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Die Kreideküsten von Dänemark gehören zu den überraschenden Naturschönheiten Nordeuropas: Auf den Inseln Møn und Seeland formen steile, weiße Klippen ein einzigartiges Landschaftsbild. Wer Geologie, Wanderungen und stille Aussichtspunkte schätzt, findet hier zugleich spektakuläre Natur und überraschende kulturelle Spuren.
Møns Klint: geologische Bühne und Wanderparadies
Møns Klint ist ein geschütztes Naturreservat auf der Insel Møn. Die strahlend weiße Kreide besteht aus winzigen Schalen fossiler Algen, die sich im Verlauf des Kreidezeitalters über Millionen von Jahren ablagerten.
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Die sichtbaren Schichten sind das Ergebnis von Ablagerung und anschließender Erosion. Regelmäßiger Kontakt mit Meerwasser setzt neue Flächen frei und erhält so die charakteristische weiße Farbe. Erosion sorgt aber auch für gelegentliche Felsabbrüche; 2007 etwa entstand entlang der Nordseite eine mehrere hundert Meter lange Landzunge durch einen solchen Erdrutsch.
Wandern und Strand
Vom Besucherzentrum aus starten mehrere Wege entlang der Klippen. Es gibt Treppen hinunter zum Strand — insgesamt rund 500 Stufen müssen bewältigt werden, weil die Höhenlage mehr als 100 Meter beträgt. Unterwegs laden Bänke zu Pausen ein.

Achtung: Der Strand ist schmal und bei bestimmten Gezeiten nicht immer zugänglich. Information zum Gezeitenstand und zur Sicherheit erhalten Sie vor Ort im GeoCenter.
Klinteskoven und Liselund
Hinter den Klippen breitet sich die Buchenwald-Fläche Klinteskoven aus. Hier liegt mit dem Aborrebjerg der höchste Punkt der Insel auf 143 Metern. Die kalkhaltigen Böden begünstigen eine ungewöhnlich artenreiche Flora: Im Wald kommen bis zu 20 seltene Orchideenarten vor. Aus Naturschutzgründen ist das Pflücken verboten.
Nordwestlich der Klippen liegt der historische Garten von Liselund. Der im späten 18. Jahrhundert angelegte Park mit dem neoklassizistischen Landhaus, zwei Pavillons im Stil norwegischer und schweizerischer Architektur sowie einem chinesischen Teepavillon lädt zu gemütlichen Spaziergängen ein. Der Park ist ganzjährig frei zugänglich; das Innere des Schlosses ist in der Regel nur bei Führungen von Anfang Mai bis Ende September zu besichtigen.
GeoCenter Møns Klint
Das GeoCenter, eröffnet 2007, ist ein modernes Besucherzentrum mit interaktiven Ausstellungen zur Entstehung der dänischen Landschaft vor rund 70 Millionen Jahren. Ein 3D-Film über Dinosaurier und urzeitliche Meeresbewohner ergänzt die Ausstellungen.

Architektonisch auffällig ist, dass ein Großteil des Museums unterirdisch angelegt wurde — ein bewusster Versuch, die unterirdischen geologischen Schichten zu thematisieren. Für Familien gibt es spezielle Mitmachangebote und einen Spielplatz.
Tierwelt und Pflanzen
Die Gegend ist auch ornithologisch interessant: Die Wanderfalken sind hier wieder heimisch geworden. Diese Vögel erreichen im Sturzflug Geschwindigkeiten von weit über 300 km/h und gehören zu den schnellsten Lebewesen der Erde.
Darüber hinaus finden Naturbeobachter in den Uferbereichen seltene Pflanzen und Schmetterlinge, zum Beispiel eine seltene Orchidee und den sogenannten Thymian-Bläuling. Die besondere Geologie schafft Nischen für spezialisierte Arten.
Stevns Klint: UNESCO-Welterbe und Erdgeschichte
Stevns Klint auf Seeland ist zwar niedriger als Møns Klint (rund 40 Meter), erstreckt sich dafür aber über eine deutlich längere Küstenlinie (etwa 15 Kilometer). Seit 2014 gehört der Abschnitt zum UNESCO-Welterbe — Grund ist ein klarer geologischer Beleg für das Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren.
