66 kuriose Stationen entlang der Route 66 – vom Ur‑Motel bis zur Art‑déco‑Tankstelle

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Die Route 66 feiert ihr hundertjähriges Bestehen – und ist größtenteils noch befahrbar. Die historische Fernstraße verbindet Chicago mit Santa Monica, führt durch weite Landschaften und zu eigenwilligen Attraktionen, von Diners über Mumienstädte bis zum Friseur, der als einer der Retter der Straße gilt.

Entstehung, Bedeutungen, Erhalt

1926 erhielt die berühmte Verbindung zwischen Ost und Pazifik offiziell die Nummer: die heute legendäre Route 66. Auf rund 2.500 Meilen (etwa 4.000 Kilometern) schlängelte sie sich einst einspurig quer durch acht US-Bundesstaaten und über drei Zeitzonen von Chicago bis Santa Monica.

Schon früh wurde die Strecke romantisiert: Diners, Tankstellen und Motels mit auffälliger Architektur, dazu das Gefühl von Wildwest und Weite, machten sie zur Ikone. John Steinbeck nannte sie 1939 in „Früchte des Zorns“ die „Mutter aller Straßen“.

Mit dem Ausbau der modernen Interstates verlor die 66 aber an Bedeutung und verschwand 1985 formal aus vielen Karten. Doch Enthusiasten blieben: In zahlreichen Bundesstaaten gründeten sich Route‑66‑Vereine, die Teilstrecken pflegen und als „State Historic Route“ schützen. Heute sind etwa 85 Prozent der alten Trasse noch befahrbar – genug für eine nostalgische Zeitreise quer durch Amerika.

66 Stationen von Ost nach West (Auswahl)

1. Start in Chicago: Das unscheinbare Startschild in der East Adams Street ist trotzdem Ritual für Viele. Wer die komplette Strecke fahren will, sollte mit mindestens zwei, besser drei Wochen planen.

2. Lou Mitchell’s in Chicago gilt als klassisches Diner für den Roadtrip-Beginn – die Pancakes dort sind legendär und das Lokal ist sogar älter als die Route selbst.

3. Das Joliet Prison, im Schlossstil erbaut, diente als Kulisse für Filme und Serien wie „Prison Break“ und beherbergt heute ein Museum.

4. In Pontiac erinnert das Route 66 Museum an Künstler wie Bob Waldmire (1945–2009), der die Mother Road auf Karten und Illustrationen verewigte.

5. In Springfield/Illinois wurde 1946 der „Cozy Dog“ erfunden: frittiertes Würstchen im Teigmantel, serviert am Spieß – einer der ersten Fast‑Food‑Stops an der Strecke.

6. Springfield verbindet die Route mit Abraham Lincoln: Zwar wurde er nicht hier geboren, doch lebte er 24 Jahre in der Stadt; Spuren seiner Zeit finden sich in der Presidential Library & Museum.

7. Wer Kalorien nicht scheut, probiert das gigantische Horseshoe Sandwich im „Route 66 Motorheads Bar and Grill“ in Springfield – ein Riesenberg aus Fleisch, Pommes und Käse.

8. Das „Ariston Café“ in Litchfield besteht seit 1924 und gehört zu den ältesten durchgehend betriebenen Restaurants an der 66, mit gehobener Ausrichtung und Tischservice.

9. Kurz vor Auburn rumpelt das Auto auf einem erhaltenen Pflasterstück: 1931 wurden hier Backsteine von Hand verlegt; rund 2,3 Kilometer sind noch denkmalgeschützt.

10. Bei Collinsville ragt eine überdimensionale Ketchup‑Flasche in den Himmel: rund 21 Meter hoch, auf einem 30‑Meter-Sockel – einst Wasserturm der „Brooks Catsup“-Fabrik von 1949, heute Fotostopp.

11. In St. Louis markiert der 192 Meter hohe Gateway Arch den Aufbruch in den Westen. Besucher können per Fahrstuhl zur Aussichtsplattform fahren.

