Radreise in Frankreich: Durch Bordeauxs Weinberge

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Mit dem Fahrrad durch eine der berühmtesten Weinregionen der Welt: Slow Travel verbindet hier Klimafreundlichkeit mit Genuss. Die Landschaft von Bordeaux bis zur Gironde bietet Sinneseindrücke und Gastfreundschaft – doch die Winzer stehen auch vor wirtschaftlichen und landschaftlichen Herausforderungen.

Vom Familiengut zur Sauternes-Region

Für Alexis Charrier ist Wein allgegenwärtig. Der 40-Jährige führt in Bommes einen Familienbetrieb, der seit mehr als zwei Jahrhunderten existiert. Die Region ist besonders bekannt für den edelsüßen Sauternes, dessen goldene Tropfen Aromen von Aprikose und Pfirsich entfalten.

Verkostungsraum in einem Weinkeller mit Gläsern und edelsüßem Wein
Sauternes-Verkostung: Die goldenen Tropfen entfalten Aromen von Aprikose und Pfirsich.

Bordeaux selbst ist ein guter Ausgangspunkt für eine Radreise. Ein markanter Fotostopp ist das moderne Weinmuseum Cité du Vin mit seiner Glas- und Aluminiumhülle. Auf dem besten Weg aus der Stadt führt die Route über Latresne und dann auf die ehemalige Bahntrasse, die als Radweg durch das Gebiet Entre-deux-Mers verläuft.

Allerdings beginnen die Weinberge nicht sofort: Erst kurz vor Créon, nach etwa 23 Kilometern, tauchen die Reben dauerhaft auf. Von dort aus öffnen sich auf Nebenstraßen Landschaften, die Klassiker wie Saint-Émilion umfassen – flach bis leicht hügelig und ideal für genussorientiertes Radeln.

Wie Châteaux auf veränderte Märkte reagieren

Die Besucherzahlen klettern vielerorts, doch der Weinbau steckt trotzdem in einer schwierigen Phase. Absatz und Exporte laufen nicht mehr wie früher, und die Konkurrenz wächst. Als Antwort setzen viele Anwesen verstärkt auf Architektur, Gastronomie und Kunstinstallationen, um Gäste anzuziehen.

Beispiele sind sichtbar: Im Château La Gaffelière erzeugen Edelstahltanks durch Lichtinszenierungen ungewöhnliche Effekte. Im Château Fleur de Lisse werden Kochkurse angeboten, und das massive Fasslager mit bunten Fenstern wirkt fast wie eine Kathedrale.

Graves-Sauternes: Terroir, Technik und Experimente

Im Weinland Graves-Sauternes betreiben Caroline und Xavier Perromat das Château de Cérons. Die beiden haben erst vor wenigen Jahren übernommen; sie sind 56 und 71 Jahre alt. In einem Keller haben sie eine preisgekrönte Licht-Ton-Show entwickelt, die Besucher anzieht.

Das Terroir rund um Cérons besteht aus Kalk- und Kiesböden. Für die Sauternes-Trauben sind neben dem Boden vor allem die Edelfäule-Pilze und der Herbstnebel entscheidend. Bei Verkostungen betonen die Perromats die feinen Aromabögen: Der trockene Weißwein «Blanc Sec» erinnert an Pampelmuse und weißen Pfirsich, die Sauternes werden oft mit Orangenmarmelade verglichen.

Margaux und die Kunst des Degustierens

Auch das Gebiet um Margaux ist ein Höhepunkt für Weininteressierte. Auf dem Château Siran begegnet man dem Weingott Bacchus als Skulptur und in Musealstücken. Degustationen finden häufig in historischen Salons statt, wo Guides wie Yolaine Daigre die Aromen erklären.

Weinglas mit rotem Bordeaux-Wein beim Degustieren, Aromanoten sichtbar
Beim Degustieren von Margaux-Weinen erkennt man Noten von schwarzer Kirsche und Pfeffer.

