Abgelegene Ecke der Atacama in Chile bietet Superblüten, Pinguine und süßen Sonnenwein

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Die Atacama, berühmt für das mondähnliche Valle de la Luna und die rosafarbenen Flamingos an der Laguna Chaxa, zieht weltweit Reisende an – und an manchen Orten führt das zu Überlastung. Wer Abstand von den Menschenmassen sucht, findet im weniger bereisten Süden der Wüste eine Landschaft mit dunklem Himmel, einsamen Wanderpfaden und lebendiger indigener Kultur.

Warum gerade die südliche Atacama besuchen?

Die Wüste erstreckt sich über vier von Chiles 16 Verwaltungsregionen, doch nur die südlichste trägt offiziell den Namen Atacama-Region – und sie gehört zu den am wenigsten aufgesuchten Teilen des Landes. Laut lokalen Angaben erreichen weniger als zwei Prozent der ausländischen Besucher diesen Teil der Wüste. Dabei bietet er Schutzgebiete, drei Nationalparks und praktisch keine Lichtverschmutzung – ideale Voraussetzungen für Wanderungen und Astro‑Tourismus.

Wüstenlandschaft mit bunten Blüten, die über trockene Flächen verteilt sind
Superblüten verwandeln die Atacama-Wüste in ein Blütenmeer – ein seltenes Naturschauspiel.

Zwischen Andenplateau und Pazifik führen Wege an Küstenklippen und Kakteenfeldern vorbei; mit etwas Glück sieht man Guanacos. Gelegentlich beschert ein seltener „Superblüher“ das Schauspiel Tausender Blütenarten auf trockenen Flächen: Die letzten beiden Ereignisse ereigneten sich 2022 und 2025. Um diese empfindlichen Flächen zu bewahren, wurden 2023 rund 220 Quadratmeilen in der Nähe von Copiapó als Desierto Florido National Park ausgewiesen.

Rohstoffe, Geschichte und Schutz

Unter dem salzigen Boden liegen wertvolle Vorräte: Gold sowie die weltweit bedeutendsten Lagerstätten von Kupfer und Lithium. Schon im 15. Jahrhundert integrierten die Inka die Region in ihr Reich und transportierten Bodenschätze bis nach Cuzco. Ab den 1980er‑Jahren errichteten nationale und ausländische Firmen großflächige Tagebaue in Wassernähe, ein Umstand, der die Gletscherökosysteme bedroht, von denen viele indigene Gemeinschaften abhängen.

Tourismus im Dienst der Gemeinschaft

„Wir wollen unseren Fluss nicht verlieren“, sagt Paula Carvajal Bórquez, eine Diaguita‑Molle‑Kay‑Kko‑Kulturpraktizierende, die in Alto del Carmen Workshops zur Bewahrung des Erbes anbietet. Sie und andere Einheimische setzen vermehrt auf umweltverträgliche Angebote, die Besucher sensibilisieren statt Massenströme anzuziehen. „Keinen Massentourismus“, betont sie. Vielmehr suche man Gäste, die die Natur und die Lebensweise der Gemeinden respektierten; der Tourismus solle den Ort schützen und nicht nur Einkommen sichern.

Unterstützung für nachhaltige Programme bietet der englischsprachige Anbieter Alaya, der Führungen, Erlebnisse und Transport zwischen Tälern, Stränden und Hochplateaus vermittelt.

Mineralien zu Kunst, Natur zu Nahrung

Indigene Gruppen wie die Camanchacos (auch Changos genannt), die Molle, Aymara und Diaguita nutzten über Jahrhunderte die Mineralien der Region für Handwerk und Kunst. Der Schmuckmacher Iván Torres Iriarte arbeitet daran, alte Kupferverarbeitungstechniken wiederzubeleben; seine Arbeiten sind im Pukará Cultural Center im Vallenar‑Tal erhältlich, und Besucher können ihm gelegentlich im nahegelegenen Atelier zusehen.

Paula Carvajal Bórquez bietet über Alaya Workshops an, die indigene Küche und Kunst verbinden und Teil einer Route mit Wandmalereien im Tal sind. Teilnehmer lernen traditionelle Zubereitungsweisen kennen, etwa das Kochen von chícharo – einer Hülsenfrucht, auf die Hirten in den Bergen bauen – und das Erstellen von Wandbildern mit Ton, mineralischen Pigmenten und dem kaktusartigen Bindemittel penca de tuna.

Außerdem vermittelt Carvajal Bórquez die Herstellung von Palinay‑Puppen, einem über sieben Generationen tradierten Diaguita‑Handwerk: gefüllt mit wild gesammelten Heilkräutern wie chachacoma, dienen diese Puppen als Amulette für körperliches und emotionales Wohlbefinden.

Zu Fuß zu jahrhundertealten Petroglyphen

In Regionen wie Freirina und El Tránsito hinterließen die Vorfahren der Atacama in Stein geritzte Bilder: Figuren in kultischen Haltungen, Himmelszeichen und komplexe Liniennetzwerke. Solche Petroglyphen sind kaum besucht und verlangen oft eine geführte Wanderung.

