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Eine Kreuzfahrt über die Großen Seen verbindet städtische Metropolen mit unberührter Natur – und verlangt dem Kapitän technisches Können ab. Auf der Route der Hanseatic Inspiration werden in Schleusen und Kanälen insgesamt rund 175 Höhenmeter überwunden; die Reise bietet so dramatische Wasserstufen ebenso wie stille Buchten und historische Städte.
Riesige Seen, geformt von Eis
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Die fünf Großen Seen Nordamerikas sind geologisch einzigartig. Vor Jahrtausenden schoben Gletscher riesige Mulden in die Erdkruste, die nach ihrem Abschmelzen mit Wasser gefüllt blieben. Der Lake Superior ist der größte von ihnen – so weit und tief, dass die anderen Seen locker in ihm Platz fänden.

Startpunkt der Fahrt ist Toronto. Von der Aussichtsplattform des CN Tower eröffnet sich ein Panorama, das an ein Meer erinnert: auf dem Wasser ist kein gegenüberliegendes Ufer zu sehen, die Weite wirkt beinahe grenzenlos.
Schleusen, Kanäle und Präzisionsnavigation
Zwischen Ontario- und Eriesee liegt die so genannte Niagara-Stufe, Folge tektonischer Bewegungen. Heute ermöglicht der Welland-Kanal die Umfahrung der Niagara-Fälle. Auf einer Passage mit acht Schleusen werden zwischen Ontario und Erie rund 100 Meter überwunden.
Gesamthaft durchfährt die Route 15 Schleusen und kompensiert so etwa 175 Meter Höhenunterschied. Kapitän Jörn Gottschalk steuert die Hanseatic Inspiration dabei mit Millimeterarbeit durch enge Kammern: das Schiff füllt die Schleusen fast vollständig aus, bleibt aber gerade so manövrierbar.
Die „Hanseatic Inspiration“ ist 22 Meter breit, 138 Meter lang und hat einen Tiefgang von 5,60 Metern. Solche Maße machen sie geeignet für Routen, die für die großen Kreuzfahrtriesen unerreichbar wären; die Reederei setzte das Schiff 2019 gezielt für diesen Zweck in Dienst.
Stadtbesuche und Kontraste
Der erste Landgang führt in Windsor; von dort bietet ein organisierter Shuttle mit Grenzformalitäten die Möglichkeit, den Detroit River zu überqueren und in die einstige Motor City zu fahren. Detroit erzählt von industrieller Blüte, wirtschaftlichem Niedergang und architektonischen Schätzen, die aufgrund fehlender Mittel erhalten blieben.
Nach städtischen Eindrücken nimmt die Reise deutlich an Ruhe zu. Über den Lake St. Clair und den St. Clair River geht es in den Huronsee und in die weit verzweigte Georgian Bay. Diese Bucht, von Geologen teils als sechster Großer See betrachtet, ist rund 190 Kilometer lang und bis zu 80 Kilometer breit und fast vom Land eingeschlossen.
Wälder, Inseln und Wasserwege
An mehreren Tagen legt das Schiff in kleinen Orten an: Tobermory, Killarney und Parry Sound sind Ausgangspunkte für Ausflüge in felsige Küstenlandschaften und dichte Mischwälder. Die Region erinnert an Postkartenmotive: Leuchttürme, Schäreninseln und ruhige Buchten.

In Parry Sound beginnt ein Schärengarten, den lokale Bootsfahrten näher erkunden. In Killarney weist ein riesiges Holzpaddel den Weg zu einem kleinen, weißen Leuchtturm; Wanderwege führen über flache Granitfelsen entlang des Ufers. Zurück an Bord werden oft die bordeigenen Gummiboote eingesetzt, um noch näher an die winzigen Inseln heranzukommen.
Im Herbst macht die Tour die Möglichkeit auf den farbenprächtigen Indian Summer – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.
Grenzformalitäten und Inselidylle
Sault Ste. Marie teilt seinen Namen mit dem gleichnamigen Ort auf der US-Seite; durch den Saint Marys River verläuft hier wieder die Grenze. Ab diesem Abschnitt verlagert sich die Reise in US-Gewässer. Die Einreise regelt ein strenges Prozedere: Das Schiff passiert leer den Hafen, während die etwa 230 Passagiere per Bus zur US-Grenzstelle gebracht werden. Nur nach individueller Kontrolle und Rückkehr aller Gäste wird das Boarding freigegeben.
Ein weiterer Höhepunkt ist Mackinac Island im Huronsee. Die Insel ist autofrei, Verkehr läuft mit Pferdekutschen und Fahrrädern. Dominierendes Bauwerk ist das 1887 eröffnete Grand Hotel mit seiner angeblich mehr als 200 Meter langen Veranda — eine historische Sommerresidenz, die Besucher noch heute anzieht.
Endpunkt Milwaukee und praktische Hinweise
Die Reise endet am Westufer des Michigansees in Milwaukee, der größten Stadt Wisconsins. Die Stadt ist bekannt für ihre Braukultur, eine ausgeprägte deutsche Community und als Geburtsort von Harley‑Davidson.
Wissenswertes vor der Buchung
Flüge: Direktverbindungen von Deutschland nach Toronto oder Chicago bestehen über verschiedene Airlines.
Einreise: Deutsche Staatsbürger benötigen einen Reisepass sowie elektronische Einreisegenehmigungen. Für die USA ist ein ESTA erforderlich (gebührenpflichtig, 21 US-Dollar), für Kanada ein eTA (7 Kanadische Dollar).
Kreuzfahrt: Hapag‑Lloyd bietet Fahrten über die Großen Seen derzeit vorwiegend im Herbst an; die Route wurde um den Lake Superior erweitert. Eine 13-tägige Reise von Toronto nach Milwaukee beginnt laut Anbieter bei rund 9.170 Euro pro Person. Zusatzleistungen wie Anreisepakete mit Flügen und Transfers sind optional buchbar.
Weitere Informationen sind bei den offiziellen Tourismusseiten der Regionen erhältlich.