12. Ted Drewes in der Chippewa Street (Hausnummer 6726) verkauft seit 1941 Frozen Custard – im Sommer meist mit Schlange vorm Laden.

13. Das National Museum of Transportation in St. Louis zeigt rund 200 Oldtimer, darunter einen ungewöhnlichen Chrysler Turbine Car von 1963.

14. Die Meramec Caverns nahe Stanton sind deutlich älter als die Straße: ihre Entstehung reicht hunderte Millionen Jahre zurück.

15. Das „Wagon Wheel Motel“ in Cuba/Missouri wirbt damit, seit 1935 ununterbrochen in Betrieb zu sein.

16. Uranus (ausgesprochen „Your Anus“) ist ein humorvoll-provokanter Zwischenstopp mit Fudge‑Shop und doppeldeutigen Souvenirs – Marketing und Kalauer zugleich.

17. Das Best Western „Route 66 Rail Haven“ in Springfield/Missouri inszeniert die 50er‑Jahre mit Oldtimern, Zapfsäulen und einer Elvis‑Suite; dem King wird ein Besuch 1956 zugeschrieben.

18. Springfield gilt als Geburtsort des Namens „Route 66“: Am 30. April 1926 wurde die Nummer hier bei einem Treffen von Highway‑Planern offiziell vergeben – ein Telegramm an das Bureau of Public Roads in Washington D.C. belegt den Vorgang.

19. Hinter einer ehemaligen Tankstelle betreibt Phyllis Ferguson das nostalgische Motel „Rockwood Motor Court“ mit Schaukel auf der Veranda und Gartenzwergen.

20. Red Oak II, nahe Carthage, ist eine Rekonstruktion eines Geisterdorfs: der Künstler Lowell Davis versetzte dort historische Gebäude vom Originalstandort – das Areal ist Privatbesitz, Besucher sollen auf den Wegen bleiben.

21. Das 1939 erbaute „Boots Court Motel“ in Carthage leuchtet nachts in Neonrot und Grün und zeigt Streamline‑Design aus der Ära.

22. „Supertam on 66“ in Carterville verbindet Eisdiele und Superman‑Kitsch – schrill, bunt und nostalgisch.

23. Nur 13 Meilen der 66 verlaufen durch Kansas – dennoch gibt es hier lohnende Stopps, die zum Verweilen zwingen.

24. In Galena steht ein rostiger Abschleppwagen vor der restaurierten Tankstelle „Cars on the Route“ – eine Inspiration für den Animationsfilm „Cars“.

25. „Gearhead Curios“ in Galena, ursprünglich eine Texaco‑Tankstelle von 1939, ist voll skurriler Fundstücke; die aus Autoteilen gebaute Toilette ist besonders kurios.

26. Dean Walker, alias „Crazy Legs“, ist im Baxter Springs Visitors Center durch seine ungewöhnlichen Auftritte bekannt und fungiert als prall gefülltes Lexikon zur Kansas‑Etappe der Route 66.

27. Im „Dairy King“ in Commerce werden Cookies als Route‑66‑Logo gebacken und mit „US 66“ beschriftet – handgemachte Andenken an die Straße.

28. Das Coleman Theatre in Miami/Oklahoma stand einst vor dem Abriss; Anwohner retteten das Haus im spanischen Kolonialstil, heute finden wieder Vorstellungen statt.

29. Das Will Rogers Memorial Museum in Claremore erinnert an den Schauspieler, Autor und Cowboy Will Rogers und zeigt Filme sowie eine umfangreiche Sattelsammlung.

30. Hugh Davis baute 1972 den Blue Whale of Catoosa als skurrilen Badesteg und Geburtstaggeschenk für seine Frau; das Monument wird derzeit restauriert.

31. Vor dem „Cosmic Curios on 66“ in Tulsa grüßt der sechs Meter hohe Space Cowboy Buck Atom – eine fotogene Werbefigur.

32. Tulsa beherbergt zwei Musikmuseen dicht beieinander: das Woody Guthrie Center und das Bob Dylan Center, die jeweils Leben und Werk der Künstler zeigen.

