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Verfallene Kliniken, stillgelegte Fabriken und verlassene Vergnügungsparks: In Deutschland gibt es zahlreiche eindrückliche Lost Places. Wir stellen neun besonders sehenswerte Orte vor und geben Hinweise, worauf Besucher achten sollten.
Chemiewerk Rüdersdorf
Rund 30 Kilometer östlich von Berlin liegt eine imposante Industrieruine: das Chemiewerk Rüdersdorf. Gigantische Silos, hohe Schornsteine und alte Eisenbahnwaggons zeugen von einer Produktion, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.
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Im Laufe der Zeit wandelte sich das Gelände: Zementwerke lieferten einst Baumaterial für die Hauptstadt, nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte die sowjetische Besatzung Düngemittel. Ende der 1990er/Anfang 2000er Jahre wurde die Produktion eingestellt. Heute dient das Areal als Museumspark und war bereits Drehort großer Filmproduktionen, unter anderem für „Die Tribute von Panem – Mockingjay“.
Beelitz-Heilstätten
Die Beelitz-Heilstätten zählen zu den bekanntesten Lost Places Deutschlands. Ursprünglich als Lungenheilanstalt genutzt, erlebte der Komplex verschiedene Nutzungen und schließlich Verfall.
Während des Nationalsozialismus fungierte die Anlage als großes Lungensanatorium, später nutzte die Rote Armee zahlreiche Gebäude. Besucher finden heute zerfallene Zimmer, rostige Betten und von Bäumen eroberte Fassaden vor. Ein Baumkronenpfad in der Umgebung bietet zusätzlich einen ungewöhnlichen Blick aufs Gelände.
Spreepark Berlin
Im Plänterwald liegt der einst beliebte Vergnügungspark, dessen leere Achterbahnen und verlassene Karussells eine eigenartige Atmosphäre schaffen. Der Spreepark zog früher Millionen an, wurde nach der Wende jedoch insolvent geführt.

Die Stadt Berlin hat das Gelände übernommen und plant eine Neunutzung als Kunst- und Kulturpark. Nach aktuellen Plänen soll eine Wiedereröffnung 2027 erfolgen. Wegen laufender Bauarbeiten ist das Areal nicht jederzeit frei zugänglich; es werden allerdings zu bestimmten Terminen Gruppenführungen angeboten.
Halbinsel Wustrow
Die kleine Halbinsel Wustrow an der mecklenburgischen Ostseeküste entwickelte sich von einem beliebten Ferienort zu einem streng abgeschirmten Areal. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gebiet militärisch genutzt, später übernahm die Sowjetarmee die Kontrolle.
Seit 1998 gehört das knapp 100 Ruinen umfassende Gelände einem privaten Investor, der es als Ferienort wieder aufbauen will. Bislang scheiterten die Vorhaben wiederholt an fehlenden Genehmigungen, sodass Wustrow weiterhin als geisterhafte Halbinsel wirkt.
Stasi-Zentrale Leipzig (Runde Ecke)
Die frühere Stasi-Zentrale in Leipzig verbindet Gedenkstätte und Lost-Place-Charakter. Seit 1991 dient das Gebäude am Dittrichring als Erinnerungsort und Archiv.
Insgesamt lagern dort mehrere tausend laufende Meter Akten und Millionen Karteikarten. Besucher können Ausstellungen sehen und an Zeitzeugenführungen teilnehmen, die unter anderem zu Archiven, zur früheren Hinrichtungsstätte in der Südstadt oder zum Stasi-Bunker in Machern führen.
Sophienheilstätte bei Bad Berka
Die Sophienheilstätte wurde ab 1898 vor allem zur Behandlung von Tuberkulose-Patienten genutzt und entwickelte sich zu einem charakteristischen Fachwerkensemble. In den 1990er Jahren verfiel das Gelände.
Inzwischen hat sich das Areal unter dem Motto „Lostplace.Neu.Erleben“ neu orientiert. Es gibt Führungen, Workshops und verschiedene Veranstaltungen wie Sommerfeste oder Halloween-Aktionen, die den Ort wiederbeleben.
Auto-Skulpturenpark im Neandertal
Südlich von Mettmann entstand auf privatem Gelände ein ungewöhnlicher Schrottplatz: der Auto-Skulpturenpark. Initiator Michael Fröhlich arrangierte rund 50 Oldtimer als begehbare Kunstobjekte.
Zu den hinterlassenen Fahrzeugen zählen Klassiker wie der Porsche 356, ein Rolls-Royce und ein Citroën Traction Avant. Besucher können den Park sonntags gegen Eintritt besichtigen; für Fotoaufnahmen ist eine zusätzliche Genehmigung erforderlich.
Hotel Waldlust, Freudenstadt
Das 1902 eröffnete Grandhotel Waldlust im Schwarzwald brachte einst Gäste im eleganten Jugendstil unter. Während des Zweiten Weltkriegs diente es als Lazarett, danach blieb der frühere Glanz aus.
Seit 2005 steht das Haus leer und hat sich zu einem Anziehungspunkt für Lost-Place-Interessierte entwickelt. Regelmäßig werden Führungen angeboten, unter anderem mittwochs vormittags.
Geisterbahnhof München (Oberwiesenfeld)
Für die Olympischen Spiele 1972 errichtet, sollte der S-Bahnhof Oberwiesenfeld große Menschenmengen bedienen. Nach den Spielen überdeckte die nahe U‑Bahn die Nachfrage.
1988 wurde der Bahnhof stillgelegt. Seither verfällt das Areal, und Graffiti sowie die Natur prägen heute das Bild des ehemaligen Olympia-Bahnhofs. In München werden immer wieder Nachnutzungsoptionen diskutiert, etwa Rad- und Gehwege oder Treffpunkte für Jugendliche.
Hinweis: Beim Besuch solcher Orte gilt Vorsicht: Betreten Sie nur öffentlich zugängliche Bereiche und respektieren Sie Absperrungen sowie privaten Grund. Geführte Touren bieten oft die sicherste Möglichkeit, Lost Places legal und geschützt zu erleben.











