Fern vom Grand Canyon zeigt Arizona überraschende Seiten

Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen


Nördliches Arizona ist mehr als Grand Canyon und rote Felsen: Zwischen endlosen Ebenen, stillen Wäldern und alten Bergbaustädten zeigt sich ein raues, unverfälschtes Amerika. Für Reisende, die Road‑Movie‑Momente suchen, offenbaren Orte wie Prescott, Jerome oder der Barringer‑Krater überraschende Facetten des Westens.

Prescott: Saloon‑Atmosphäre auf 1.600 Metern

In der Hotellobby hängt das Schild „No Firearms Allowed“ – ein Hinweis auf die lockeren Waffengesetze des Bundesstaats. In Prescott, das rund 1.600 Meter hoch liegt, ist der Wildwest‑Charme allgegenwärtig: Auf der sogenannten Whisky Row tragen Kellner teils noch Pistolengürtel, und in Souvenirläden stehen Spielzeugrevolver mit Namen wie „Jesse James“ oder „Doc Holliday“ im Regal.

Historische Bezüge sind hier nicht nur Kulisse. Der Zahnarzt und Spieler Doc Holliday kam 1879 mit Wyatt Earp nach Prescott und verbrachte einige Monate in den Saloons der Stadt. Heute ist Prescott zugleich Ausgangspunkt für Wanderungen durch ausgedehnte Kiefernwälder und Fahrten zu nahegelegenen Seen.

Weite, Stille, Filmreife Straßen

Die Landschaft nördlich von Phoenix bietet weite, fast unbegrenzte Horizonte und schnurgerade Highways, die wie Filmkulissen wirken. Karge Wüsten, vereinzelte Siedlungen und weitläufige Himmelsflächen prägen das Bild.

Schnurgerade Wüstenstraße, die in den Horizont führt
Die Highways des nördlichen Arizona wirken wie Filmkulissen

Die Route nach Sedona führt über kurvige Strecken und rote Berge; unterwegs trifft man auf Biker, Sportwagen und auf Orte, die das Gefühl von „Weiterfahren“ fördern – ganz im Sinne des Liedes „Take It Easy“.

Jerome: vom Erzboom zur Geisterstadt mit Leben

Am steilen Hang des Cleopatra Hill liegt Jerome, einst eine boomende Bergbaustadt mit bis zu 15.000 Bewohnern in den 1920er‑Jahren. Heute zählen Zählungen nur noch wenige Hundert. Die Spuren der Gold‑, Silber‑ und Kupferförderung sind überall sichtbar.

Eine Gedenktafel beschreibt Jerome als einst „eine der wildesten, verruchtesten Bergbaustädte des Westens“. Zu entdecken sind enge Gassen, alte Minenanlagen und die Geschichte von Jennie Bauders, einer belgischen Unternehmerin, die mit ihrem Bordell zu großem Reichtum kam und 1905 ermordet wurde.

Barringer‑Krater: ein Meteorit schlägt ein

Abseits der Atlantikstraßen liegt eine der spektakulärsten Naturerscheinungen Arizonas: der Barringer‑Krater. Wer aus der Ebene ins Besucherzentrum fährt, sieht zunächst nur einen kleinen Hügel.

Großer Krater mit steilen Wänden in Wüstenlandschaft
Der Barringer-Krater: Vor 50.000 Jahren schlug hier ein Meteorit ein

Dann tut sich das riesige Loch auf: rund 1.200 Meter Durchmesser, etwa 170 Meter tief. Geologen schätzen, dass vor etwa 50.000 Jahren ein Meteorit von etwa 45 Metern Durchmesser einschlug und dabei enorme Mengen Gestein aufwirbelte. Erst 1960er‑Untersuchungen bestätigten den Einschlag; später nutzten Astronauten die markante Landschaft für Mondtrainings. Fragmente des Meteoriten sind in Vitrinen zu sehen.

Winslow und die Ecke aus dem Song

Die kleine Stadt Winslow ist vor allem durch die Zeile „Standin’ on a corner in Winslow, Arizona“ aus dem Song „Take It Easy“ bekannt geworden. Am Eckplatz erinnert ein Park an diese Szene: ein roter Pickup, Statuen der Musiker und eine Mauer, die das Motiv widerspiegelt.

Für Besucher ist der Ort ein beiläufiges Theaterstück. Touristen aller Altersgruppen posieren, machen Selfies und bleiben kurz Teil der Musik‑Erinnerung, ehe die Reise weitergeht.

Petrified Forest und die bemalte Wüste

Östlich von Winslow erstreckt sich der Petrified Forest National Park mit der Painted Desert. Über etwa 45 Kilometer wechseln farbige Ton‑ und Gesteinsschichten, die an bemalte Ebenen erinnern. In der Blue Mesa zeigen sich Schichten in Weiß und Blaugrau, im sogenannten „Kristallwald“ liegen versteinertes Holz und bunte Brocken verstreut.

Die Szenerie wirkt isoliert und fast meditiv. Wer Stille sucht, findet hier eine Form der Einsamkeit, die sich deutlich von den Küstenbildern der USA unterscheidet.

Route 66 und praktische Hinweise

Auf dem Rückweg prägt die alte Route 66 das Bild. Zwischen Seligman und Kingman gibt es noch gut erhaltene Abschnitte, die in gerader Linie durch weite Landschaften führen. Parallel verlaufen Abschnitte der Pacific Railroad mit manchmal kilometergroßen Güterzügen. Auf Teilen der alten Straße liegt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit bei etwa 65 Meilen pro Stunde.

Reiseinfos

Anreise: Verbindungen von Frankfurt/Main nach Phoenix sind etwa mit Lufthansa/United oder Condor/Alaska Airlines möglich. Die Fahrt von Phoenix nach Prescott dauert ungefähr zwei Stunden; von Los Angeles aus rechnet man mit etwa sieben Stunden Fahrzeit.

Unterkunft: Das Grand Highland Hotel in Prescott wurde 1903 erbaut und nach einem Brand 2012 renoviert; Doppelzimmer sind ab rund 188 Euro verfügbar. Entlang der Route 66 finden sich zahlreiche klassische Motels, etwa Brad’s Desert Inn in Holbrook, mit Zimmerpreisen ab etwa 67 Euro.

Mehr Informationen: visitarizona.com, tourism.az.gov

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Arizona Office of Tourism. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit sind öffentlich einsehbar.

Kategorien USA

Geben Sie Ihr Feedback

Seien Sie der Erste, der dieser Beitrag bewertet
oder hinterlassen Sie eine detaillierte Bewertung



breitengrad53.de ist ein unabhängiges Medium. Unterstützen Sie uns, indem Sie uns zu Ihren Google News Favoriten hinzufügen:

Kommentar posten

Kommentar veröffentlichen