Alaska per Schiff: Darum lohnt sich die Reise übers Wasser

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Bunte, oft rätselhafte Totempfähle ragen zwischen Regenwald und Fjorden auf — und sind am sinnvollsten per Schiff zu erreichen. Eine Kreuzfahrt entlang der Küste von Alaska bis British Columbia verbindet das kulturelle Erbe der First Nations mit spektakulärer Wildnis.

Sitka: Eine Stadt, die viel Fläche, aber wenige Menschen hat

Was nach einer Stadtidylle klingt, überrascht: Sitka gilt flächenmäßig als eine der größten Städte der USA, hat aber nur rund 8.500 Einwohner. Auf mehr als 12.400 Quadratkilometern erstreckt sich das Gebiet — nahezu so groß wie das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein.

Die Siedlung liegt am Meer, umgeben von feuchtem Regenwald und Bergen. Der markante Hausberg ist der fast 1.000 Meter hohe Vulkan Mount Edgecumbe; am Hafen prägen Fischkutter und Ausflugsboote das Bild. Die orthodoxe Sankt-Michaels-Kathedrale mit ihren Zwiebeltürmen erinnert an die russische Präsenz: Sitka hieß einst Neu-Archangelsk und war Hauptstadt von Russisch-Alaska, bevor das Gebiet 1867 an die USA verkauft wurde.

Was Totempfähle bedeuten

Totempfähle sind zentrale Identitätszeichen der indigenen Völker im Nordwesten Amerikas. In Sitka und weiteren Orten an der Küste — etwa Hoonah, Skagway und Ketchikan — stehen solche Pfähle in öffentlichen Gedenkparks; im Waldpark von Sitka ragen rund 20 Exemplare empor.

Spirituell, aber nicht religiös

Wichtig zu wissen: Totempfähle stehen nicht für Tod oder Gewalt. Sie sind keine Marterinstrumente, sondern stehen für Zugehörigkeit, Erinnerungen und Ereignisse. Der ursprüngliche Begriff „Ototeman“ bezeichnete Verwandtschaftsverhältnisse; Sprachwandel führte später zur Bezeichnung „Totem“. Als Monumente markieren Pfähle besondere Anlässe, Familienlinien oder Feiern.

Gelegentlich sind die Pfähle im Freien nur einige Jahrzehnte haltbar. Sie werden meist aus widerstandsfähigem Stammholz wie Riesen-Lebensbaum und Fichte geschnitzt, erreichen oft acht bis 18 Meter Höhe und sind mehrere Meter im Erdreich verankert. Witterung und Frost greifen das Holz an; beschädigte Pfähle werden manchmal durch originalgetreue Repliken ersetzt.

Tiere, Mythen und die Rolle des Raben

Tiermotive dominieren viele Totempfähle. Bären, Adler, Biber, Orcas oder menschenähnliche Gestalten stehen für Ahnen, Schutzgeister oder Stammeszugehörigkeit. Diese Figuren sind nicht nur Dekor, sondern Ausdruck einer engen spirituellen Verbindung zwischen Menschen und ihrer Umwelt.

Eine besondere Stellung nimmt der Rabe ein: Bei Völkern wie den Tlingit und Haida gilt er oft als Schöpfergestalt, die in Mythen Licht, Sonne und Wasser in die Welt brachte. Zugleich erscheint der Vogel in Erzählungen als listiger Gestalter mit ambivalentem Charakter.

Reise auf dem Wasser: Warum es kaum Straßen gibt

Im Südosten Alaskas existiert kein durchgehendes Straßennetz — deshalb sind viele Orte nur per Schiff oder Flugzeug erreichbar. Die abgelegene Landeshauptstadt Juneau ist ein Beispiel: sie ist nicht über Straßen mit dem Rest Alaskas verbunden.

