Grand Train Tour: per Bahnreise quer durch die Schweizer Alpen

Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen

Wer die Schweizer Hochalpen sehen möchte, ohne zu wandern, nimmt am besten den Zug: Die sogenannte Grand Train Tour of Switzerland führt in mehreren Tagen zu spektakulären Panoramawegen und zieht besonders ältere Reisende sowie Gäste aus Übersee an. Die Reise verbindet bequemen Komfort mit Landschaften, die sonst oft nur hart gesottenen Bergsteigern vorbehalten sind.

Während der Fahrt wechseln sich schroffe Felswände, türkisfarbene Seen und saftige Wiesen in rascher Abfolge ab. Häufiges Problem an Bord: Wohin zuerst schauen? Viele Passagiere springen zwischen den Seiten des Wagens hin und her, um kein Motiv zu verpassen.

Typisch für die Rundreise ist ihr entspannter Charakter: Meist sitzen die Gäste einfach am Fenster und lassen die Alpen ziehen. Wer doch aktiv werden will, steigt an ausgewählten Stationen aus, für größere Touren sind die Zugetappen aber nicht gedacht.

Eine typische Reisedauer liegt bei fünf bis sechs Tagen. Neben älteren Reisenden nutzen auch jene, die eine Alternative zur anspruchsvollen Bergtour suchen, die Route. Beliebt ist die Strecke außerdem bei Touristinnen und Touristen aus Indien, China, Taiwan, Thailand und den USA.

Eine Besucherin, die 85-jährige Giesela Tegtmeier aus Deutschland, sagt, sie habe sich mit der Grand-Train-Tour einen langgehegten Traum erfüllt. Besonders schätzt sie, dass man «das Hochgebirge erleben kann, ohne lange Wanderungen».

Start in Luzern: Historisches und Seenblick

Die klassische Runde beginnt in Luzern. Die Stadt bietet vor dem Einsteigen noch kurze Höhepunkte: die mittelalterliche Kapellbrücke über die Reuss und eine kompakte Altstadt mit gut erhaltenen Gassen. Immer wieder schimmern die Berge im Hintergrund — ein Vorgeschmack auf das, was folgt.

1. Etappe – von Luzern nach Montreux: Seen und Panoramablicke

Der Luzern–Interlaken–Express führt in Richtung Berner Oberland, vorbei an Thunersee und Brienzersee. An Bahnhöfen wie Interlaken heißt es oft zügig das Gleis wechseln, weil die Verbindungen knapp getaktet sind.

Weiter mit dem Golden Pass Express durch grüne Täler bis nach Montreux am Genfersee: Die Promenade mit ihren Palmen, der weite Seeblick und die Bergkulisse bilden das klassische Schweizer Postkartenmotiv. Eine Statue erinnert daran, dass Freddy Mercury seine letzten Jahre in Montreux verbrachte.

2. Etappe – hinauf nach Zermatt: Gegen die Viertausender

Zwischen Montreux und Zermatt steigt die Strecke stetig an. Die Waggons fahren durch enge Täler und vorbei an Dreitausendern, die selbst im Sommer weiße Glocken tragen. Die entlegenen Höfe wirken oft verloren in den Schluchten; an einigen Hängen sind die Spuren von Muren sichtbar — zuletzt berichtete man von einem großen Rutsch bei Blatten im Lötschental im Mai 2025.

Zermatt präsentiert sich modern und autofrei: Elektrokleinfahrzeuge kurven durch die Gassen, und viele Gäste fahren weiter mit der Zahnradbahn zur Gornergratbahn. Von der Bergstation auf 3.089 Metern soll man angeblich bis zu 28 Viertausender sehen, darunter das Matterhorn (4.478 m) — bei klarer Sicht.

3. Etappe – Zermatt nach St. Moritz: Der Glacier Express

Der als Panoramazug bekannte Glacier Express überwinden auf der rund achtstündigen Fahrt eine beeindruckende Infrastruktur: 291 Brücken und 91 Tunnel gehören zur Strecke. Besonders auffällig ist das Landwasserviadukt, das Teil der Albulabahn ist und seit 2008 zum UNESCO‑Weltkulturerbe zählt.

Die Ankunft in St. Moritz wirkt kontrastreich: Der Ort hat sich über die Jahre zum Sinnbild von Luxus und mondänen Angeboten entwickelt. In der Nebensaison, etwa Ende Mai, liegt die Gemeinde dennoch oft ruhig und leer.

4. Etappe – zwei Jahreszeiten an einem Tag: St. Moritz bis Tirano

Der Abschnitt mit dem Bernina Express führt durch hochalpine Landschaften mit viel Schnee, vorbei an Seen wie dem Lago Bianco. Auf der Strecke liegt das Ospizio Bernina, der mit 2.253 Metern höchste Bahnhof der Rhätischen Bahn.

Im weiteren Verlauf windet sich die Bahn in Serpentinen hinab nach Italien. Die Temperatur steigt spürbar: Aus Winterlandschaft wird plötzlich mediterranes Klima in Tirano.

Die Rundreise wird komplettiert durch einen Bus nach Lugano und die Rückfahrt per Gotthard-Panorama-Express nach Luzern. Für viele Teilnehmende ist die Mischung aus Komfort und Landschaft so überzeugend, dass sie sofort noch einmal losfahren würden.

Praktische Hinweise

Pauschalreisen: Veranstalter wie Ameropa oder der Switzerland Travel Center bieten die Grand Train Tour als Komplettpaket mit Sitzplatzreservierungen und Hotels an.

Individuell: Wer selbst plant, kann den Swiss Travel Pass nutzen (ab 254 SFR). Er ermöglicht je nach Tarif drei bis 15 Tage freie Nutzung zahlreicher Züge und öffentlicher Verkehrsmittel sowie kostenlosen Eintritt in rund 500 Museen. Sitzplatzreservierungen bleiben in der Regel kostenpflichtig; Unterkünfte sind separat zu buchen.

Geld: 1 Schweizer Franken (SFR) = 1,09 Euro (Stand: 24.6.2026).

Weitere Informationen: myswitzerland.com

Geben Sie Ihr Feedback

Seien Sie der Erste, der dieser Beitrag bewertet
oder hinterlassen Sie eine detaillierte Bewertung



breitengrad53.de ist ein unabhängiges Medium. Unterstützen Sie uns, indem Sie uns zu Ihren Google News Favoriten hinzufügen:

Kommentar posten

Kommentar veröffentlichen