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Die Netflix-Dokumentation „Shipwrecked: Nightmare at Sea“ (deutscher Titel: „Costa Concordia: Albtraum auf See“) rekonstruiert den Untergang der Costa Concordia am 13. Januar 2012 vor der Insel Giglio. Die Produktion verbindet Zeugenaussagen und Tonaufnahmen, um zu zeigen, wie aus einem routinemäßigen Manöver eine Katastrophe mit 32 Todesopfern wurde.
Zeugenaussagen, Mitschnitte und Regieansatz
Regisseurin Chiara Messineo nutzt Interviews mit Überlebenden und Besatzungsmitgliedern sowie private Handyaufnahmen und übersetzte Auszüge aus dem Schiffsdatenschreiber. So entsteht ein detailliertes Bild der Entscheidungen auf der Brücke und des Ablaufs in den Stunden nach dem Zusammenstoß.
Zu Wort kommen unter anderem Passagiere wie Meghan und John sowie Patricia Sandoval, Nicholas Taliaferro und Stefania Vincenzi. Auch Crewmitglieder wie der damalige Hotelmanager Manrico Giampedroni, die Tänzerin Rose Metcalf und der Koch Manoj Singh schildern ihre Eindrücke.
Ergänzt werden diese Berichte durch Statements von Journalisten und Experten, darunter Barbie Nadeau, der Taucher Francesco Boaria und der Forensiker Alessandro Cantelli‑Forti.
Wie es zum Unglück kam
Am Abend des 13. Januar 2012 befanden sich mehr als 4.000 Menschen an Bord. Das Schiff war in Civitavecchia ausgelaufen und verließ noch in der Nacht seine geplante Route.
Nach Darstellung der Dokumentation hatte Kapitän Francesco Schettino eine nahe Küstendurchfahrt vor Giglio geplant, offenbar als Gruß an Insulaner mit persönlichen Verbindungen zur Besatzung. Auf der Brücke kam es zu Kommunikationsproblemen. In der Folge rammte die Costa Concordia ein Felsenriff und nahm Wasser auf.
Als die italienische Küstenwache die Besatzung kontaktierte, wurde der Vorfall zunächst verharmlost: Von einem Stromausfall war die Rede, Hilfe wurde nicht angefordert. Erst mehr als eine Stunde nach der Kollision ordnete Schettino die Evakuierung an. Bis dahin hatte das Schiff bereits stark Schlagseite bekommen; nur die ersten Rettungsboote konnten kontrolliert zu Wasser gelassen werden. Es folgten chaotische Szenen an Bord.
Strafrechtliche Folgen und Haft
Ein italienisches Gericht verurteilte Francesco Schettino am 11. Februar 2015 wegen fahrlässiger Tötung, Verursachung eines Schiffsunglücks und des Verlassens des Schiffes zu insgesamt 16 Jahren Haft. Seine Rechtsmittel waren laut Angaben im Jahr 2017 erschöpft.
Schettino verbüßt seine Strafe im Gefängnis Rebibbia in Rom. Im Januar 2025 stellte er einen Antrag auf Strafvollzug im offenen Vollzug, mit der Perspektive auf zeitweilige Freigänge für eine Tätigkeit im Vatikan oder berufliche Ausbildung; den Antrag zog er jedoch wenige Monate später zurück. Ein reguläres Haftende wird derzeit für das Jahr 2033 genannt, sofern keine weiteren Änderungen eintreten.
Weitere fünf Mitarbeiter der Costa Concordia erhielten ebenfalls Verurteilungen in Zusammenhang mit dem Unglück. Sie mussten jedoch keine Haft antreten.
Entschädigungen und Kosten der Bergung
Costa Crociere zahlte eine Unternehmensstrafe in Höhe von einer Million Euro und umging damit ein Strafverfahren gegen die Reederei. Laut den im Prozess vorgelegten Unterlagen waren bis Anfang 2015 etwa 84 Millionen Euro an rund 3.600 Passagiere, Besatzungsmitglieder und Angehörige geflossen.
Nicht körperlich verletzten Passagieren bot das Unternehmen zunächst pauschal 11.000 Euro plus Erstattung von Reise- und Zusatzkosten an. Einige Betroffene lehnten ab und klagten; in einem Verfahren wurde einem Passagier 2021 eine Entschädigung von 92.700 Euro zugesprochen.
Die Bergung und das Abwracken der Costa Concordia sollen insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro gekostet haben. Damit gilt die Aktion als die bislang teuerste Bergung in der Seefahrtgeschichte. Ein Großteil der Kosten trugen die beteiligten Versicherungen.
Die Netflix-Dokumentation legt den Schwerpunkt auf die persönlichen Schicksale jener, die die Evakuierung erlebten, und kombiniert diese Perspektiven mit forensischen und technischen Aufzeichnungen, um den Ablauf jener Nacht nachvollziehbar zu machen.












