Urlaub in Venetien: Italienische Landschaft und Lebenskultur

Italien mal ganz anders

Putten und Posamente rahmen die Theke der venezianisch anmutenden Bar im Hotel Mioni Pezzato & Spa in Abano. Dahinter hantiert Marco, klein, adrett, Kellnerhemd, kurze weiße Haare und einfach sehr sympathisch. Er sieht aus wie aus einem Film von Vittorio de Sica, und bereitet einen Cappuccino zu. Abano Terme ist ein Ort wie aus der Zeit gefallen, genau wie seine Gäste. Wer sich auf die Suche nach ursprünglicher italienischer Landschaft und Lebenskultur begibt, wird hier und ganz in der Nähe, in den Euganeischen Hügeln, fündig. Urlaub in Venetien

INHALT

Rundreise durch Venetien startet in Abano

Ein Ausflug von Abano aus ins ganz andere Venezien könnte beispielsweise mit der Besichtigung der Villa Emo beginnen, die mit dem Auto etwa eine halbe Stunde südlich der “Mutter aller Spas” liegt. Wasserwege kennzeichnen hier die Landschaft, Kanäle fließen parallel zu den Straßen. Alles ist hellgrün, mittelgrün, smaragdgrün, wie gemalt ziehen kleine dicke, weiße Wolken über den blauen Himmel. Die Landschaft erinnert an Bilder von Giorgione: zarte Sinnlichkeit, fließende Farben, Linien, die keine Konturen bilden, sondern verschwimmen. Die Komposition seiner Bilder ist nicht rational, sondern intuitiv und am Pantheismus orientiert. Auch Giovanni Barbisan malte solche Bilder. Schwarze Pappeln akzentuieren den Anblick, Wiesen gehen an den Kanälen, wie hier dem Canale Bissatto, über in Wassergräser, Rohrkolben schwimmen auf der Wasseroberfläche. Die Gegend um Abano ist ein weit verzweigtes Netz aus sumpfigen Grasflächen, Schilfgebieten und Springquellen. Der Horizont ist immer in Sichtweite, ja zum Greifen nah.

Urlaub in Venetien - Bettina Luise Haase - Villa Emo

Urlaub in Venetien: Der Horizont ist immer in Sichtweite

Etwa zwanzig Minuten von Abano entfernt am Canale Bissatto liegt die Villa Emo in Rivella. Im 16.Jahrhundert entstand im Veneto die Kultur der Villen. Diese Villen sind einzigartig und nahmen Einfluss auf viele Jahrhunderte Baugeschichte. Die Villa verkörperte aristokratische Würde und war Ort der Selbstdarstellung. Andrea Palladio gelang im Veneto die Synthese zwischen dem “Angenehmen” und dem “Nützlichen”, wie sie seinen Auftraggebern vorschwebte. Großzügige Loggia, oft doppelstöckig, Fassade mit vorgesetztem Giebel und weite Treppen blieben die traditionellen Elemente seiner Formensprache. Oft errichtete Palladio die Villen in der Nähe von Flüssen oder an einer Quelle. Später entwickelte der italienische Hauptmeister der Hochrenaissance den Typus Landsitz, wobei er auf Wirtschaftsgebäude zugunsten einer feudalen Gartenanlage verzichtete. Selbstdarstellung und Müßiggang waren allein der angemessene Zweck dieser Gärten. Eine solche Villa ist auch die Villa Emo, die denselben Namen trägt wie die Palladio-Villa in Treviso und die gleiche Giebelfassade aufweist. Sie wird dem Architekten Vincenzo Scamozzi zugeschrieben, dessen architektonisches Werk ohne den 40 Jahre älteren Palladio (Palladio wurde am 30. November 1508 in Padua geboren) nicht denkbar ist. Der Garten der Villa Emo ist ein solcher Ort des Müßiggangs, wie er von Andrea Palladio beabsichtigt war. Typische Renaissanceelemente wie Buchenhaine als Grenzmerkmal, die in der Rennaissance die aus dem Mittelalter stammenden Steinmauern ersetzten, Buchsbaum-Ornamentierungen und die Iris-Bepflanzung sind die Kennzeichen, die die Villa Emo als Beispiel einer Renaissancevilla ausweisen. Wer nicht zur den Öffnungszeiten in der Gegend ist, kann trotzdem einen Blick auf die Villa erhaschen, indem er durch die Zaunlücke am ersten Tor schlüpft.