Typische Noten bei körperreichen Rotweinen aus Merlot und Cabernet Sauvignon sind Eukalyptus, Lakritz und Kaffeebohnen. Ergänzt um Petit Verdot, beschreibt man den Geschmack mit Begriffen wie schwarze Kirsche, schwarze Johannisbeere, etwas Pfeffer und eine Tabaknote. Solche Weine passen gut zu Käse, Kalbfleisch oder dunkler Schokolade.

Daigre weist zudem auf ein strukturelles Problem hin: Jüngere Konsumenten greifen inzwischen häufiger zu Bier, Cidre oder Cocktails. Traditionelle, groß angelegte Weingewohnheiten sind seltener geworden.

Bayon-sur-Gironde: Wandel in der Kulturlandschaft

Die sinkende Nachfrage hat auf manche Winzer direkte Auswirkungen. Flächen werden reduziert oder in einzelne Fällen in alternative Kulturen wie Kiwis und Oliven umgewandelt. Im Gebiet Côtes de Bourg hat Valérie Bassereau auf dem Château de la Grave die Anbaufläche um rund ein Viertel verkleinert. Gleichzeitig entwickelt sie ein breites Angebot an Weintourismus: Events, Gästezimmer in den Weinbergen und sogar eine Sauna im historischen Turm.

Trotz dieser Umbrüche bleibt eine Radtour durch die Weinlandschaften von Bordeaux eine sinnliche Erfahrung. Besonders eindrucksvoll sind die Rebhänge entlang der Gironde-Mündung, wo der Atlantik einen salzigen Hauch mitbringt. Im Château Eyquem etwa gibt es als kleine Versuchung ein Pairing aus Pralinen und Rotwein.

Praktische Hinweise

Region und Landschaft: Bordeaux liegt im Südwesten Frankreichs. Die Weinbauflächen umfassen etwa 86.000 Hektar und reichen teils über 70 Kilometer von der Stadt entfernt. Garonne und Dordogne vereinigen sich zur Gironde, die in den Atlantik mündet.

Waldbrände: Die beschriebene Radtour verläuft in einer Region, die nicht von den jüngsten Waldbränden in der Nähe von Bordeaux betroffen war.

Beste Reisezeit: Frühling bis Herbst.

Anreise: Mit Auto oder Zug nach Bordeaux. Direktverbindungen aus Frankfurt bestehen im Juli und August; ansonsten sind Umstiege über Paris möglich.

Unterkünfte: Gelegentlich lassen sich Übernachtungen auf Weingütern buchen, etwa bei Sigalas Rabaud oder Château de la Grave. Radfreundliche Häuser sind mit dem Label Accueil Vélo gekennzeichnet.

Fahrradverleih: In Bordeaux gibt es Anbieter wie Véloce und Pierre qui roule, die auch Gepäckaufbewahrung und Satteltaschen anbieten.

Bikes im Zug: Fahrrad-Tickets für Züge sind ausschließlich online von Mai bis September buchbar (Preis pro Ticket: 3 Euro). Je nach Strecke sind Fahrräder teilweise auch kostenlos mitnahmefähig.

Weinproben und Mitmachen: Führungen mit Verkostung sollten in der Regel vorab reserviert werden. Nur selten kann man aktiv bei der Lese helfen; das auf Bioweine spezialisierte Château L’Escardie bietet in Saint-Germain de la Rivière jedoch einen vierstündigen «Weinlese-Workshop» für rund 30 Euro pro Person an.

Routenvorschlag (verkürzt): Bordeaux–Sauveterre-de-Guyenne ca. 55 km, größtenteils auf der ehemaligen Bahntrasse Piste Roger Lapébie; Abzweig bei km 36 in die Weinberge um Saint-Émilion (Hin- und Rückfahrt rund 50 km); weiter nach La Réole und per Zug nach Cérons, dann Entdeckung der Umgebung; von Cérons per Zug über Bordeaux nach Margaux; Erkundung des Margaux-Gebiets (Labarde, Cantenac) und Fährverbindung Lamarque–Blaye; anschließend über Nebenstraßen durch die Weinlagen um Bayon-sur-Gironde bis Saint-André-de-Cubzac und Rückfahrt mit dem Zug nach Bordeaux.

Weitere Informationen bietet die Tourismusplattform der Region: visit-nouvelle-aquitaine.com.

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