Der Weg hinunter zum Inn war mühsam. Unweit der Brücke, die Innsbruck seit 1180 seinen Namen gibt, da, wo einst 60 deutsche Könige auf dem Weg nach Rom den Inn überquerten, startet heute der Bus der Linie “J” zum Hausberg der Innsbrucker. Nein, eigentlich ist der Patscherkofel gar der heilige Berg aller Tiroler und Österreicher, zumindest, seitdem Franz Klammer hier am 5. Februar 1976 seinen Heimvorteil nutzte und vor 60.000 Fans olympisches Gold im Abfahrtslauf gewann. Zweimal hat der Patscherkofel bislang Olympische Spiele erlebt, zum ersten Mal schon 1964 – ein Gefühl, das heute beim Einstieg in die Patscherkofelbahn allgegenwärtig ist.
Die Patscherkofel bahn wurde für die Olympischen Spiele 1964 in Innsbruck gebaut. Sie ist heute noch im Einsatz. (Fotos im Text: Thorsten Keller)
Mit Baujahr 1963 gehört die knallrot lackierte Gondelkabine in den Alpen sicher zu den betagteren ihrer Art. Nostalgie pur, doch die alte Bahn, in der die Gondellenker blaue T-Shirts mit der Rückenaufschrift “Hausbergler” tragen, ist gehegt und gepflegt und für ihr Alter noch ganz gut in Schuss.
Gondel zum Patschelkofer ist von 1963
Kein Ächzen, kein Krächzen, wenn die alte Gondelbahn in zwei Etappen Mountainbiker, Bergwanderer und im Winter Skifahrer über 1.000 Höhenmeter gen Bergstation transportiert. Oben angekommen, trennt sich die Spreu vom Weizen: Nach links führt der Weg zur olympischen Abfahrtspiste, nach rechts zu allen anderen Pisten und im Sommer zum Einstieg in den hier beginnenden Zirbenweg. Ein wenig auf, ein wenig ab, aber konstant auf einer Meereshöhe zwischen 1900 und 2100 Metern schlängelt sich der Wanderweg über sieben Kilometer durch die Tuxer Voralpenlandschaft.
Auf sieben Kilometern zieht sich der Zirbenweg durch die Tuxer Voralpen
250 Jahre kann ein Zirbenbaum alt werden
Das Inntal stets im Blick, und das mancherorts durchaus spektakulär. Doch ebenso spektakulär ist hier oben die Natur. Genießen mit allen Sinnen – vorneweg mit dem Geruchsinn. 250 Jahre kann ein Zirbenbaum alt werden, 25 Meter hoch, und wenn bis Mitte Juli ausschließlich im oberen Drittel der Baumkrone die Zirbennüsse wachsen, beginnt für Peter Brugger die Erntezeit. „Das ist nicht ganz ungefährlich“, weiß der Wirt vom Almgasthaus Boscheben, das sich nach etwa 50 Gehminuten auf dem Wanderweg hinter einem kleinen Felsvorsprung versteckt. Um die bis zu sechs Zentimeter dicken Zirbennüsse zu ernten, klettert Peter Brugger bis hinauf in die Baumkrone, ein Helfer am Boden fängt die gesammelten Nüsse auf. „Eine Alternative gibt es nicht – außer vielleicht den Hubschrauber“, lacht der Hüttenwirt. Doch der ist nicht nur recht teuer, sondern zu Erntezwecken hier auch verboten. Die geernteten und aufgeschnittenen Nüsse – je nach Größe vier bis fünf für einen Liter Schnaps – setzt Peter Brugger schließlich mit Korn an. Zwei Wochen später ist sein Zirbenschnaps dann genussreif – und für so manchen Bergwanderer auf dem Zirbenweg ein absolutes Muss.
Im Almgasthaus Boscheben stellt Hüttenwirt Peter Brugger (Foto) seinen Zirbenschnaps her.
Vorbei am Abzweig zum Glungezer Gipfelsteig schlängelt sich der Wanderweg hoch über dem Inntal weiter gen Osten. Zirben in friedlicher Koexistenz mit Lärchen und Latschenkieferbüschen. Ein weit geschwungener Bogen noch, eine Kapelle, ein Brunnen aus Zirbenholz, und die Tuffein Alm ist erreicht. Ein eiskaltes Radler, ein Kaiserschmarrn – der verdiente Zwischenlohn nach der Wanderung auf dem Zirbenweg. Die einzige Alternativroute zurück zur Mittelstation der Patscherkofelbahn verläuft einige hundert Höhenmeter tiefer am Berg vorbei an Rinner Alm, Aldranser Alm und Sistranser Alm. Alternativ führt aber auch der unsportliche Weg von der Tuffein Alm zurück nach Innsbruck – mit der Glungezerbahn bergabwärts nach Tulfes und weiter mit dem Postbus in die Tiroler Landeshauptstadt.
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