In Stein geritzte Petroglyphen mit figürlichen und geometrischen Mustern
Jahrhundertealte Petroglyphen erzählen die Geschichte der Atacama-Völker.

Alaya kooperiert dafür mit Bruma Altiplánica, einer jungen Wandergruppe unter Leitung der Diaguita‑Führerin Evelyn Isabel Iriarte Aracena. Sie bietet tagsüber und nachts Touren an, etwa die 2,5 Meilen lange Strecke zur Piedra del Indio oder die anspruchsvollere 5‑Meilen‑Route durch die Quebrada de La Totora, um die Kultur der Ahnen sichtbar zu machen.

Auf dem Wasser: Kanus, Wale und Pinguine

Im Küstenbereich organisiert Chango Adventure Ausfahrten mit polynesisch inspirierten Kanus über die Bahía Inglesa – auf der sogenannten Vaka Te Pakakina, der „Kanu des Nordens“. Während der Fahrt erzählen Guides von möglichen Kontakten zwischen polynesischen Seefahrern und den Küstengruppen Südamerikas, eine Geschichte, die den kulturellen Austausch betont.

Die Camanchacos/Changos gelten als jahrtausendealte Küstennomaden; sie lebten mit knappen Süßwasserressourcen, sammelten Mollusken und jagten Wale mit Flößen aus Seelöwenhäuten. Die Gruppe zählt heute etwa 4.000 Menschen und hat erst vor Kurzem offizielle Anerkennung erhalten. Der Begriff camanchaca bezeichnet in Chile seit langem den küstennahen Nebel.

Weiter südlich organisiert das indigene Tourismuskollektiv Chango Robe Beobachtungsfahrten zu Walen rund um die Insel Chañaral, die Teil des Humboldt Penguin Reserve ist und sich zur Pinguinbeobachtung eignet. Zudem bietet das Kollektiv gelegentlich Verkostungen traditioneller Speisen und Workshops an, darunter Rekonstruktionen der emblematischen Chango‑Seelöwenflöße in einem Museum in Caleta Chañaral.

Wein, Pisco und die Oase Huasco

Das besondere Mikroklima des Huasco‑Tals und sein kalkhaltiger Boden haben dort eine grüne Oase entstehen lassen. Als „Garten der Atacama“ produziert das Tal süßen pajarete‑Dessertwein (auch als „Sun Wine“ bezeichnet), chilenischen Pisco, Olivenöl sowie salzig-mineralische Weißweine wie Sauvignon Blanc. Diese Erzeugnisse sind durch die Ursprungsbezeichnung Huasco geschützt.

Das Weingut Buena Esperanza bietet Radtouren durch die Reben an, inklusive eines Abstechers zu einer Bodengrube, in die Besucher hinabsteigen können, um die Besonderheiten des Terroirs zu begreifen. Die Viña Kunza versieht Flaschen mit Namen aus der ausgestorbenen Kunza‑Sprache; im schattigen Innenhof werden Weine wie Akainik (Rainbow) Chardonnay und Muskuy (Dreamy) Pinot Noir ausgeschenkt. Die Diaguita‑Unternehmerin Sandra López organisiert Degustations‑Mittagsessen und wünscht sich, dass die Heimat gerade wegen ihres indigenen Erbes anerkannt werde.

Klang, Landschaft und Achtsamkeit

Das Centro Pachacama verbindet traditionelles Wissen mit zeitgenössischer Kunst und bietet Klangheilungs‑Sitzungen an. Mit Stimme, sphärischen Tongongs und Ton‑Okarinas – einem seit Jahrtausenden in der Region genutzten Blasinstrument – schaffen die Leiter meditative Rituale, die als Dialog mit dem Land verstanden werden.

Ein typischer Ort für diese Sitzungen ist die rund 20 Fuß hohe Pirámide de Sal, eine fragile Felsformation an der Küste, die scheinbar unaufhörlich vom Meer geformt wird. „Dieses Land trägt die Erinnerungen unserer Vorfahren in sich“, sagt Mitbegründer Alfonso „Choncho“ Octavio Silva Ramírez. „Es lehrt uns zuzuhören, es zu bewahren und mit anderen zu teilen.“

Unterkünfte in der Region

Für Übernachtungen empfiehlt sich das familiengeführte Hotel Orígenes im Huasco‑Tal: ein kleines Boutique‑Hotel mit 18 Zimmern, einem wohnzimmerähnlichen Lobbybereich und einer Auswahl handwerklicher Piscos. Alternativ bietet das solarbetriebene Bed‑and‑Breakfast Espacio Mehuen eines lokal ansässigen Sufi‑Paares einfache, selbstgebaute Unterkünfte auf einem einsamen Hügel bei Vallenar – ideal zum Sternegucken oder um Kerzen aus Atacama‑Erde herzustellen.

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