33. Die runde Round Barn in Arcadia stammt aus 1898: Ihr Entwurf sollte stürmischen Winden trotzen – und steht noch heute.

34. „Pops 66“ in Arcadia feiert die bunte Welt der Soda‑Flaschen: die Sammlung umfasst Flaschen in über 700 Farben und Sorten.

35. In Oklahoma City beleuchtet das First Americans Museum Geschichte und Kultur der indigenen Völker Nordamerikas sowie das Leid durch Kolonialisierung.

36. In Erick trifft man auf Kauz‑Persönlichkeiten wie Harley Russell, der in seinem „Sandhill Curiosity Shop“ zwischen Trödel und Musikinstrumenten Gitarre spielt.

37. Das „U‑Drop Inn“ in Shamrock besticht durch seltene Art‑Deco‑Elemente: glaserte Keramikfliesen und eine stilisierte Tulpe prägen die Fassade.

38. Im Devil’s Rope Museum in McLean wird dem Stacheldraht gehuldigt – eine merkwürdige, aber passende Hommage an ein wichtiges Nutzmaterial der Region.

39. Amarillo atmet Route‑66‑Spirit – besonders im Downtown Historic District, wo sich das Flair der Straße konzentriert.

40. Die „Big Texan Steak Ranch“ stellt eine Essens‑Mutprobe: 72 Unzen (gut zwei Kilo) Steak plus Beilagen müssen in einer Stunde verzehrt werden; bei Erfolg ist das Gericht gratis (Kostenpunkt: 72 Dollar). Die Erfolgsquote liegt laut Lokalangaben bei rund zwölf Prozent.

41. Der Palo Duro Canyon südlich von Amarillo ist weniger bekannt als der Grand Canyon, aber mit der zweitgrößten Schlucht der USA eindrucksvoll.

42. Bei der Cadillac Ranch stecken zehn Cadillacs mit den Schnauzen im Boden – ein farbenfrohes, immer wieder neu gespraytes Kunstwerk westlich von Amarillo.

43. Vega gehört zu den skurrileren Etappen: hier gibt es Militärfahrzeug‑Cruises, begehbare Windradflügel und Süßigkeitenläden wie „Mama Jo’s“.

44. Das „Midpoint Café“ in Adrian markiert den geografischen Mittelpunkt der ursprünglichen Strecke: 1.139 Meilen zu beiden damaligen Endpunkten.

45. Glenrio an der Grenze Texas/New Mexico ist heute weitgehend verlassen; einst gab es Motel, Tankstelle, Post und sogar eine Zeitung – die letzte Ausgabe der „Glenrio Tribune“ erschien 1934.

46. Tucumcari bietet nostalgische Motels mit Neon‑Schildern, vom 1939er Blue Swallow bis zum 1959er Motel Safari.

47. In Tucumcari können Zugenthusiasten im Railroad Museum Loksimulatoren und alte Uniformen sehen – Personenzüge fahren dort seit 1968 nicht mehr.

48. Der Santa Fe Loop ist ein panoramareicher Umweg: Bis 1937 führte die 66 über Santa Fe (rund 2.000 Meter hoch); heute lockt die Stadt mit kolonialspanischer Architektur und einer lebendigen Kunstszene mit Dutzenden Galerien.

49. Albuquerque wurde durch die Serie „Breaking Bad“ zu einem Pilgerort für Fans; die Stadt verbindet Lehmziegel‑Architektur mit mexikanischem Flair.

50. Das Hotel „El Rancho“ in Gallup gilt als Legende des Wilden Westens – Gäste reichten von John Wayne bis Katharine Hepburn.

51. Im Petrified Forest National Park erinnern versteinere Holzreste an üppige Vegetation vor rund 200 Millionen Jahren.

52. Die 15 Wigwam‑Zelte in Holbrook sind aus Beton gebaut (1950) und bieten Retro‑Charme ohne nächtliche Fröste.

53. Das Jack Rabbit Trading Post bei Joseph City wirbt seit 1949 mit gelben Schildern und der Hasensilhouette – ein klassischer Souvenirstopp.

