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Auf der kroatischen Insel Krk verläuft seit 2019 ein 152 Kilometer langer Wanderweg, der sich als lokaler „Jakobsweg“ versteht und in sieben Etappen aufgeteilt ist. Er führt zu stillen Kapellen, Buchten und Weinbergen – verbindet aber nicht Santiago de Compostela, das klassische Ziel der europäischen Pilgerwege.
Waldkapelle als Sinnbild
Tief im Eichenwald taucht die kleine Kirche Sveti Krševan plötzlich aus dem Grün auf. Mauerwerk aus Bruchstein, Moose in den Fugen und vereinzelte Votivgaben im Inneren schaffen eine fast meditative Atmosphäre.
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Vor der Holztür knirscht der Kies, schwaches Licht fällt durch schmale Fenster. Pilger hinterlassen Rosenkränze, Heiligenbildchen und handgeschriebene Zettel. Draußen bieten einfache Bänke eine Gelegenheit zum Ausruhen, bevor es weitergeht – stets den gelben Pfeilen folgend.
Entstehung und Konzept
Der als Camino Krk vermarktete Weg orientiert sich optisch am spanischen Vorbild: Jakobsmuschel- und Pfeilsymbole, ein Pilgerausweis mit Stempeln und am Ende ein Diplom. Initiatoren legten die Route 2019 fest, nicht auf Basis historischer Pilgerpfade, sondern um die landschaftlichen Höhepunkte der Insel zu verknüpfen.
Historisch mag es Pilger von Krk gegeben haben; der heutige Verlauf ist jedoch ein touristisches Netz, das Inselorte, Strände und Kirchen miteinander verbindet.
Wer geht den Weg – und wie viele?
Im Fremdenverkehrsamt der Stadt Krk sind Pilgerpass und Abschlussurkunde kostenlos erhältlich. Dort nennt Sanja Polonijo die Bilanz: Im vergangenen Jahr wurden 1003 Diplome ausgestellt.
Im Vergleich dazu meldet Santiago de Compostela jährlich deutlich höhere Zahlen; dort waren es zuletzt weit über eine halbe Million beurkundete Ankünfte. Die Insel weist eine starke katholische Prägung auf: Führerin Danijela Martić schätzt den Anteil der Katholiken auf mehr als 90 Prozent.
Landschaft, Etappen und Monumente
Der Weg startet in Krk-Stadt, schlängelt sich durch enge Gassen am Hafen vorbei und führt weiter zu Kiesstränden wie in Malinska und Baška, durch felsiges Bergland und die Weinlagen von Vrbnik. Viele Pilger beschreiben es so, als lerne man mehrere Inseln auf einmal kennen.

Insgesamt summieren sich die Anstiege auf 7.651 Höhenmeter. Besonders anspruchsvoll sind die letzten beiden Etappen von Vrbnik nach Kornić. Unterwegs stehen Ruinen, kleine Kapellen und Heiligtümer wie die Kirchen Sveti Lucija, Sveti Dunata oder das Marienheiligtum Gorička.
Die Inselflora ist reich: Salbei, Fenchel, Stechwacholder und Strohblumen prägen weite Abschnitte. Historische Spuren reichen bis in römische Küstenwächterzeiten zurück, etwa bei einer kleinen Kapelle nördlich in Mirine.
Warum es nicht dem klassischen Pilgerbild entspricht
Der wichtigste Unterschied zum traditionellen Jakobsweg: Auf Krk fehlen Pilgerherbergen, die unterwegs als Begegnungs- und Informationsorte dienen. Stattdessen wählen viele Teilnehmende feste Quartiere und lassen sich per Transfer zum jeweiligen Etappenstart bringen.
Nikola Radovčić, der die Abschnitte markiert hat, beschreibt dieses praktische Wanderformat: Tagesetappen mit Unterkunftswechsel per Fahrzeug sind üblich. Für Reisende, die das klassische, schrittweise Pilgererlebnis suchen, bietet das nur begrenzt Austauschmöglichkeiten.
Auch die Streckenführung ist bewusst als Rundweg im Uhrzeigersinn angelegt und endet im Inland an der Jakobskirche von Kornić. Eine Hinweistafel zeigt zwar, wie man die acht Kilometer zurück nach Krk-Stadt bewältigt, doch diese Strecke gehört nicht mehr zum offiziell ausgewiesenen Camino.
Für wen sich der Weg eignet
Trotz aller Einschränkungen ist der Camino Krk eine reizvolle Fernwanderung für Menschen, die Ruhe, abwechslungsreiche Küstenlandschaften und Kulturdenkmäler kombinieren möchten. Die Route eignet sich für erfahrene Wanderer mit Ausdauer, bietet aber keine traditionelle Pilgerinfrastruktur.
Wer unverstellte Buchten, Olivenhaine und versteckte Kirchen sucht, findet auf Krk reichlich Belohnung. Wer dagegen das Gemeinschaftsgefühl klassischer Pilgerrouten erwartet, wird Unterschiede deutlich spüren.
Praktische Hinweise
Reiseziel: Krk liegt in der Kvarner-Bucht südöstlich von Rijeka. Die Insel ist rund 410 Quadratkilometer groß und über eine gebührenfreie Brücke mit dem Festland verbunden.
Anreise: Alternativ zum Auto bieten sich Flüge nach Zagreb oder nach Rijeka an; der Flughafen Rijeka liegt auf der Insel Krk. Von dort empfiehlt sich ein Mietwagen.
Beste Reisezeit: März bis Juni sowie September bis November. Im Sommer ist es heiß und stark besucht; viele Unterkünfte schließen im Winter.
Wegdaten: Der Camino umfasst sieben Etappen zwischen etwa 19 und etwas über 23 Kilometern. Es gibt offiziell 27 Stempelstationen, wobei manche Stempel defekt oder nicht mehr vorhanden sind (siehe caminocroatia.com/camino-krk). Weitere Informationen bietet die Touristenseite krk.hr/de.











