Island – Cocktails in der heißen Quelle

Isländer starten den „Reykjavik Bar Summit“

Man hat nicht viele Gelegenheiten gleich 15 Bars – respektive die Arbeit ihrer Barkeeper – auf einmal auszuprobieren. Eine Möglichkeit gibt es ab jetzt jeden Februar in Reykjavik, Europas nördlichster Hauptstadt: Den „Reykjavik Bar Summit“. Mit dabei waren zum Start in diesem Jahr Bars aus New York, Miami, Paris, New Orleans, Stockholm, Amsterdam, Trondheim, Kopenhagen, Stockholm und London. Sie alle versammelten sich drei Tage lang in der zur Zeit angesagtesten Bar der isländischen Hauptstadt, im „Slippbarinn“. Und wie es nicht anders zu erwarten war, wurde dort erst viel gemixt und dann noch mehr getrunken. Angesichts des stürmischen Außenklimas die beste Alternative, um Island zu genießen. Obwohl es – außer der doch beträchtlichen Anzahl von Bars – im Winter noch ganz andere heiße Orte gibt.

So lohnt sich vor allem ein Ausflug zur „Blue Lagoon“, einer heißen Freiluft-Quelle oder zur etwas weiter entfernt gelegenen „Fontana Laugarvatn“. Auf der Fahrt dorthin geht es nach dem Verlassen der Hauptstadt durch eine unwirklich aussehende Landschaft. Weiß, so weit das Auge reicht. Im weißpudrigen Wind sieht man irgendwo ein paar Hügel. Die Umgebung wirkt wie Mond mit Schnee. Um dann, nach gut zwei Stunden Fahrt, heiße Dämpfe aufsteigen zu sehen. Husch in die Badehose und rein ins fast 40 Grad heiße Thermalbad. Bei Außentemperaturen von fünf Grad unter Null, die sich durch den immer vorhandenen feuchten Wind wesentlich kälter anfühlen, ein wunderbares Erlebnis. Und, wie es sich bei einem Barfestival gehört, natürlich mit dem passenden Drink in der Hand.

Island-Bar Summit 2015 -0152

Im Winter sieht es auf der Insel aus wie Mondlandschaft mit Eis und Schnee. (Fotos: Honza Klein)

Der Legende nach haben die ersten Isländer in den geothermalen Quellen sogar ihre Pferde gebadet, damit diese wieder zu Kräften kommen. Das war irgendwann gegen Ende des ersten Jahrtausends. 870 kamen die ersten Wikinger vom nordischen Festland auf die karge Insel. Manch Reisender von heute fragt sich, wieso die geblieben sind. Scheint doch die Insel eigentlich unbewohnbar. Ein paar Bäume gibt es nur in Reykjavik und in einigen Ansiedlungen. Ansonsten karge Landschaft, die jedoch einen ganz besonderen Reiz hat. „Man sollte im Sommer nach Island kommen“, sagt Birger Gudmundsson. Er ist Hotelchef im „Marina Hotel“, in dem auch die „Slippbarinn“ beheimatet ist. Gudmundsson hat den „Reykjavik Bar Summit“ mit anderen Isländern zusammen aus der Taufe gehoben. „Für uns ist das eine gute Gelegenheit, um auch in der kalten Jahreszeit Gäste auf die Insel zu holen. Außerdem können unsere Barkeeper viel von den internationalen Gästen lernen.“

Gute Gründe, um nach Island zu kommen

Die Bar-Szene ist für Birger Gudmundsson einer der vielen Gründe, um nach Island zu kommen. Aber natürlich vor allem wegen der Natur, der Weite, der Ruhe. Vulkane, heiße Quellen, Islandpferde, Ursprünglichkeit – alles Gründe für einen Besuch der Insel.

Island-Bar Summit 2015 -0170

Aus vielen Ländern kamen die Gäste des “Reykjavik Bar Summit 2015”.

Island ist aber auch ein Stück Weltgeschichte. 1986 trafen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow in Reykjavik das erste Mal aufeinander. Das Haus direkt am Meer ist heute eine Station der Stadtrundfahrt, die sonst nicht allzu viel zu bieten hat. Von der Kirche aus der Mitte des 20. Jahrhundert und dem neuen Opernhaus vielleicht abgesehen. Trotzdem kommen jährlich mehr als eine Million Touristen auf das – nur etwas mehr als 300.000 Einwohner zählende – Eiland. Da ist es mitunter nicht ganz leicht, eines der rund 10.500 Hotelbetten zu ergattern. Große Hotelketten sind, außer Hilton und Radisson, bisher nicht am Ort. Jetzt plant Marriott ein Hotel am Hafen zu errichten. Der Tourismus ist die wichtigste Haupteinnahmequelle des Landes, noch vor der Fischerei.

Übrigens ist ein Besuch auf Island ein gutes Stop-Over-Ziel, wenn man nach Nordamerika reist. „Die meisten unserer Gäste kommen jedoch gezielt nach Island“, sagt Gudmundsson. „Vor allem im Sommer.“ Oder eben in der Jahreszeit, die die Isländer dafür halten, denn viel mehr als 18, 20 Grad zeigt das Thermometer in dieser Region selten. „Aber schon bei 15 Grad ziehen wir alle kurze Hosen und T-Shirts an und treffen uns draußen“, erzählt einer der einheimischen Barkeeper.

Wer nach Island reist, sollte bei der Ankunft im Duty Free-Laden auf dem Flughafen reinschauen. Vor allem, wer in den Tagen auf Island etwas hochprozentiges Trinken möchte. Ein normaler “Cuba Libre” kostet etwa 16 Euro, ein Bier um die 6 Euro. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die öffentlichen Veranstaltungen beim „Reykjavik Bar Summit“ so gut besucht waren. Vieles gab es dort gratis oder doch wesentlich billiger.

Sieger gab es bei dem Wettbewerb natürlich auch: „Dutch Kills“ aus New York lag in der Gunst der Gäste ganz weit oben und die Kopenhagener „Storm Bar“ bekam von der Jury die meisten Stimmen. „Schade, dass in diesem Jahr noch keine deutsche Bar dabei war“, so Birger Gudmundsson zum Schluss. „Aber man kann sich bei uns schon für das nächste Jahr anmelden.“

Das

Hinweis: Der Autor wurde zu dieser Reise eingeladen.

 

Leave a Reply