Übernachtungssteuer sorgt in England für Debatten

Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen

Englands Regionen sollen künftig eigene Abgaben auf Hotel- und andere Übernachtungen erheben dürfen — eine Entscheidung, die Reisekosten erhöhen und die regionale Tourismusstrategie beeinflussen könnte. Zwar ist keine gesetzliche Obergrenze vorgesehen, doch zehn Stadt- und Regionalbürgermeister haben bereits zugesagt, eine mögliche Abgabe freiwillig auf maximal fünf Prozent zu beschränken.

Was die neue Regelung vorsieht

Nach Plänen der Labour-Regierung sollen die Kommunen eine prozentuale Gebühr auf den Übernachtungspreis erheben können. Erfasst würden dem Entwurf zufolge nicht nur Hotels, sondern auch Bed & Breakfasts, Ferienwohnungen und andere kurzfristig vermietete Unterkünfte. Zahlungen sollen sowohl von inländischen als auch von internationalen Gästen verlangt werden.

Sitzungssaal mit Ratssitzungsszenerie zur Diskussion über Abgaben
Kommunalvertretungen diskutieren, wie eine Übernachtungssteuer ausgestaltet werden könnte.

Die konkrete Ausgestaltung — etwa Beginn, Ausnahmen oder genaue Prozentsätze — liegt bei den regionalen Behörden. Ausgenommen werden könnten bestimmte Angebote wie Campingplätze. Die Verantwortlichen müssen bis Anfang 2028 darlegen, wie sie die Einnahmen einsetzen wollen.

Wer begrenzt die Abgabe auf fünf Prozent?

Zehn Labour-Bürgermeister haben sich auf eine freiwillige Obergrenze von fünf Prozent verständigt. Zu ihnen zählen Amtsträger aus London, Greater Manchester, Liverpool, den West Midlands, dem North East, West of England, West Yorkshire, South Yorkshire, East Midlands sowie York und North Yorkshire. Die Bürgermeister bezeichnen die Grenze als »angemessen«, um starke regionale Unterschiede zu vermeiden und gleichzeitig lokalen Handlungsspielraum zu behalten.

Vor einer möglichen Einführung sollen vor Ort Konsultationen stattfinden, heißt es weiter. Die erhobenen Mittel sollen in die Regionen zurückfließen, etwa in Innenstädte oder den Nahverkehr.

Branche warnt vor Folgen für Nachfrage und Beschäftigung

Der Hotel- und Gastgewerbeverband UK Hospitality sieht durch die Abgabe Risiken für Nachfrage und Beschäftigung. Verbandschef Allen Simpson geht davon aus, dass ein durchschnittlicher Familienurlaub in England um rund 100 bis 120 Pfund teurer werden könnte. Besonders in der Nebensaison könnten dadurch Anbieter wie Ferienparks zusätzlichen Druck spüren.

Leere Hotelhalle mit Koffern zur Illustration von Nachfrageeffekten
Die Branche warnt, dass zusätzliche Abgaben Nachfrage und Beschäftigung drücken könnten.

Auch das World Travel & Tourism Council (WTTC) warnt vor Wettbewerbsnachteilen. Einer internen Untersuchung zufolge würden 29 Prozent der befragten Personen aus wichtigen Auslandsmärkten wie Deutschland, Frankreich und den USA bei einer Besucherabgabe von zehn Euro ein anderes Reiseziel in Erwägung ziehen oder ihre Reise absagen. Bei britischen Reisenden lag dieser Anteil bei 39 Prozent für eine Abgabe von zehn Pfund.

Reaktionen aus der Politik und internationale Vergleiche

Nicht alle regionalen Amtsinhaber dürften die neue Steuer nutzen: Bürgermeister von Reform UK und konservative Amtsinhaber werden voraussichtlich eine Übernachtungssteuer ablehnen. In Schottland existieren bereits vergleichbare Modelle; Edinburgh führte im Juli eine Abgabe von fünf Prozent ein.

Das WTTC fordert allgemein verhältnismäßige und berechenbare Abgaben, damit Großbritannien als Reiseziel nicht an Attraktivität gegenüber anderen Märkten verliert. Kritiker betonen, dass zusätzliche Kosten Besucherströme und Investitionen beeinflussen könnten.

Christian Schmicke

Geben Sie Ihr Feedback

★★★★★

Seien Sie der Erste, der dieser Beitrag bewertet
oder hinterlassen Sie eine detaillierte Bewertung



breitengrad53.de ist ein unabhängiges Medium. Unterstützen Sie uns, indem Sie uns zu Ihren Google News Favoriten hinzufügen:

Kommentar posten

Kommentar veröffentlichen