54. Winslow wurde durch die Zeile „Standin’ on a corner in Winslow, Arizona“ aus dem Eagles‑Song „Take It Easy“ weltbekannt; 1999 eröffnete dort der entsprechende Park.

55. Der Meteor Crater in Arizona ist ein überwältigendes Zeugnis eines Meteoriteneinschlags vor Zehntausenden von Jahren; die Dimensionen sind aus einer Aussichtsplattform besonders eindrücklich.

56. In Flagstaff war der erste Muffler Man eine sechs Meter hohe Fiberglasfigur – solche Riesenwerbefiguren prägten die Sixties, viele sind inzwischen verloren.

57. Williams gilt als Tor zum Grand Canyon: Von hier fahren täglich Züge in die Schlucht, und das Städtchen selbst bietet Wildwest‑Ambiente.

58. Angel Delgadillo, geboren 1927, ist Friseur in Seligman und gilt als einer der wichtigsten Retter der Route 66. In den 1980er‑Jahren setzte er sich für den Erhalt der Mother Road ein; sein Barbershop ist heute Museum und Souvenirladen.

59. Der Sitgreaves Pass in den Black Mountains bietet in jeder Kurve spektakuläre Ausblicke auf ehemalige Goldminen und karge Wüstenlandschaft.

60. In der Mojave‑Wüste kündigt das ikonische „Roy’s“-Schild den Stopp in Amboy an: Tankstelle, Motel und Museum im Mini‑Format.

61. Das „Bagdad Café“ bei Newberry Springs wurde 1987 durch die deutsche Filmproduktion „Out of Rosenheim“ (mit Marianne Sägebrecht) berühmt; seither pilgern Fans dorthin.

62. Zur Jubiläumszeit treten zwei ältere Damen als „Miss Route 66“ auf: Marcie Winfrey und Karla Claus sind regelmäßig im Bagdad Café und im nahegelegenen „The Barn“ zu sehen.

63. Elmer Long sammelte als Kind Flaschen und schuf später bei Oro Grande das Bottle Tree Ranch – ein Wald aus Metallbäumen, bestückt mit Glasflaschen.

64. In San Bernardino eröffnete 1940 die „McDonald Brothers Burger Bar Drive‑in“ – Vorläufer der späteren Kette. An der Stelle befindet sich heute ein privates Historic McDonald’s Museum mit alten Menüs und Memorabilia.

65. In Los Angeles weisen Schilder mit „Historic Route 66“ den Weg: die historische Trasse berührt Chinatown, Hollywood und Beverly Hills. Zeitplanung ist wichtig – L.A. ist eine Autostadt und oft verstopft.

66. Das offizielle Ende der historischen Strecke lag einst an der Ecke Lincoln/Olympic in Santa Monica; viele Nostalgiker bevorzugen jedoch das große Schild auf dem Pier mit der Aufschrift „Santa Monica, 66, End of the Trail“ (seit 2009), das täglich von Fotografen besucht wird – historisch nicht exakt, aber ikonisch vor Pazifik‑Kulisse.

Warum die Straße heute noch reizt

Die Route 66 ist mehr als ein Weg von A nach B: Sie ist ein Kulturphänomen, ein offenes Museum amerikanischer Alltagsgeschichte und ein Versprechen auf Entdeckungen. Wer die Trasse fährt, trifft auf historische Architektur, schräge Kirmes‑Exponate, kulinarische Exzesse und engagierte Menschen, die lokale Identität bewahren.

Für Roadtripper ist die 66 ein Kompendium aus Nostalgie und Abenteuern: gut erhaltene Abschnitte, Museen und Vereine halten die Erinnerung lebendig. Und an Orten wie Seligman erinnert der Einsatz Einzelner daran, wie Bürgerinitiativen Kulturgüter retten können.

Kategorien USA

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