Bei Untersuchungen der Gesteinsschichten entdeckten Geologen ungewöhnlich hohe Konzentrationen des Elements Iridium. Dieses seltene Element ist auf der Erde kaum vorhanden, kommt aber in Meteoriten vor. Die Theorie, wonach ein Asteroid-Einschlag das Aussterben der Dinosaurier auslöste, wurde schließlich 1992 durch den Nachweis eines riesigen Einschlagskraters auf der Halbinsel Yucatán bestätigt.
Wandern entlang der Klippen
Die lange Küste macht Stevns Klint zu einem hervorragenden Wandergebiet. Ausgangspunkt für viele Touren ist der Ort Rødvig; dort beginnen sowohl kürzere Spaziergänge als auch mehrtägige Wanderungen.
- Highlights: GeoCenter Møns Klint, der Park Liselund und die Højerup-Kirche bei Stevns.
Højerup Kirke
Die Kirche von Højerup stammt aus dem 13. Jahrhundert und steht sehr dicht am Klippenrand. Über die Jahrhunderte hat das Meer zunehmend Gelände unter der Kirche weggerissen; ab 1910 wurde der Gottesdienst in eine neue Kirche verlegt, weil die Lage zu unsicher geworden war.
Etwa 18 Jahre später stürzte ein Teil des Chors mitsamt dem Friedhof ins Meer. Heute ist das historische Gebäude gegen weitere Erosion gesichert und ein Aussichtsbalkon ermöglicht den Blick über die Klippen. Jährlich geben sich dort rund 150 Paare das Jawort. Besuche sind üblicherweise täglich von 10 bis 17 Uhr von Ostern bis Ende Oktober möglich.
Stevnsfort: Kalter Krieg unter der Kreide
In den frühen Jahren des Kalten Krieges ließ Dänemark am Stevns-Klippenabschnitt ein geheimes, unterirdisches Fort bauen. Ziel war der Schutz des Öresunds gegen mögliche Angriffe aus dem Osten. Der Stützpunkt blieb bis zum Jahr 2000 in Betrieb.
Der Komplex umfasste rund 1,5 Kilometer Tunnel in etwa 20 Metern Tiefe. Seit 2008 kann das Fort als Museum im Rahmen von Führungen besucht werden. Die Führungen dauern in der Regel etwa anderthalb Stunden; die Temperatur in den Gängen liegt konstant bei etwa 10 °C, wärmere Kleidung ist empfehlenswert. Die Saison für Besichtigungen reicht meist von Mitte Februar bis Mitte Dezember.
Anreise
Mit dem Auto erreicht man Møns Klint von Kopenhagen in etwa zwei Stunden; nach Stevns Klint sind es ungefähr eine Stunde. Daher eignet sich Stevns besonders für einen Tagesausflug aus der Hauptstadt, während ein Besuch auf Møn mehr Zeit erfordert.
Öffentliche Verkehrsmittel sind möglich, aber langsamer: Für Stevns sind Bahn- und Busverbindungen aus Kopenhagen kombiniert in rund 1 Stunde 45 Minuten erreichbar, für Møns muss man mit mindestens 2 Stunden 45 Minuten rechnen. Routenplanung und Tickets lassen sich über lokale Auskunftsdienste wie Rejseplanen organisieren.
Übernachtung und beste Reisezeit
Wer Ruhe und besondere Lichtstimmungen erleben möchte, sollte mindestens eine Nacht in der Nähe bleiben. Empfehlenswerte Unterkünfte sind zum Beispiel das Gästehaus Tiendegaarden bei Møns Klint oder das Klintholm Bed & Breakfast. Bei Stevns bieten sich das Rødvig Kro & Badehotel sowie kleine Bed-&-Breakfast-Betriebe an.
Die angenehmste Zeit für einen Besuch ist späte Frühjahr bis Sommer — insbesondere Juni bis August bieten das wärmste Wetter und lange Tage. Gleichzeitig sind diese Monate am stärksten frequentiert; rechtzeitige Planung und Unterkunftsreservierung sind daher ratsam.












