Warum ich wohl nicht noch einmal auf das Oktoberfest gehe?

Warum ich wohl nicht noch einmal auf das Oktoberfest gehe?

Oktoberfest in München

Jetzt fängt sie wieder an, die „6. Jahreszeit“ – Oktoberfest. Mit Lederhosen und Dirndl „verkleidete“ Menschen strömen auf die Theresienwiese in München und lassen es sich bei besinnlicher Musik und gepflegtem Essen und Trinken richtig gut gehen. Warum ich wohl nicht noch einmal auf das größte Volksfest der Welt gehe?

Das Oktoberfest ist schuld: Die halbe Welt glaubt, die Farben der Deutschen Flagge sind blau-weiß kariert, die Hauptstadt ist München und alle Bürger sprechen unverständlichen bayerischen Akzent. Einmal im Jahr, Ende September verwandelt sich der 42 Hektar große Festplatz in München für 16 Tage in einen riesengroßen Jahrmarkt und fast die ganze Welt will da hin. Warum nur? Liegt es vielleicht an dem leckeren Bier, dass viel zu teuer in einem 1 Liter-Glas (auch Maß genannt, kostet so um die 8,80€ – 2013 um die 10€) ausgeschenkt wird und nach ein paar Schluck schal wird („Des Helle is ja ganz lack.“)? Oder vielleicht an der relaxten Musik, die von der Kapelle in den Festzelten gespielt wird und bei der alle die Texte nach dem ersten Takt auswendig grölen („Oans-zwoa-gsuffa“ oder „Ein Prosit auf die Gemütlichkeit“)? Vielleicht liegt es auch an der gemütlichen Atmosphäre in den Zelten, die irgendwann am Nachmittag wegen Überfüllung geschlossen werden müssen und der Nachbar, sofern er noch stehen kann, entweder auf dem Tisch steht oder spätestens um 14 Uhr mit dem Kopf auf dem selbigen liegt. Schließlich ist um 22.30 Uhr Schluss mit lustig, da bleibt nicht viel Zeit zum Trinken.

Augen auf bei der Damenwahl. Ob’s passt oder nicht, sagt verrät die Schleife am Dirndl.
Foto: jürgen heimerl / pixelio.de

Generell vergleiche ich das Oktoberfest mit der Karnevalszeit am Rhein. Auch hier verkleiden sich erwachsene Menschen und machen sich dann – werden sie erst mal losgelassen – zum „Obst“. Zwar sind es hier in der Regel richtige Kostüme, aber selbst meine Schwester hat sich bei eBay extra ein Dirndl gekauft, um auf dem Oktoberfest nicht als Tourist geoutet zu werden. Ist doch auch eine Art Verkleidung, wenn sich Menschen aus dem hohen Norden, wo Dirndl – zugegebener Maßen in unseren Regionen – so viel Tradition haben, wie Federweißer auf Mauritius? Wusstet ihr eigentlich, dass die Frauen, die die Schleife beim Dirndl auf der linken Seite tragen, noch zu haben sind? „Schleife links, Glück bringt’s!“ Damen, die die Schleife auf der rechten Seite tragen sind verheiratet. Sitzt die Schleife in der Mitte ist die Frau noch Jungfrau, und hat die Dame die Schleife auf dem Rücken, ist es die Kellnerin… Also Männer, Augen auf bei der Jagd.

Ich selbst war vor ein paar Jahren mal auf dem Oktoberfest. Mein damaliger Chef Andreas hat mir vorher erklärt, wie das auf dem Oktoberfest so abläuft: „Nie das Glas ganz austrinken, unten sammelt sich das Gift (?) des Bieres und das macht Kopfschmerzen!“ Aha! Nun ja, heute weiß ich, dass es einen anderen Grund für die Kopfschmerzen gibt. Wer erst mal ein paar Maß austrinkt, und dann in schneller Reihenfolge einige Marillenschnäpse inhaliert, der braucht sich über das „Gift“ im Bier nicht wundern. Und schon gar nicht, wenn im Vollrausch dann der Schnaps in die Biergläser gemischt wird. Doppelt hält besser.

Sobald sich nach ein paar Getränken der natürliche „Bierkreislauf“ einstellt, ist Wandern und Suchen angesagt. Auf der Suche nach der nächsten Toilette klettert man dann über die, die inzwischen mit dem Kopf vom Tisch auf den Boden gerutscht sind aber immer noch genug Kraft haben, die nächste Maß bei der Kellnerin zu bestellen. „Hinterm Bierzelt holts wiada fui Rauschade.“ Übersetzt: Viele Besoffene treffen sich wieder hinterm Zelt. Eigentlich gibt es reichlich Toiletten auf der Wies‘n, aber auf dem Oktoberfest ist alles erlaubt und der Weg zum Klo ist sowieso viel zu lang. Also „bieseln“ die meisten Männer – und auch Frauen – einfach dahin, wo Platz ist. Hat man – sofern noch bei Verstand – die Dame seines Herzens mit der Dirndlschleife am richtigen Platz gefunden, kann ich nur dringend empfehlen, sich nicht voller Wollust ins Gras hinter die Zelte zu werfen.

Die Einzigen, die sich richtig auf das Oktoberfest freuen, sind die Hotels im Umkreis der Stadt, die zur Festzeit die Preise ordentlich anheben. Schließlich ist die Welt zu Gast bei Freunden und da kann man ruhig mal ein wenig mehr für eine Übernachtung im Hotel hinblättern. Was ist schon Geld, wenn die Party stimmt?

Ach, wenn ich das alles so, lese frage ich mich, warum ich eigentlich nicht wieder auf das Oktoberfest möchte? Warum geht ihr hin?

Foto: Alexander Hauk / bayern-nachrichten.de / pixelio.de


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