Dann geht es in die Euganeischen Hügel Richtung Arqua Petrarca. Sie sind liebliches Land, Berg und Tal. Die größte Erhebung ist gerade einmal 600 Meter hoch. Mais und Wein wachsen im Tal, an den Hängen gedeihen Kastanien, Oliven, Kirschen, im Herbst Pilze. Ein Netz von kurvenreichen Straßen verbindet die einzelnen Ortschaften.

Urlaub in Venetien - Bettina Louise Haase - Reiseberichte Venetien - Italien-

Das Haus von Petrarca in Arqua Petrarca. (Fotos: Haase)

Arqua Petrarca liegt etwa zwanzig Minuten von der Villa Emo entfernt. Franceso Petrarca verbrachte hier seine letzten fünf Lebensjahre. „Ich habe mir in den Euganeischen Hügeln ein kleines, anmutiges und vornehmes Haus gebaut; hier verbringe ich friedvoll die letzten Jahre meines Lebens, gedenke der fernen oder verstorbenen Freunde und umarme sie in stetiger Erinnerung”, sagte der Dichter am 6. Januar 1371. im Jahr 1369 ließ Petrarca das Haus, das ihm vermutlich der Stadtregent von Padua, Francesco il Vecchio da Carrara, geschenkt hatte, für sich umbauen und wählte es als Zufluchtsstätte für seine letzte Lebensphase. Hier genoss er die Ruhe, die er sich immer gewünscht hatte, und verbrachte seinen Lebensabend im Kreise seiner Familie, seiner Tochter Francesca, dem Schwiegersohn Francescuolo da Brossano und der Enkelin Elettra. Das Venuszimmer im ersten Stock, in dem Petraca vermutlich sein Schlafzimmer hatte, gibt den Blick frei auf die weite Landschaft der Euganeischen Hügel, auf Kastanienwälder und kleine Gehöfte. Von diesem Zimmer aus wirkt Venetien wie Meditation für die Seele, man kann sich gut vorstellen, dass sich der Dichter hier angekommen fühlte und im Blick auf die Landschaft Inspiration für seine späten Werke fand. Petrarcas Haus ist umgeben von einem kleinen Garten, in dem der Dichter Wein, Äpfel und Gewürze anbaute. Seine letzte Ruhestätte fand der Dichter vor der Kirche Santa Maria Assunta im Ort.

Arqua Petrarca hat eine Ober- und Unterstadt, wobei die Oberstadt mit dem Haus von Petrarca in der Via Valleselle einen mondänen Charakter hat. Venezianisch mutet der Platz vor der Dreifaltigkeitskirche mit dem Markuslöwen an. Er steht auf der Säule von Vikar Girolamo Bonmarini, die dieser 1612 errichten ließ, um seine Loyalität zur Republik Venedig zu dokumentieren.

Klatschmohn im Frühsommer an den Strassen

In zwanzig weiteren Fahrtminuten erreicht man von Arqua Petrarca Valsanzibio. Die Straße ist von roten Punkten gesäumt, der Klatschmohn blüht im Frühsommer. Hier steht die Villa Barbarigo mit einem der bedeutendsten noch erhaltenen historischen Gärten aus dem 17. Jahrhundert. Der Adelige Zuane Francesco Barbarigo aus Venedig legte den Garten mit der Unterstützung seines Sohnes an. Die gesamte Anlage steht symbolisch für den Weg des Menschen zu seiner Erlösung. Es gibt 16 Brunnen, fünf Fischteiche und drei Wasserspiele. Einst lag der Eingang in den Garten am Dianaportal. Dort ankerten Boote, die durch das Fischtal von Sankt Eusebius gekommen waren. Das Fischtal von Sankt Eusebius erstreckte sich damals über die ganze Ebene. Heute ist nur noch der Teich erhalten, in dem sich das elegante Portal widerspiegelt – und das wie eine verwunschene Schranke hinein in das Labyrinth dieses Gartens führt. Über dem Portal steht Diana, die Göttin der Natur und der wilden Tiere, aber auch der Verwandlungen und Wunder. Wer den Garten vom Portal der Diana aus erkundet, den führt der Weg am Dianabad und dem Irisbrunnen (so genannt, weil sein zentraler Wasserstrahl von vier Fontänen gespeist wird und einen Regenbogen ergibt) vorbei zum Fischteich der Winde. Am “Pila”-Springbrunnen gibt die Hauptblickachse die Sicht auf die Villa frei.

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Garten der Villa Barbarigo in Valsanzibio.