Die Schifffahrt entlang der Küste hat deshalb Tradition. Die Route von Anchorage bis Vancouver, durch die sogenannte Inside Passage, zählt zu den Klassikern im Kreuzfahrtgeschäft. Reisefirmen und Häfen bedienen jährlich viele Hunderttausend Passagiere; Branchenvertreter schätzen die Zahl der Reisenden in dieser Region auf rund 1,6 Millionen pro Saison.

Ein Beispiel aus der Praxis: Das Kreuzfahrtschiff „Riviera“ von Oceania Cruises ist für diese Gewässer registriert, bietet Platz für bis zu 1.250 Gäste und verkehrte vor 2025 vor allem im Mittelmeer. Startpunkt für manche Totem-Touren ist Anchorage bzw. der nahegelegene Einschiffungshafen Whittier.

Stationen der Totem-Tour: Hoonah, Skagway, Ketchikan und Vancouver

Hoonah gilt als wichtigste Tlingit-Siedlung in Alaska; Kreuzfahrtschiffe legen hier häufig in der Nähe an, bei Icy Strait Point, wo inzwischen touristische Attraktionen wie Seilbahnen und Ziplines existieren. Skagway dagegen wirkt mit seinen Holzhäusern wie ein Relikt aus der Goldgräberzeit.

Ketchikan wirbt mit dem Beinamen „Totem-Hauptstadt der Welt“ und ist zudem wirtschaftlich stark vom Lachsfang geprägt. Im Creek District stehen Holzhäuser auf Stelzen, und das ehemalige Bordell von Dolly Arthur ist heute ein Museum. Die größeren Totem-Parks außerhalb der Stadt sind der Saxman Totem Park und der Totem Bight State Park.

Zum Ende der Route wechselt die Landschaft nach British Columbia. Prince Rupert hat den Ruf, besonders regenreiche Monate zu kennen — Einheimische sprechen scherzhaft von „liquid sunshine“, flüssigem Sonnenschein. In Vancouver schließlich findet man die bekanntesten Totempfähle der Reise im Stanley Park, unweit des Stadtzentrums.

Ein anderes Wahrzeichen Vancouvers ist die dampfbetriebene Gastown Steam Clock. Sie wirkt altmodisch, wurde aber erst 1977 errichtet und gehört damit zur jüngeren Stadtgeschichte.

Tipps und Informationen

Anreise: Flüge nach Anchorage erfolgen meist mit Zwischenstopp, häufig über Seattle; Anbieter sind unter anderem United oder kombinierte Verbindungen mit Condor und Alaska Airlines. Direktflüge nach Vancouver bieten etwa Lufthansa, Condor oder Air Canada.

Einreise: Für die USA benötigen Reisende eine elektronische Reisegenehmigung (ESTA). Die Gebühr liegt derzeit bei etwa 20 Euro; ab dem 30. September 2025 wird sie auf rund 34 Euro angehoben. Für Kanada ist die elektronische Einreisegenehmigung eTA erforderlich; die Kosten liegen bei etwa fünf Euro.

Kreuzfahrten: Anbieter mit Routen entlang der Westküste sind etwa Oceania Cruises (Neun Tage Anchorage–Vancouver, Preise ab 3.179 Euro pro Person im Stateroom; Penthouse-Suiten teurer), Regent Seven Seas Cruises mit der „Seven Seas Explorer“ (acht Tage, ab 5.669 Euro) sowie Azamara Cruises mit längeren Kombinationstouren, darunter ein 13-tägiges Programm von Anchorage nach Victoria (ab ca. 5.569 Euro).

Weiterführende Informationen: Offizielle Touristenseiten sind travelalaska.com und travel.destinationcanada.com. Zu Museen mit Ausstellungen zu indigenen Kulturen zählen das Anchorage Museum, das Alaska Native Heritage Center und das Museum of Northern British Columbia in Prince Rupert.

Die Recherche wurde von Oceania Cruises unterstützt. Unsere Standards zur Transparenz und redaktionellen Unabhängigkeit sind dokumentiert unter go2.as/unabhaengigkeit.

Kategorien USA

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