Im Sylt der USA zählen Austernsammeln und Apfelpflücken zum Alltag

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Long Island vor den Toren New Yorks ist nicht nur Synonym für Strandvillen und Promi-Glanz; die Insel zeigt auch eine bäuerlichere, günstigere Seite. Besonders im nördlichen Bereich sorgen Farmen, Weingüter und frische Meeresprodukte dafür, dass ein Besuch nicht ausschließlich ein Luxusvergnügen sein muss.

Austern als Öko-Allrounder

Vor der Küste Long Islands arbeiten Züchter wie Southold Bay Oysters daran, amerikanische Austern wieder anzusiedeln. Dort werden junge Muscheln in Kunststoffsäcken gepflegt und regelmäßig gereinigt. Billy Wellman, Präsident des Betriebs, nennt die Auster ein „Umweltwunder“: Ein Tier kann in 24 Stunden rund 50 Gallonen Wasser filtern — etwa 190 Liter. Vor diesem Hintergrund hat der Staat New York Initiativen gestartet, um Austernbestände zu stärken; früher bildeten sie teils dichte Riffe vor der Stadt.

Kunststoffsäcke mit jungen Austern auf Austernfarm im Wasser
Austern werden in Säcken gepflegt und regelmäßig gereinigt, um Bestände wieder aufzubauen.

Zwei Gesichter der Insel

Die Insel trennt sich markant in zwei Regionen. Die südliche Spitze, die sogenannte South Fork, umfasst die Hamptons: Orte wie Westhampton, Southhampton, Bridgehampton, East Hampton und Montauk sind bekannt für Strandhäuser, exklusive Geschäfte und Feierkultur.

Im Norden dagegen dominieren Ackerland, Hofläden und Weingüter. Die North Fork wirkt ruhiger und bodenständiger: Hier laden Felder zum Selbstpflücken ein und regionale Produzenten prägen das Angebot.

Winzer und Weinberge

Zu den Pionieren zählt die Familie Harbes mit der Harbes Family Farm, die ihren Betrieb über Jahrzehnte zu einer beliebten Attraktion ausgebaut hat. Ursula und Charles Massoud kauften vor mehr als 40 Jahren eine Kartoffelfarm in Aquebogue, um dort Reben zu pflanzen — eine Idee, die sich durchsetzte. Ursula stammt aus einer Winzerfamilie in der Pfalz; Unterstützung beim Rebenanbau kam auch von Verwandten.

Weinrebenreihen auf einem Long Island Weingut bei Sonnenlicht
Weinberge und Winzer prägen die North Fork — viele Betriebe setzen auf nachhaltigen Anbau.

Die Winzerei Paumanok gehört inzwischen zu den erfolgreicheren Betrieben der Insel. Ihre Weine wurden laut Bericht bereits im Weißen Haus ausgeschenkt; geführt wird das Gut heute vom ältesten Sohn Kareem. Ein weiteres bekanntes Weingut ist die Wölffer Estate in Sagaponack, wo der Winzer Roman Roth seit 1992 arbeitet. Roths Ausbildung führte ihn unter anderem an den Kaiserstuhl, in den Winzerkeller Wiesloch und an die Hochschule Weinsberg. Auf den Böden wachsen Trauben für Sorten wie Merlot, Chardonnay, Cabernet Franc und Pinot Noir; nachhaltiges Wirtschaften ist dort ein erklärtes Ziel.

Vom Meer auf den Teller

Die lokale Kulinarik verbindet feine Küche mit regionalen Zutaten. Jerry Dicecco, der in Riverhead aufgewachsen ist, lernte das Kochen beim Vater, arbeitete in Frankreich und Italien und stand in New York in der Küche von Daniel Boulud. Zurück auf Long Island betreibt er das Restaurant Jerry and the Mermaid, das gehobene Gerichte mit Produkten der Insel kombiniert.

Fisch und Meeresfrüchte liefern Händler wie Cody Homan von Braun Seafood in Cutchogue. Dort werden sowohl private Köche und Spitzenrestaurants beliefert als auch Einheimische, die etwa eine Lobster Roll zum Mitnehmen kaufen — eine einfache Möglichkeit, etwas Luxus zum Strand mitzubringen, ohne ins teure Restaurant zu gehen.

Praktische Hinweise für Besucher

Reiseziel: Long Island liegt im Atlantik vor New York City und gehört zum US-Bundesstaat New York. Die Insel ist seit Langem Rückzugsort wohlhabender Familien.

Anreise: Aus Deutschland gibt es Direktflüge zu den Flughäfen John F. Kennedy und Newark; JFK liegt verkehrsgünstiger. Long Island ist mit Auto und der Long Island Rail Road erreichbar und eignet sich auch für Tagesausflüge ab New York City.

Einreise: Deutsche Touristen benötigen einen Reisepass und eine elektronische Einreisegenehmigung (ESTA). Die Gebühr wurde im Artikel mit 40 US-Dollar angegeben.

Beste Reisezeit: Das schönste Wetter herrscht zwischen Ende Mai und Anfang September. Außerhalb der Hochsaison ist die Insel ruhiger und vielerorts preiswerter.

Aktivitäten: Auf der North Fork kann man Obst selber pflücken; die Harbes-Farm bietet Herbstattraktionen an. Besuche auf Weingütern sind möglich; exemplarische Webadressen im Bericht: harbesfamilyfarm.com/fall-attractions, paumanok.com, wolffer.com. Für Austern, Restaurant-Infos und Fischlieferanten wurden southoldbayoysters.com, jerryandthemermaid.com und braunseafood.com genannt.

The Loop — eine Inselrunde

Als Rundfahrt empfiehlt sich auf Long Island die sogenannte The Loop. Sie führt von Riverhead entlang der North Fork über Sound Avenue, Main Road oder Peconic Avenue bis nach Greenport. Am östlichen Ende der North Fork liegt Orient; von Greenport aus bringt eine kleine Autofähre Besucher nach Shelter Island (19 Dollar, nur in bar). Anschließend setzt die South Ferry nach Sag Harbor über (26 Dollar, nur in bar). Von dort sind es noch wenige Kilometer bis Montauk mit seinem historischen Leuchtturm, der 1798 in Betrieb genommen wurde.

Unterkünfte gibt es in allen Kategorien; in der Hauptsaison sind die Preise sehr hoch, daher empfiehlt sich eine frühzeitige Reservierung. Weitere Informationen bieten die Reiseportale discoverlongisland.com und iloveny.com.

Quelle: dpa

Kategorien USA

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