Rechts hinten liegt das Labyrinth, das vom Leben des Heiligen Georgio Barbarigo beeinflusst ist, rechts vor dem Pila-Springbrunnen steht die vielleicht wichtigste Skulptur des Gartens, die die Zeit darstellt. Sie hat ihren Flug durch den Raum beendet und ist Symbol für die Transzendenz, mit der der Geist Perfektion zu erreichen vermag. Die Formen – und Symbolsprache des Gartens ist komplex, es gibt zahlreiche seltene Baum- und Pflanzenarten wie beispielsweise eine kalifornische Zeder. Es lohnt sich, hier etwas länger zu bleiben und das Gesamtkunstwerk dieses Gartens und seiner Villa zu erkunden.

Abazia di Praglia ist letzte Station der Rundreise

Die letzte Station auf der Rundreise durch die Euganeischen Hügel ist die Abazia di Praglia kurz vor Abano. Ihre ursprüngliche Bezeichnung Pratalea bezog sich auf die anrgenzenden Wiesen (prati). Mönche führen Besucher nachmittags im Halbstundentakt durch das Kloster, in dem man auch übernachten kann. Die gesamte Klosteranlage wurde ab 1460 neu erbaut; der Campanile mit den ghibellinischen Zinnen besagt, dass das Koster im Mittelalter zu den Anhängern des Kaisers Friedrich II. zählte. Zweimal mussten die Mönche die Abtei verlassen: 1804 und 1866 bei der Einigung Italiens. Erst 1904 konnten sie definitiv zurückkommen. Praglia ist heute die größte Benediktinerabtei Italiens. Besonders beeindruckend sind die vier Kreuzgänge der Anlage. Der interessanteste ist der “hängende Kreuzgang “Stro Pensile”, der Mittelpunkt des Klosterlebens. An diesem Kreuzgang liegen der Kapitelsaal, die ehemaligen Wärmestuben, die heute als Bibliothek dienen und das große neue, nicht mehr nutzbare Refektorium mit einem Kreuzigungsfresko von Bartolomeo Montagna um 1490. Die der Maria Assunta geweihte Kirche wurde ab 1490 errichtet, wohl nach Plänen von Tullio Lombardo. Gartenliebhaber sollten sich den botanischen Kreuzgang genauer ansehen. Hier wuchsen einst die Kräuter für die Klosterapotheke, die heute auf einer anderen Fläche angebaut werden. Besucher finden im großen Klosterladen eine beeindruckende Auswahl an Kräutern und Tees aus dem Kloster, wie auch erstklassige Weine und Honig.

Aus den heißen Quellen Abanos steigt weiter der Dampf. Und spätestens nach diesen Eindrücken in der Nähe weiß man, warum dieser Ort und seine Umgebung süchtig machen.

Weitere Reiseinformationen zu Venetien

Unbedingt besuchen in Venetien

Villa Emo in Rivella: ÖZ: samstags von 14 bis 19 Uhr, sonntags und feiertags von 10 Uhr bis 19 Uhr, Gruppen: täglich auf Vorbestellung, Tel. 0429 781987 – 781970, Informationen per eMail unter villaemo@villaemo.it

ÖZ Haus von Petrarca in Arqua Petrarca: März bis Oktober 9 bis 12.30 und 15 bis 19 Uhr, November bis Februar von 9 bis 12 und 14.30 bis 17.30.
Garten der Villa Barbarigo in Vasanzibio: http://www.valsanzibiogiardino.it, ÖZ: Der Garten ist jeden Tag von 10 bis 13 Uhr und von 14 Uhr bis zum Sonnenuntergang (sonntags und Feiertage von 10 bis Sonnenuntergang) geöffnet,  Erwachsene 10,00 €; bis 14 Jahren 6,00 €

Abazia di Praglia: www.praglia.it – Führungen finden kostenlos nachmittags jede halbe Stunde statt.

Übernachten in Venetien

Mioni Pezzato & Spa, wunderschöner Garten mit altem Baumbestand, feinstes vegetarisches Vorspeisenbuffet, das täglich variiert, das Schwimmen im warmen Thermalwasser umgeben von Blütenduft ist Balsam pur; eine Besonderheit ist der verwendete Heilschlamm, der seit 2010 mit der Marke „DOC Fango” (kontrollierte Ursprungsbezeichnung) zertifiziert ist. Bei ausgewählten Thermalkuren erfolgt eine Bezuschussung durch deutsche Krankenkassen.
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Reiseführer für Venetien

Für den Urlaub in Venetien empfehlen wir den Reiseführer von MARCO POLO Venetien, Friaul. Insidertipps von den Stränden an der Adria bis zur spektakulären Bergwelt der Dolomiten sind in dem Reiseführer zu finden, inklusive Faltkarte und Atlas. Hier können Sie den Reiseführer direkt bestellen.