisboa Palace“ heißt das drei Milliarden Euro teure Cotai-Projekt des lokalen Big Players, der Sociedade de Jogos de Macau (SJM), dessen Eröffnung für 2017 vorgesehen ist. Die Architektur ist beinflusst von historischen Pariser Gebäuden wie Louvre oder Opernhaus. Neben einem „Lisboa Palace Hotel“ und dem ersten „Palazzo Versace“ Asiens entsteht dort auch das erste „Karl-Lagerfeld“-Hotel. Ein Ende des Baubooms ist nicht in Sicht.
Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.

