Abseits der Touristenpfade: Unbekannte historische Stätten, Dörfer und Inseln in Italien

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Italien zieht nach Schätzungen rund 185 Millionen Reisende im Jahr 2025 an – trotzdem lassen sich überfüllte Orte mit etwas Planung gut umgehen. Ich lebe seit mehr als sieben Jahren in Rom und habe das Land von den Dolomiten bis nach Sizilien bereist; hier sind praktische Wege, um die Menschenmassen zu umgehen, gesammelt mit Tipps von Touristikerinnen und Insidern.

Unbekanntere Regionen ins Visier nehmen

Neben den klassischen Zielen gibt es Regionen, die weniger Besucher anziehen, aber viel zu bieten haben. Sie sind oft günstiger und bieten ruhigere Landschaften und authentische Alltagserlebnisse.

Umbrien

Im „grünen Herzen“ Italiens liegen Hügelstädte wie Orvieto, Perugia und Assisi. Olivenhaine, Sonnenblumenfelder und stillere Landstriche machen Umbrien zu einer guten Alternative für Reisende, die Ruhe suchen.

Hügelstadt in Umbrien mit Olivenhainen und Sonnenblumenfeldern
Umbrien – das grüne Herz Italiens mit ruhigen Landschaften und Hügelstädten wie Assisi.

Abruzzen

Abruzzen reicht von den Apenninen bis zur Adria und besteht zu einem großen Teil aus Naturschutzgebieten wie dem Gran Sasso oder dem Parco Nazionale della Maiella. Wanderer und Radfahrer finden hier stille Routen, etwa zur mittelalterlichen Abtei Santo Spirito oder entlang der Via Verde an der Trabocchi-Küste. Es gibt auch kleinere Übernachtungsmöglichkeiten wie Holzhütten im Parco della Maiella.

Le Marche

Le Marche bietet mit Orten wie Urbino eine kulturelle Alternative: die Stadt ist UNESCO-Weltkulturerbe und Geburtsort des Malers Raffael, dazu eine lebendige Kunstszene.

Lazio und Kampanien

Sogar in bekannteren Regionen lassen sich unentdeckte Ecken finden. Marie‑Louise Sciò, CEO von Pellicano Hotels, empfiehlt lokale Lokale und Strände abseits der bekannten Pfade. Als Alternative zu Capri nennt sie etwa die Insel Ischia mit dem Hotel Mezzatorre, Thermalquellen, Weingütern wie Casa d’Ambra und familiengeführten Restaurants.

Über die großen Städte hinausfahren

Kleine Orte zeigen oft eine unverstelltere Seite Italiens. Elizabeth Heath, die seit rund 15 Jahren in dem Umbrierdorf Allerona lebt, empfiehlt bewusst das Leben in Dörfern mit wenigen Hundert Einwohnern, um echte lokale Bräuche und Landwirtschaft kennenzulernen.

Kleines italienisches Dorf mit Steingebäuden und engen Gassen
Borghi più belli d’Italia: Dörfer wie Civita di Bagnoregio zeigen das authentische Italien.

Es gibt eine Organisation, die sich dem Schutz und der Förderung dieser Orte widmet: Borghi più belli d’Italia. Stand 2026 sind dort mehr als 360 Dörfer als besonders sehenswert ausgezeichnet worden. Beispiele, die häufig genannt werden, sind Civita di Bagnoregio – die sogenannte „sterbende Stadt“ auf einem Tufffelsen – sowie Tropea an der kalabrischen Küste und Maratea mit seinem historischen Zentrum und einer Christus-Statue hoch über der Stadt.

Alternativen zu überlaufenen Sehenswürdigkeiten

Natürlich müssen Sie das Kolosseum nicht auslassen. Wer aber die klassischen Hotspots entlasten möchte, findet in vielen Städten weniger bekannte, ebenso beeindruckende Orte.

In Rom nennt Sciò zum Beispiel Ostia Antica, die gut erreichbare antike Hafenstadt, die deutlich ruhiger als das Forum oder das Kolosseum sein kann. Ebenfalls lohnend ist das Palazzo Doria Pamphilj mit einer privaten Sammlung von Gemälden der Renaissance und barocken Prunkräumen.

Auch an der Amalfiküste und in Städten wie Mailand gibt es Privatvillen und Paläste, die heute für Besucher geöffnet sind – etwa die Gärten und Palazzi von Villa Rufolo und Villa Cimbrone oder die Villa Necchi Campiglio als Beispiel für Art‑Deco‑Wohnkultur. Viele dieser Orte werden vom Fondo Ambiente Italiano betreut.

Mit lokalen Veranstaltern unterwegs sein

Regionale Reiseanbieter bringen Besucher an Orte, die man allein kaum entdeckt, und vermitteln Einblicke in Handwerk, Küche und Alltag.

Ein Beispiel ist Villaggio Tours: 2023 gründeten Elizabeth Heath und ihr Mann Paolo Marchetti das Unternehmen, um Gästen das Leben in Allerona näherzubringen. Bei einwöchigen Programmen können Teilnehmer etwa Pilze sammeln, an der Olivenernte teilnehmen, Töpferkurse besuchen oder gemeinsam kochen. Die Betreiber haben zudem ein kleines Gästehaus in Allerona renoviert und bauen ihr Angebot langsam auf weitere Orte wie die Insel Giglio oder Plätze in den Dolomiten aus.

Stellavision Travel, von Zoe Shapiro in Rom gegründet, setzt auf kleine Gruppen und Ziele abseits der Klischees, etwa Apulien und die Äolischen Inseln. Die Reiseagentur legt zudem Wert auf inklusive Angebote und thematische Touren, etwa zu Frauen in der antiken Stadtgeschichte.

Imago Artis Travel, gegründet von Kunsthistorikern, organisiert kulturfokussierte Reisen und verschafft häufig Zugang zu exklusiven Orten – von archäologischen Stätten wie Nora auf Sardinien bis zu privaten Terrassen in Rom.

Auf Boutique-Hotels setzen

Kleine, familiengeführte Häuser liefern oft persönlichen Service und Insidertipps. Das Grand Hotel Excelsior Vittoria in Sorrent wurde 1834 eröffnet und befindet sich seit Generationen in Familienhand.

Sciò nennt als Beispiele das Chalet‑Hotel La Perla in den Dolomiten und das Hotel Corte della Maestà in Civita di Bagnoregio – Häuser mit viel Charakter und klarer Lageorientierung. Auch die kleinere Kollektion Collezione Em betreibt intime Häuser in Städten wie Venedig und Forte dei Marmi; in Florenz ist das Grand Hotel Minerva mit einem von Carlo Scarpa inspirierten Interieur und einer Dachterrasse beliebt.

In der Nebensaison fahren

Wer Menschenmengen meiden will, reist außerhalb der Hochsaison. November gilt in vielen Städten als besonders ruhiger Monat. Generell sind die Monate November bis März – vor allem Januar und Februar – deutlich weniger besucht. Viele Hotels senken ihre Preise, und Reservierungen werden leichter verfügbar.

Als Kompromiss zwischen gutem Wetter und moderatem Besucheraufkommen empfehlen Expertinnen die Schulterzeiten im Frühling und Herbst. Marie‑Louise Sciò nennt Mai sowie September und Oktober als ihre Favoriten. Für Küstenziele gilt: Die Badesaison in Süditalien erstreckt sich oft bis Mitte Oktober, sodass Meer und mildes Klima kombinierbar sind, wenn die Ferienstrom im Hochsommer abgeklungen ist.

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